ATP-Tour
Nach Finalsieg über Zverev: Roger Federer marschiert leichtfüssig in Richtung Wimbledon

Roger Federer gewinnt zum neunten Mal das ATP-500-Turnier von Halle. Er schlägt im Final den Deutschen Youngster Alexander Zverev (ATP 12) nach einer glänzenden Leistung 6:1, 6:3.

Petra Philippsen, Halle
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Federer - A. Zverev, Final Halle, 25.06.2017
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Es ist der insgesamt 92. Titel für Federer.
Federer gewann den Final souverän in zwei Sätzen.
Sein Gegner Alexander Zverev hatte keine Chance.

Federer - A. Zverev, Final Halle, 25.06.2017

Keystone

Tosender Applaus brandete auf und die 11 500 Zuschauer im ausverkauften Haller Stadion johlten beinahe ekstatisch für das Ass, das Alexander Zverev gerade auf den Rasen hämmerte. So sehr hofften die Fans, nun würde es endlich richtig losgehen in diesem Final, dem sie die ganze Turnierwoche entgegengefiebert hatten. Doch es ging nichts, zumindest nicht für den 20-jährigen Deutschen. Es stand bereits 0:4 und das nach nur 13 Minuten.

Das sind alle Turniersiege von Roger Federer:

94. Titel, Shanghai 2017 Rafael Nadal, 6:4, 6:3.
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93. Titel, Wimbledon 2017 Marin Cilic, 6:3, 6:1, 6:4
92. Titel, Halle 2017 Alexander Zverev, 6:1, 6:3
91. Titel, Miami 2017 Rafael Nadal, 6:3, 6:4
90. Titel, Indian Wells 2017 Stan Wawrinka, 6:4, 7:5.
89. Titel, Australian Open 2017 Rafael Nadal, 6:4, 3:6, 6:1, 3:6, 6:3.
88. Titel, Basel 2015 Rafael Nadal, 6:3, 5:7, 6:3.
87. Titel, Cincinnati 2015 Novak Djokovic, 7:6 (7:1), 6:3.
86. Titel, Halle 2015 Andreas Seppi, 7:6 (7:1), 6:4
85. Titel, Istanbul 2015 Pablo Cuevas, 6:3, 7:6 (13:11)
84. Titel, Dubai 2015 Novak Djokovic, 6:3, 7:5.
83. Titel, Brisbane 2015 Milos Raonic, 6:4, 7:6, 6:4. - Es war Federers 1000. ATP-Karriere-Sieg.
82. Titel, Basel 2014 David Goffin, 6:2, 6:2.
81. Titel, Schanghai 2014 Gilles Simon, 7:6 (8:6), 7:6 (7:2)
80. Titel, Cincinnati 2014 David Ferrer, 6:3, 1:6, 6:2.
79. Titel, Halle 2014 Alejandro Falla, 7:6, 7:6
78. Titel, Dubai 2014 Tomas Berdych, 3:6, 6:4, 6:3.
77. Titel, Halle 2013 Michail Juschni, 6:7 (5:7), 6:3, 6:4.
76. Titel, Cincinnati 2012 Novak Djokovic, 6:0, 7:6 (9:7)
75. Titel, Wimbledon 2012 Andy Murray 4:6, 7:5, 6:3, 6:4
74. Titel, Madrid 2012 Tomas Berdych 3:6, 7:5, 7:5.
73. Titel, Indian Wells 2012 John Isner, 7:6, 6:3.
72. Titel, Dubai 2012 Andy Murray, 7:5 6:4.
71. Titel, Rotterdam 2012 Juan Martin Del Potro, 6:1, 6:4.
Federer feiert 2011 an den ATP World Tour Finals in London den 70. Titel im 100. Final Jo-Wilfried Tsonga, 6:3, 6:7, 6:3
69. Titel in Paris-Bercy Jo-Wilfried Tsonga, 6:1, 7:6
68. Titel in Basel 2011 Kei Nishikori, 6:1, 6:3
67. Titel in Doha 2011 Nikolay Davydenko, 6:3, 6:4
66. Titel an den World Tour Finals in London 2010 Rafael Nadal, 6:3, 3:6, 6:1
65. Titel in Basel 2010 Novak Djokovic, 6:4, 3:6, 6:1
64. Titel in Stockholm 2010 Florian Mayer, 6:4, 6:3
63. Titel in Cincinnati 2010 Mardy Fish, 6:7, 7:6, 6:4
62. Titel: Federer gewinnt die Australian Open 2010 Andy Murray, 6:3, 6:4, 7:6
61. Titel in Cincinnati 2009 Novak Djokovic, 6:1, 7:5
60. Titel: Wimbledon 2010 Andy Roddick, 5:7, 7:6, 7:6, 3:6, 16:14
59. Titel: Ein emotionaler Titel! Federer gewinnt 2009 endlich die French Open in Paris Robin Söderling, 6:1, 7:6, 6:4
58. Final in Madrid 2009 Rafael Nadal, 6:4, 6:4
57. Final in Basel 2008 David Nalbandian, 6:3, 6:4
