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Nächste Wachablösung in Lugano – Ajoies Exil: die Eishockey-Rundschau der Woche in fünf Punkten

Unsere Eishockey-Rundschau handelt von Luganos Trainerverschleiss, Ajoies Final im Exil – und drei Torhütern.

In Lugano übernimmt der 15. Trainer seit 2006

Die Liste der gescheiterten Lugano-Trainer ist um einen Namen länger. Sami Kapanen, mit Vertrag bis 2021, ist nach dem 2:7 in Ambri entlassen worden. Die zweite Trainerentlassung nach Mark French (Gottéron). Die Spieler hatten mit dem freundlichen Finnen gemacht, was sie wollten und nur noch drei von vierzehn Partien gewonnen. Nach Verlustpunkten ist Lugano auf den letzten Platz abgerutscht. Vorläufig steht Sportchef Hnat Domenichelli an der Bande. Je nach Zählweise ist er der 14. oder 15. Trainer seit dem Titel von 2006. Der 15., wenn wir auch Christian Wohlwend dazurechnen. Der HCD-­Erfolgstrainer stand nämlich in Lugano nach der Entlassung von Patrick Fischer im Oktober 2015 für zwei Spiele an der Bande, verlor 1:5 in Biel und gewann 6:3 gegen Ambri, ehe er seinen Platz Doug Shedden überliess. Ein einziger Trainer ist seit 2006 nicht gefeuert worden: Greg Ireland, 2018 Finalist, durfte letzte Saison seinen Vertrag bis zum bitteren Ende aussitzen.

Der freundliche Finne sagt Arrivederci: Trainer Sami Kapanen muss in Lugano seinen Platz räumen.

Der freundliche Finne sagt Arrivederci: Trainer Sami Kapanen muss in Lugano seinen Platz räumen.

Der Cup-Betrug an Ajoie

Der HC Ajoie hat als unterklassiges Team im Cupfinal gegen Davos Heimrecht. Aber die Jurassier dürfen den Cupfinal am 2. Februar nicht im eigenen Stadion austragen. Ginge es um die Sicherheit, dann dürften wir nicht polemisieren. Aber das ist kein Thema. Ajoie bestreitet ja die ganze Meisterschaft in seiner Arena (2500 Plätze), die zurzeit umgebaut wird. Ginge es um die Sicherheit, hätten die Cup-Partien gegen die ZSC Lions oder Biel nicht bewilligt werden dürfen. Ginge es um die TV-Produktion, wäre der Halbfinal gegen Biel nicht übertragen worden. Es geht um etwas ganz anderes. «Zu wenig VIP-Plätze» nennt der ehrliche Cup-Chef Willi Vögtlin mit verblüffender Ehrlichkeit als wichtigen Grund, warum der Austragungsort des Cupfinals noch offen ist. Die verkaufte Seele des Sportes. Der Cup-Wettbewerb, der inzwischen seinen ganz besonderen Reiz auch im Eishockey entfaltet, verkommt ausgerechnet im Final zu einem «Cüpli-Cup» für «VIP-Willi».

Ajoies Spielern jubeln nach dem Sieg gegen Biel mit Fans.

Ajoies Spielern jubeln nach dem Sieg gegen Biel mit Fans.

Torhüter-Episode I: ­Finnland

Es ist so oft gesendet und geschrieben worden, dass nun eigentlich ein Taler fürs Phrasenschwein fällig wäre. Aber so eindrücklich ist die Weisheit, dass auch grosse Mannschaften grosse Goalies brauchen, noch selten bestätigt worden. Ohne Tomi Karhunen hatte der Meister bloss 5 von 23 Partien gewonnen. Mit dem finnischen Goalie sind es nun vier Siege in den letzten fünf Partien, und zuletzt hat der neue letzte Mann der Berner im Hallenstadion beim 4:1-Sieg 32 Schüsse abgewehrt. Er ist mit einer Fangquote von 93,75 Prozent die beste Nummer 1 der Liga.

© CH Media

Torhüter-Episode II: Mondlandung

Der Adler ist gelandet. Am 20. Juli 1969 setzten Neil Armstrong und Buzz Aldrin im Meer der Ruhe auf der Mondoberfläche auf. Wenig später meldeten sie sich mit den berühmten Worten «Houston, the Eagle has landed» bei der Kontrollstation auf der Erde. Noch war die Mission Apollo 11 nicht zu Ende. Aber nach der geglückten Landung ahnten, hofften, wussten alle: Es kommt doch noch alles gut. Ist der 17. Dezember 2019 für den EV Zug, was der 20. Juli für die Raumfahrt? Leonardo Genoni, während der laufenden Saison oft kritisiert, zwischendurch gar statistisch der Schwächste der Liga und verletzt, hat in Lausanne (3:0) seinen ersten Shutout für die Zuger «gelandet». Noch ist die Mission Meistertitel nicht zu Ende. Aber nun ahnen, hoffen, wissen alle: Es kommt doch noch gut. Allerdings muss die «Mission Meistertitel 2020» in Zug auf einer rutschigen Unterlage zu einem guten Ende gebracht werden. Nicht auf der staubtrockenen, griffigen Mondoberfläche.

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Torhüter-Episode III: Ivars Punnenovs

Ehrlich währt am längsten. Nach Siegen sind Trainer stolz auf ihr Team, fabulieren von einem eingehaltenen «Game Plan», und nur hin und wieder wird immerhin eingestanden, man habe auch Glück gehabt. Aber so ist es nicht bei Langnaus Heinz Ehlers. Nach einem überaus glücklichen 2:1 (bei 18:28 Torschüssen!) gegen die mutigen, tapferen Lakers sagte er: «Ich schäme mich für unsere Leistung.» Und als ein Chronist intervenierte und daran mahnte, es gehe einzig und allein darum, ein Spiel zu gewinnen, also sei alles richtig gemacht worden, brummte der Vater von NHL-Star Nikolaj Ehlers missmutig: «Sie sind aber heute Abend positiv!». Diese gnadenlose Ehrlichkeit ist einer der Gründe, warum Heinz Ehlers mit den nominell schwächsten Schweizer Feldspielern der Liga immer noch auf einem Playoffplatz steht. Der wichtigste ist allerdings ein anderer: Ivars Punnenovs ist einer der besten Torhüter der Liga. Mit einer Fangquote von 96,43 Prozent gegen die Lakers.

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