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Naomi Osaka löst eine Protestwelle gegen Polizeigewalt aus: «Genozid an schwarzen Menschen macht mich krank»

Die Japanerin Naomi Osaka erhebt ihre Stimme gegen Rassismus und Polizeigewalt und stösst einen Streik im Tennis aus.

Die Japanerin Naomi Osaka erhebt ihre Stimme gegen Rassismus und Polizeigewalt und stösst einen Streik im Tennis aus.

An den WTA- und ATP-Turnieren in New York wird erst am Freitag wieder gespielt. Die Veranstalter sprechen eine Pause aus, nachdem Naomi Osaka ihren Halbfinal gegen Elise Mertens aus Protest boykottiert hatte.

Wieder geschah es am helllichten Tag. Wieder war ein Afroamerikaner das Opfer. Sein Name: Jacob Blake. Der 29-Jährige hatte in seiner Heimatstadt Kenosha im Bundesstaat Wisconsin versucht, einen Streit zu schlichten. Die Situation eskalierte, als die herbeigerufene Polizei Gewalt gegen Blake anwendete und diesen letztlich mit mehreren Schüssen in den Rücken niederstreckte, vor den Augen der drei Söhne von Blake – im Alter von drei, fünf und acht Jahren. Zwar befindet sich das Opfer nach Angaben der Ärzte auf der Intensivstation, schwebt aber nicht mehr in Lebensgefahr, dürfte aber von der Hüfte abwärts gelähmt bleiben, weil eine Kugel die Wirbelsäule durchschlug. Weitere Kugeln trafen Magen, Leber, Nieren und Arm des jungen Amerikaners. Der Vorfall löste massive Proteste aus.

Eine Welle, die auch den Sport erfasste. Aus Protest gegen Rassismus und Polizeigewalt verzichtet Osaka auf den Halbfinal eines Turniers in New York, sie sagt: «Der Genozid an schwarzen Menschen macht mich krank. Noch bevor ich eine Athletin bin, bin ich eine schwarze Frau. Und als eine schwarze Frau habe ich das Gefühl, dass es wichtigere Themen gibt, die sofortige Aufmerksamkeit brauchen, anstatt mich Tennis spielen zu sehen», sagt die 22-Jährige, die in Florida lebt, in einer über die sozialen Medien verbreiteten Stellungnahme. «Ich erwarte nicht, dass etwas Drastisches mit mir passiert, wenn ich nicht spiele. Wenn ich ein Gespräch starten kann in einem mehrheitlich weissen Sport, betrachte ich das als Schritt in die richtige Richtung.» Die Standesorganisationen im Tennis schlossen sich dem Protest an. Am Donnerstag ruht der Spielbetrieb.

Naomi Osaka kam in Japan zur Welt, lebt aber bereits seit ihrem dritten Lebensjahr in New York. Der Vater ist aus Haiti, die Mutter Japanerin. Sie waren emigriert, nachdem die Familie mit der Mutter gebrochen hatte, weil diese mit einem Schwarzen liiert ist. Rassismus ist der rote Faden, der sich durch das Leben von Naomi Osaka zieht. Sie sagt: «Es kommt die Zeit, in der Schweigen zum Verrat wird.» Osaka ist Teil einer Protestwelle gegen Rassismus und Polizeigewalt, die vom NBA-Team der Milwaukee Bucks angeschoben worden war. Der Titelkandidat boykottierte das Playoff-Duell mit den Orlando Magics und provozierte damit die Absage aller für den Mittwoch geplanten Playoff-Begegnungen in der NBA. Teams in der WNBA, MLS und MLB schlossen sich dem Boykott an.

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