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Nach Tour-Hälfte: Pinot wieder der grosse Verlierer, Hirschi der aufgehende Stern

Marc Hirschi auf seiner Solofahrt bei der neunten Etappe.

Marc Hirschi auf seiner Solofahrt bei der neunten Etappe.

Zehn Etappen in der Tour de France 2020 sind absolviert. Zeit für einen Überblick.

Neun verschiedene Sieger, Schweizer Exploits und ein Favorit im gelben Trikot des Gesamtführenden: Es war eine aufregende erste Tour-Hälfte.

Die Gewinner

Im Kampf um den grössten Titel im Radsport überzeugte in den ersten zehn Etappen vor allem ein Team: Jumbo-Visma. Mit drei Etappensiegen und Primoz Roglic, Träger des «Maillot jaunes», in ihren Reihen stellen sie Ineos, das FC Bayern München des Radsports, in den Schatten. Roglic befindet sich in einer überragenden Verfassung und scheint keine Schwächen zu haben. Konkurrenz erhält er von seinem Landsmann Tadej Pogacar vom Team UAE. Der 21-jährige Pogacar überraschte mit seinen Fähigkeiten am Berg. Ein anderer brillierte zwei mal im Sprint und ist der einzige Athlet bisher mit zwei Etappensiegen: der Belgier Wout van Aert (Jumbo-Visma). Ihm geht es nicht um den Gesamtsieg, er zählt zu den wichtigsten Helfern von Teamleader Roglic.

Primoz Roglic trägt nach zehn Etappen das Maillot jaune und führt das Gesamtklassement an.

Primoz Roglic trägt nach zehn Etappen das Maillot jaune und führt das Gesamtklassement an.

Ebenfalls nichts mit dem Gesamtsieg zu tun hat der Schweizer Marc Hirschi. Doch der 22-Jährige sorgt bei seiner Debüt-Tour für Exploits. Zwei Mal kämpfte er im Zielsprint um den Etappensieg. Beide Male reichte es für auf das Podest – einmal als Zweiter, einmal Dritter. In der Radwelt begeisterte Hirschi die Fans und Experten durch seinen Sololauf in der neunten Etappe. Seine Power ist beeindruckend. Nach den beiden Podestplätzen war er ob der verpassten Siege enttäuscht. «Klar bin ich stolz auf die Leistung. Doch was in Erinnerung bleibt, ist das Ergebnis und nicht die Leistung», sagte er gegenüber SRF. Er will wohl weiter probieren, einen Etappensieg zu holen. Es wäre die Krönung eines gelungenen Tour-Debüts.

Die Verlierer

Gross war die Hoffnung vor der Tour für die Franzosen. Seit 35 Jahren warten sie auf einen heimischen Toursieger. Thibaut Pinot (Groupama-FDJ) hiess die Hoffnung. In den vergangen Jahren war der 30-Jährige verfolgt von Pech und Verletzungen. 2019 musste er in der drittletzten Etappe als Mitfavorit auf den Toursieg wegen einer Oberschenkelverletzung aufgeben. Ein Drama, das mit Tränen endete. Mit neuem Elan und Vorschusslorbeeren startete Pinot in diesem Jahr in die Tour. Doch bei Regen gab es in der ersten Etappe einen Massensturz, in den auch er verwickelt war und sich Rückenprellungen zu zog. Mit diesem Handicap hatte er bisher keine Chance vorne mitzuhalten.

Schon bei der ersten Etappe am Boden: Thibaut Pinot hatte auch in diesem Jahr bisher kein Glück an der Tour de France.

Schon bei der ersten Etappe am Boden: Thibaut Pinot hatte auch in diesem Jahr bisher kein Glück an der Tour de France.

Das enttäuschendste Team der ersten zehn Etappen ist Ineos. Das britische Team, das früher unter dem Namen Sky fuhr, stellte die letzten fünf Toursieger und ist in diesem Jahr mit Titelverteidiger Egan Bernal am Start. Der Kolumbianer ist zwar Zweiter der Tour, doch Ineos enttäuscht, da sie bisher nicht mit Jumbo-Visma mithalten können. Bernal hat sich zwar seit Beginn gesteigert, ist aber vor allem auf sich allein gestellt. Auf grosse Unterstützung aus einem Team konnte er bisher nicht zählen. Wichtigster Helfer von Bernal ist derzeit der Ecuadorianer Richard Carapaz. Will Bernal triumphieren, ist Carapaz’ Hilfe essenziell.

Die anderen Schweizer

Neben Marc Hirschi komplettieren Stefan Küng, Sébastien Reichenbach und Michael Schär das Schweizer Quartett. Küng und Reichenbach gehören zum Team von Pinot und konnten deshalb nur für wenig Furore sorgen. Gestern wurde Stefan Küng immerhin zum kämpferischsten Fahrer gewählt. Diese Auszeichnung erhielten auch Schär und Hirschi, in der ersten respektive neunten Etappe. Reichenbach ist indes der bestklassierte Schweizer im Gesamtklassement mit dem 37. Rang.

Alle Fahrer negativ

Nach neun Etappen wurden alle Fahrer und Beteiligten erneut auf das Coronavirus getestet. Sehr erfreulich ist, dass alle Tests der Fahrer negativ ausgefallen sind. Nur vier Betreuer und Tour-Chef Christian Prudhomme waren positiv.

Christian Prudhomme: Der Tour-Chef wurde positiv auf das Coronavirus getestet und begibt sich in Quarantäne.

Christian Prudhomme: Der Tour-Chef wurde positiv auf das Coronavirus getestet und begibt sich in Quarantäne.

So geht es weiter

Zehn Etappen gilt es noch zu meistern. Nach eher flachen Strecken wird es ab morgen wieder kupiert bis bergig. Leader Roglic gehört sicher zu den heissen Eisen und kann auf starke Helfer zählen. Allerdings führte er im vergangenen Jahr bei der Giro d’Italia ebenfalls die Rundfahrt an und liess in der Folge stark nach.

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