56. Titel: Federer gewinnt die US Open 2008 Andy Murray, 6:2, 7:5, 6:2
55. Titel in Halle 2008 Halle. Philipp Kohlschreiber, 6:3, 6:4
54. Titel in Estoril 2008 Nikolay Davydenk0, 7:6, 1:2 (w.o.)
53. Titel in Schanghai 2007 David Ferrer, 6:2, 6:3, 6:2
52. Titel in Basel 2007 Jarkko Nieminen, 6:3, 6:4
51. Titel: US Open-Sieg 2007 Novak Djokovic, 7:6, 7:6, 6:4
50. Titel in Cincinnati 2007 James Blake, 6:1, 6:4
49. Titel: Skpektakulärer Wimbledon-Triumph 2007 Rafael Nadal, 7:6, 4:6, 7:6, 2:6, 6:2
48. Titel in Hamburg 2007 Rafael Nadal, 2:6, 6:2, 6:0
47. Titel in Dubai 2007 Mikhail Juschni, 6:4, 6:3
46. Titel: Federers Sieg an den Australian Open 2007 Fernando Gonzalez, 7:6, 6:4, 6:4
45. Titel in Schanghai 2006 James Blake, 6:0, 6:3, 6:4
44. Titel in Basel 2006 Fernando Gonzalez, 6:3, 6:2, 7:6.
43. Titel in Madrid 2006 Fernando Gonzalez, 7:5, 6:1, 6:0
42. Titel in Tokio 2006 Tim Henman, 6:3, 6:3
41. Titel: Federer gewinnt 2006 auch die US Open Andy Roddick, 6:2, 4:6, 7:5, 6:1
40. Titel in Toronto 2006 Richard Gasquet, 2:6, 6:3, 6:2
39. Titel, Federer gewinnt 2006 Wimbledon Rafael Nadal, 6:0, 7:6, 6:7, 6:3
38. Titel in Hamburg 2006 Tomas Berdych, 6:0, 6:7, 6:2
37. Titel in Miami 2006 Ivan Ljubicic, 7:6, 7:6, 7:6
36. Titel in Indian Wells 2006 James Blake, 7:5, 6:3, 6:0
35. Titel: Ein emotionaler Titel: Federer gewinnt 2006 die Australian Open Marcos Baghdatis, 5:7, 7:5, 6:0, 6:2
34. Titel in Doha 2006 Gaël Monfils, 6:3, 7:5
33. Titel in Bangkok 2005 Andy Murray, 6:3, 7:5
32. Titel: Federer gewinnt 2005 die US Open Andre Agassi, 6:3, 2:6, 7:6, 6:1
31. Titel in Cincinnati 2005 Andy Roddick, 6:3, 7:5
Federer gewinnt Wimbledon 2005, sein 30. Titel Andy Roddick, 6:2, 7:6, 6:4
29. Titel in Halle 2005 Marat Safin, 6:4, 6:7, 6:4
28. Titel in Hamburg 2005 Richard Gasquet, 6:3, 7:5, 7:6
27. Titel in Miami 2005 Rafael Nadal, 2:6, 6:7, 7:6, 6:3, 6:1
26. Titel in Indian Wells 2005 Lleyton Hewitt, 6:2, 6:4, 6:4
25. Titel in Dubai 2005 Ivan Ljubicic, 6:1, 6:7, 6:3
24. Titel in Rotterdam 2005 Ivan Ljubicic, 5:7, 7:5, 7:6
23. Titel in Doha 2005 Ivan Ljubicic, 6:3, 6:1
22. Titel in Houston 2004 Lleyton Hewitt, 6:3, 6:2
21. Titel in Bangkok 2004 Andy Roddick, 6:4, 6:0
Federer gewinnt zum ersten Mal die US Open, sein insgesamt 20. Titel Lleyton Hewitt, 6:0, 7:6, 6:0
19. Titel in Toronto 2004 Andy Roddick, 7:5, 6:3
18. Titel in Gstaad 2004 Igor Andrejev, 6:2, 6:3, 5:7, 6:3
Der zweite Wimbledon-Titel 2004: Sein insgesamt 17. Titel Andy Roddick, 4:6, 7:5, 7:6, 6:4
16. Titel in Halle 2004 Mardy Fish, 6:0, 6:3
15. Titel in Hamburg 2004 Guillermo Coria, 4:6, 6:4, 6:2, 6:3
14. Titel in Indian Wells 2004 Tim Henman, 6:3, 6:3
13. Titel in Dubai 2004 Feliciano Lopez, 4:6, 6:1, 6:2
Der erste Autralian Open-Sieg: Jahr 2004, sein 12. Titel Marat Safin, 7:6, 6:4, 6:2
11. Titel in Houston 2003 Andre Agassi, 6:3, 6:0, 6:4
10. Titel in Wien 2003 Carlos Moya, 6:3, 6:3, 6:3
Federers erster Grand Slam-Sieg: Wimbledon 2003 Mark Philippoussis, 7:6, 6:2, 7:6
8. Titel in Halle 2003 Nicolas Kiefer, 6:1, 6:3
7. Titel in München 2003 Jarkko Nieminen, 6:1, 6:4
6. Titel in Dubai 2003 Jiri Novak, 6:1, 7:6
5. Titel in Marseille 2003 Jonas Bjorkman, 6:2, 7:6
4. Titel in Wien 2002 Jiri Novak, 6:4, 6:1, 3:6, 6:4
3. Titel in Hamburg 2002 Marat Safin, 6:1, 6:3, 6:4
2. Titel in Sydney 2002 Juan Ignacio Chela, 6:3, 6:3
Roger Federers erster Titel auf der ATP-Tour, Mailand 2001 Julien Boutter, 6:4, 6:7, 6:4

