Nachgefragt
Pajtim Kasami offen und ehrlich: «Die Fans dürfen uns beleidigen, das haben wir verdient»

FCB-Mittelfeldspieler Pajtim Kasami spricht nach dem 0:0 gegen Lausanne über schlaflose Nächte, Stolz und die Fan-Konfrontation nach dem Cup-Debakel.

Jakob Weber (aufgezeichnet)
Merken
Drucken
Teilen
Pajtim Kasami schaut fragend zum Schiedsrichter, der gegen Lausanne nicht immer seiner Meinung war.

Pajtim Kasami schaut fragend zum Schiedsrichter, der gegen Lausanne nicht immer seiner Meinung war.

Marc Schumacher / freshfocus

Die ganze Stadt hat eine Reaktion gefordert, ist das gelungen?

Pajtim Kasami: Ja. Wir haben gekämpft und gezeigt, dass wir uns nicht abschlachten lassen. Ich habe schon vor dem Spiel gespürt, dass jeder unbedingt wollte und wusste, dass wir ein gutes Spiel zeigen werden. Wir müssen für unser Trikot kämpfen und unseren Stolz zeigen.

In Unterzahl war das Kämpfen besonders wichtig.

Die Szene selber habe ich nicht gesehen, ich war überrascht, dass plötzlich einer am Boden lag. Nach der roten Karte mussten wir noch mehr Wille und Zusammenhalt zeigen. Ich habe gespürt, dass jeder für den anderen geht und war deshalb überzeugt, dass wir trotzdem ein gutes Resultat machen.

Was hat heute besser geklappt als am Mittwoch?

Was am Mittwoch passiert ist, wird hoffentlich nicht nochmal passieren. Dafür können wir uns nur entschuldigen. Aber die Niederlage hat uns klar gemacht, dass es so nicht weiter geht. Ich selber hatte eine schlaflose Nacht vor lauter Adrenalin. Ich war enttäuscht und traurig und habe mich den Fans gestellt und mir angehört, was sie gesagt haben. Heute habe ich mir das zu Herzen genommen und ich bin stolz, dass wir nach so einer Blamage heute Charakter gezeigt haben. Wir können es aber sicherlich auch noch besser. Aber mit einem Spieler weniger war es schwer.

Wie war die Situation mit den Fans am Mittwoch?

Wir waren in der Kabine, als Taulant Xhaka zu den Fans ist. Ich bin dann hinterher, um zu schauen, was ist. Ich habe solche Situationen in meiner Karriere schon erlebt. Die Fans hätten sagen können, was sie wollen. Ich weiss, dass sie recht haben, da können sie uns auch beleidigen. Das haben wir verdient.

Was hat diese Konfrontation bewirkt?

Wir haben gespürt, dass die Fans trotz Corona für uns da sind und dass sie erwarten, dass wir für das rotblaue Trikot kämpfen, bis wir umfallen.

Heute habt ihr euch zumindest die Null und damit einen Punkt erkämpft.

Für die Moral und für die ganze Defensive ist das sehr wichtig. Darauf lässt sich aufbauen. Jetzt müssen wir aber erstmal etwas herunterfahren. Die Verletztenliste ist lang. Alle gehen auf dem Zahnfleisch und wir wollen ja gegen St. Gallen wieder angreifen.