Olympia

Nach Olympia-Nein: Die Bündner sind weiter zerstritten

Olympia 2022 im Kanton Graubünden: Das wird es nicht geben. Das Stimmvolk sagt Nein.

Olympia 2022 im Kanton Graubünden: Das wird es nicht geben. Das Stimmvolk sagt Nein.

Das Nein des Bündner Stimmvolks zu Olympia 2022 ist zwar schon Geschichte – Die Stimmung zwischen den beiden Lagern ist aber noch immer angespannt.

Auch rund acht Monate nach dem Nein des Bündner Stimmvolks sind die Olympischen Spiele in Tourismuskreisen ein heisses Thema.

Eines, bei dem es noch immer bloss die klare Aufteilung in Pro- und Contra-Gruppen gibt.

Von Einheit kann (noch) keine Rede sein. Dies zeigte kürzlich die erste Eröffnungsrede des neuen Bündner Standespräsidenten Hans Peter Michel.

Der FDP-Mann bezeichnete die Bürgerlichen durch die Blume als schlechte Verlierer nach dem Olympia-Nein und stiess damit vielen seiner Parteikollegen vor den Kopf.

Und nun zeigt auch ein aktueller Zwist aus dem Engadin auf, dass die verworfene Olympia-Kandidatur noch immer für Unstimmigkeiten sorgt.

Befürworter verweigern Inserate

Die Engadin St. Moritz Mountains AG hat sich dazu entschlossen, zukünftig auf Anzeigen im «PIZ»-Magazin zu verzichten.

Das will Urezza Famos, Herausgeberin und Verlegerin des traditionsreichen Magazins für das Engadin und die Bündner Südtäler, nicht einfach so still hinnehmen.

«Ich wehre mich dagegen, dass die politischen Gegner der Olympia-Kandidatur kategorisch als wirtschaftsfeindlich oder als Gegner der touristischen Entwicklung abgestempelt werden», sagt Famos.

Stein des Anstosses war ein Artikel von Köbi Gantenbein in der «PIZ»-Winterausgabe 2012/13, in dem der Chefredaktor der Architekturzeitschrift «Hochparterre» «Geld und Geist des gigantischen Sport-Events» kritisch kommentierte.

Der Rückzug der Engadin St. Moritz Mountains AG als Inserent habe nichts damit zu tun, dass man beim «PIZ» schlechte Arbeit leiste, sondern schlicht damit, dass man als unabhängiges Magazin nicht blindlings das schreibe, was die Bergbahn-Verantwortlichen hören wollten, erklärt Famos.

Hinzu komme, dass der Respekt vor der politischen Opposition ein typisches Merkmal des demokratischen Verhaltens sei, dies gelte insbesondere auch auf die Meinungs- respektive Pressefreiheit bezogen.

Keine verletzte Meinungsfreiheit

Von verletzter Presse- oder gar Meinungsfreiheit will Markus Meili, Geschäftsführer der Engadin St. Moritz Mountains AG, nichts wissen. «Wir haben uns bloss entschlossen, eine Anfrage des ‹PIZ›-Magazins für einen zusätzlichen Auftrag nicht anzunehmen.»

Schliesslich sehe er die Wahrnehmung der demokratischen Rechte auch darin, Lieferanten und Partner frei wählen zu können.

«Diese Wahl basiert unter anderem eben auch darauf, wie sich Potenzielle zu unserer Lebensgrundlage, dem Tourismus, stellen», erklärt Meili.

Und in diesem Falle gehe es eben um die Grundeinstellung gegenüber einer möglichen Olympia-Kandidatur, die das «PIZ» mit besagtem Artikel sowie die Verlegerin als Person öffentlich eingenommen hätten.

Man kann das Handeln der «PIZ»-Verlegerin und der Engadin St. Moritz Mountains AG verstehen oder nicht.

Um aber die offenbar allerorts angestrebte Zusammenarbeit im Bündner Tourismus zu erreichen, braucht es in Zukunft wieder vermehrt ein Mit- denn ein Gegeneinander.

Denn einem dürften sowohl die damaligen Olympia-Befürworter als auch die Gegner zustimmen: Graubünden und dem Tourismus stehen Zeiten grosser Herausforderungen bevor – ob nun mit oder ohne Olympische Spiele.

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