Eishockey NLA
Nach Klage gegen Lugano: Sind die Reglemente für den Papierkorb?

Die Frau eines Spielers verliert in der Resega ein Auge – der HC Lugano will keine Verantwortung übernehmen. Die Liga schreibt den Schutz der Zuschauer vor – verbindlich ist das aber nicht.

François Schmid-Bechtel
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In der Resega verlor eine Zuschauerin ein Auge. Wer zahlt?

In der Resega verlor eine Zuschauerin ein Auge. Wer zahlt?

Keystone

Was sagt eigentlich die Liga zum Fall Sabrina Maurer? «Nichts», so Mediensprecher Janos Kick. «Weil es sich um ein laufendes Verfahren handelt.» Aber war die Resega damals, als der Unfall geschah, überhaupt reglementskonform? Ist es in Ordnung, wenn Teile der unteren Zuschauerränge nicht durch Plexiglas oder Netze geschützt sind? Wie Lugano argumentiert auch die Liga, dass die Lizenz stets ohne Auflage erteilt worden sei. Demzufolge könne man davon ausgehen, dass die Resega den Reglementen der National League entsprach.

Resega nicht reglementskonform

Also stöbern wir in den Reglementen des Schweizer Eishockeys. Dabei stossen wir auf Punkt 6.1.2 Artikel 5 mit dem Titel «Schutzglas und Netze». Dort steht unter anderem: «Über der Bande müssen weitere Vorrichtungen (Schutzglas und Netze) angebracht sein, um zu verhindern, dass der Puck das Spielfeld möglichst nicht verlässt und dass das Publikum vor solchen Pucks geschützt wird.

Beweismaterial: Im Abschnitt wo das Plexisglas fehlt, verlor Sabrina Maurer ein Auge.

Beweismaterial: Im Abschnitt wo das Plexisglas fehlt, verlor Sabrina Maurer ein Auge.

Zur Verfügung gestellt

Die Längs- und Stirnseiten des Spielfeldes müssen mit einem transparenten Publikumsschutz oder mit angespannten Netzen geschützt werden. Der Publikumsschutz längsseitig ab Ende Bogen muss bis zu einer Höhe von min. 200 cm über der Bodenoberkante gewährleistet sein.»

Wer das liest, kommt zum Schluss: Luganos Eishockeystadion war im Januar 2014, als Sabrina Maurer wegen einer 4-Meter-Plexiglas-Lücke von einem Puck getroffen wurde und ein Auge verlor, nicht reglementskonform. Warum, in Gottes Namen, gibt die Liga dem HC Lugano grünes Licht für den Spielbetrieb? Antworten erhalten wir keine.

«Im Eishockey besteht keine Veranstalterhaftung. Wer ein Eishockeyspiel besucht, nimmt das Risiko in Kauf, von einem Puck getroffen zu werden.»

Ein Manager eines anderen NLA-Klubs hat schon etliche Unfälle in seinem Stadion erlebt. Alle nicht gravierend, also ohne bleibende Schäden, weshalb der Klub nie zur Rechenschaft gezogen wurde. Gleichwohl vertritt er den Standpunkt: «Im Eishockey besteht keine Veranstalterhaftung. Wer ein Eishockeyspiel besucht, nimmt das Risiko in Kauf, von einem Puck getroffen zu werden.» Nur: Im Gegensatz zur nordamerikanischen NHL wird in der Schweiz weder auf dem Ticket noch auf der Videoleinwand auf das Risiko hingewiesen.

Und was ist mit dem fehlenden Schutz in Lugano? Ist dieser tatsächlich regelkonform? «Ja», sagt der Manager. «Denn die Reglemente sind nicht rechtsverbindlich.» Wofür stellt die Liga überhaupt Reglemente auf, wenn sie eh nicht rechtsverbindlich sind? Das soll noch einer verstehen!

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