94. Titel, Shanghai 2017 Rafael Nadal, 6:4, 6:3.

Andy Wong

Nichts lief zusammen an diesem gebrauchten Tag für den deutschen Shootingstar – und das lag vor allem an seinem Gegner auf der anderen Netzseite: Roger Federer. «Es war unglaublich, ich habe super gespielt», freute sich der 35 Jahre alte Schweizer dann auch kurze Zeit später. Nur 53 Minuten benötigte er für diese 6:1 und 6:3-Lehrstunde, mit der er den Weltranglistenzwölften vom Rasen fegte und seinen neunten Titel in Halle besiegelte. «Es ist ein Traum, so in einen Final zu starten und es dann bis zum Schluss so durchzuziehen», fügte Federer strahlend hinzu: «Irgendwie ist alles geglückt.»

Wie aus einem Guss

Federer spielte in seinem elften Final von Halle nicht nur wie aus einem Guss, sondern hatte auch seine Hausaufgaben gegen den aufschlagstarken Schlaks gemacht. Der Schweizer schlug sehr stark auf, glänzte mit perfekten Passierbällen und streute immer wieder butterweiche Stoppbälle an, die Zverev, der sich konstant zu weit hinter der Grundlinie aufhielt, nicht mehr erreichen konnte. Federer brachte den 1,98 m grossen Blondschopf zum Laufen, denn der tat sich mit der Beinarbeit auf Rasen ungewöhnlich schwer.

Die Woche hatte gezehrt an Zverev, mit seinem Bruder Mischa bestritt er im Anschluss auch noch das Doppel-Finale. Und besonders in mentaler Hinsicht wirkte Zverev nicht frisch – im Gegensatz zu Federer. «Ich war etwas überrascht, dass es so einfach ging», wunderte sich der Schweizer. Doch Zverev hatte sich nach seinem Halbfinal-Coup im vergangenen Jahr gegen Federer offenbar zu viel für dieses Endspiel vorgenommen, wirkte verkrampft.

Und es stand Zverev eben nicht mehr der Federer vom Vorjahr gegenüber. «Als wir letztes Mal gespielt haben, ging es meinem Knie nicht gut», erinnerte sich Federer, der schliesslich die zweite Saisonhälfte 2016 komplett pausieren musste. Erst bei den Australian Open im Januar war er zurückgekehrt, gewann dort seinen 18. Grand-Slam-Titel und gewann auch im Anschluss die beiden Masters-Turniere in Indian Wells und Miami.

Alexander Zverev über Roger Federer: «Was du auf dem Platz zeigst, werden wir nach dir wahrscheinlich nie wieder sehen.»

Alexander Zverev über Roger Federer: «Was du auf dem Platz zeigst, werden wir nach dir wahrscheinlich nie wieder sehen.»

KEYSTONE/EPA ANSA/CLAUDIO ONORATI

Nach diesem furiosen Auftakt verzichtete Federer auf die komplette Sandplatzsaison, und dieser Schritt zahlt sich nun aus. Der 35-Jährige ist topfit und scheint wieder einmal das Rad der Zeit zurückgedreht zu haben. Das musste auch Zverev bei der Siegerehrung eingestehen. «Roger, du spielst einfach Wahnsinns-Tennis», sagt er ihm: «Was du auf dem Platz zeigst, werden wir nach dir wahrscheinlich nie wieder sehen.» Seine ganze Erfahrung, seine Ruhe und Finesse hatte Federer an diesem Nachmittag ausgespielt und damit das Generationenduell für sich entschieden. «Er ist ein toller Spieler und auch ein ganz netter junger Bub immer noch», flachste Federer in Richtung Zverev.

Nichts zu verschenken

Auch Zverev hatte trotz der bitteren Lehrstunde seinen Humor behalten: «Roger, du hättest schon etwas netter sein und mir mehr als vier Spiele überlassen können ...» Aber Federer hat eine Woche vor Wimbledon nichts zu verschenken, schon gar nicht an die Generation der jungen Wilden. Er will unbedingt den achten Sieg im All England Club, das ist das grosse Ziel in diesem Jahr. Mit seinem Sieg ist Federer in Wimbledon nun als Nummer vier gesetzt, sicher kein Nachteil.

Mit einem achten Triumph würde er den Rekord von Pete Sampras brechen, doch das sei nur ein «schöner Nebeneffekt», sagt Federer: «Mir würde ein Wimbledonsieg nochmals vieles bedeuten. Es wäre schön, für meine Familie, mein Team, meine Fans, mein Land. Es wäre mehr für Leute als für die Geschichtsbücher.»