Wie in der Super League, wo der achtfache Serienmeister FC Basel nach der Vorrunde hinter YB liegt, ist in der italienischen Serie A das Titelmonster Juventus auch nur Tabellenzweiter. Sechsmal in Folge hatte die Squadra aus dem Piemont die Meisterschaft gewonnen, zwei Mal sogar mit 17 Punkten Vorsprung, was ein Fiasko für die Spannung war.

Nun aber liefern sich die SSC Napoli (1.), Juventus (2.), Inter (3.) und die AS Roma (4.) ein spannendes Rennen an der Spitze; und selbst Lazio Rom (5.) ist noch dabei, sollte es sein Nachtragsspiel gegen Udinese gewinnen. Die gleiche Halbzeit-Reihenfolge der Top 3 hatte es schon vor zwei Jahren gegeben, am Ende Juve aber mit neun Punkten Vorsprung triumphiert.

Dass sich ein solches Szenario wiederholen könnte, ist nicht abzusehen. Zu stabil wirken die Konkurrenten der Turiner. Selbst wenn das während 16 Spieltagen ungeschlagene Inter zuletzt zweimal verlor und die Leaderposition an Napoli abgeben musste. Am Fuss des Vesuvs spuckt Präsident Aurelio De Laurentiis bereits grosse Töne: «Wir holen den Scudetto.»

Vermutlich traut auch Pep Guardiola dieser Mannschaft zu, erstmals nach 28 Jahren wieder Meister zu werden. «Sie spielen den schönsten Fussball in ganz Europa. Ich habe noch nie, ob als Spieler oder Trainer, gegen eine solche Mannschaft gespielt», sagte Guardiola, nachdem er in der Champions League mit seinem Weltklasseteam die allergrösste Mühe gehabt hatte, die Italiener zu besiegen.

Gerade die Ergebnisse in der Königsklasse könnten indes Skeptiker zweifeln lassen, dass Napoli die Reife mitbringt, um Juventus bis zum Schluss auf Distanz zu halten. Gegen Guardiolas Manchester City, Donezk und Feyenoord reichte es nur zu Rang drei. In der Europa League kommt es in den Sechszehntelfinals nun zum reizvollen Duell mit RB Leipzig.

Hamsik, der Rekordtorschütze

Trainer Maurizio Sarri, ein ehemaliger Bankangestellter, steht in seinem dritten Jahr im San Paolo und hat mit 2,16 den besten Punkteschnitt in der Geschichte der Napoli-Trainer. Er hat ein Team geformt, das im Angriffsmodus wunderbar kombiniert und mit Lorenzo Insigne, Dries Mertens und José Callejon Klassestürmer hat, die fast jede Abwehr schwindlig spielen können. Das Herz des Teams aber ist Aufbauer Marek Hamsik. Der Slowake spielt schon seit 2007 in Neapel und löste kürzlich mit seinem 116. Pflichtspieltor Maradona als Rekordhalter ab, der 115 Treffer erzielt hatte.

Während es in Neapel schöne Weihnachten zu feiern gab, hängt der Haussegen bei der AC Milan schief. Das heisst: Er hing schief. Denn vor drei Tagen gelang der Mannschaft des neuen Trainers Gennaro Gattuso ein Befreiungsschlag. Im Derby gegen Inter kamen die Rossoneri dank eines Tores des 19-jährigen Eigengewächses Patrick Cutrone zu einem 1:0-Sieg nach Verlängerung und zogen damit in den Cuphalbfinal ein. Was allerdings nichts an den Fakten ändert, dass die im Sommer für 230 Millionen Euro aufgerüstete Mannschaft in der Serie A eine katastrophale Falle macht.

Spieler wie Italiens Abwehrikone Leonardo Bonucci, der Schweizer Ricardo Rodriguez oder der Portugiese André Silva fanden nie zu einer Einheit. Das Unentschieden gegen den punktelosen Aufsteiger Benevento war oberpeinlich. Acht Niederlagen nach 18 Spielen sind die schlechteste Bilanz seit 36 Jahren und der Abstiegssaison. Gattuso hat sogar den noch mieseren Punkteschnitt als sein Vorgänger Vincenzo Montella.

Ob die Massnahme, das Weihnachtsessen zu streichen und im Trainingszentrum in Klausur zu gehen, mehr als den Sieg im Cup bringt, ist schon heute Mittag zu sehen. Die Mailänder treten in der Liga um 12.30 Uhr bei der Fiorentina an.