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Nach Ski-Zeiten-Chaos nimmt CEO von Swiss Timing Stellung: «Wir werden daraus lernen»

«Es war eine ungewöhnliche Verkettung von menschlichen Fehlern. Dafür übernehmen wir die Verantwortung.», sagt Alain Zobrist CEO von Swiss Timing

Schadenserklärung nach dem Zeiten-Chaos bei der Frauen-Abfahrt in CransMontana: Alain Zobrist, CEO von Swiss Timing, übernimmt die Verantwortung und plädiert für Verständnis für die Arbeit seiner Organisation.

Die alpine Ski-Welt ist im Aufruhr. Mit drei Tagen Verzögerung wurde das Klassement der Weltcup-Abfahrt von Crans-Montana quasi auf den Kopf gestellt. Wie konnte das passieren?

Alain Zobrist: Die Fotozellen bei der Ziellinie waren zu hoch eingestellt. Deshalb wurden die Schlusszeiten teilweise nicht erfasst. Als wir dann die manuelle Zeitmessung beizogen, unterlief uns und dem technischen Delegierten der FIS ein Rechenfehler. Es war eine ungewöhnliche Verkettung von menschlichen Fehlern. Dafür übernehmen wir die Verantwortung, dafür haben wir uns schon mehrfach entschuldigt.

Weshalb liessen sich diese Fehler nicht schon am Samstag aus dem Weg räumen?

Dies hätte tatsächlich geschehen müssen. Aber wie gesagt: Bei der Kalkulation der manuellen Zeiten gab es einen Rechenfehler.

Muss man da nicht auch den internationalen Verband FIS in die Verantwortung nehmen?

Die offiziellen Zeiten und Ranglisten werden immer von einem technischen Delegierten der FIS abgesegnet, bevor sie veröffentlicht werden.

Es geht um Weltcup-Punkte, Geld und Emotionen. Wird sich Swiss Timing bei den Schweizerinnen Johanna Hählen und Lara Gut-Behrami in irgendeiner Form erkenntlich zeigen?

Wichtig ist, dass wir die Situation erklären und absolute Transparenz schaffen – dass wir mit Vehemenz auf unsere Unabhängigkeit und Neutralität hinweisen. Das steht über allem. Was daneben passiert, kann ich jetzt noch nicht sagen. In erster Linie stehen wir in der Verantwortung, den Athleten die technische Infrastruktur bereitzustellen, dass ihre Leistungen richtig gewertet werden können.

Die Sache ist kein Novum. 1969 wurde der Waadtländer Jean-Daniel Dätwyler in Kitzbühel bereits als Sieger gefeiert. Aber beim österreichischen Favoriten Karl Schranz hatten die Chronometer versagt. Nachträglich musste das Klassement revidiert werden. Gibt es Parallelen der Fälle?

Diese Beispiele zeigen doch vor allem, dass es sich um grosse Ausnahmen handelt. Swiss Timing ist pro Jahr für über 500 Anlässe zuständig. Wir liefern die Daten in 120 Disziplinen. Das sind insgesamt mehrere Millionen Daten pro Jahr. Momentan sind wir unter anderem an einem Diving-Event in Japan engagiert, an der nordischen WM in Seefeld, am Bob-Weltcup in Whistler, an der Bahnrad-Weltmeisterschaft in Pruszkov sowie am SkiWeltcup in Kvitfjell und Sotschi. Deshalb dürfen wir bei diesem Zwischenfall in Crans-Montana nicht den Massstab verlieren. Swiss Timing hat den Skisport in den vergangenen Jahren dank Sensoren an den Athleten attraktiver und transparenter gemacht. Heute sieht man immer, wie schnell ein Fahrer unterwegs ist – und wie weit er springt. Aber zum Thema wird unsere Arbeit erst, wenn etwas nicht funktioniert.

Was machen Sie, um einen ähnlichen Zwischenfall in Zukunft zu verhindern?

Wir überarbeiten die Checklisten, analysieren die Prozesse und durchleuchten die Abläufe. Wir werden aus diesem Fehler lernen. Wir machen alles, damit uns so etwas nie mehr passiert. Aber wie gesagt: Fehler lassen sich nie ganz ausschliessen.

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