Dem Sturz eines Titanen folgen in der Regel stürmische Zeiten. Aber beim SC Bern ist es nach dem Scheitern gegen die ZSC Lions windstill. Das ist ungewöhnlich. Wenn der Qualifikationssieger als Titelverteidiger im Halbfinal gegen den 7. der «Regular Season» auf der Strecke bleibt, schlägt eigentlich die Stunde der Polemiker. Die Sünder werden benannt. Die Fehler aufgelistet. Personelle Konsequenzen gefordert. Und die Schlussfolgerung lautet: So geht es auf keinen Fall weiter.

Aber beim SCB geht es so weiter. Eine polemische Schwarz-Weiss-Analyse wird in diesem besonderen Fall der Sache nicht gerecht. Ein Augenschein gibt uns eine Antwort auf die Frage, warum diesmal so ziemlich alles anders ist. Hallenstadion, am Samstagabend nach 23 Uhr. Das Spiel ist längst aus.

Die ZSC Lions haben in der Verlängerung gewonnen. Für den Meister ist die Saison zu Ende. Vor der SCB-Kabine flucht niemand. Niemand knallt eine Türe zu. Niemand zertrümmert einen Stock. Die Verlierer trotten schweigend und mit hängenden Köpfen in die Kabine. Draussen feiern die ZSC-Fans immer noch den Finaleinzug.

Ausreden sucht niemand – obwohl es schon einige gäbe

Diese stille Ergebenheit ins SCB-Schicksal hat mehrere Gründe. Erstens ist es ein Scheitern auf hohem Niveau. Zweitens sind die Berner durchaus selbstkritische Verlierer. Sie wissen auch in dieser ersten, riesigen Enttäuschung, dass sich jeder selbst an der Nase nehmen muss. Nicht eine einzige Ausrede wird vorgebracht. Obwohl es schon einige gäbe.

Beispielsweise die der olympischen Zusatzbelastung für 13 SCB-Stars, die Energie gekostet hat. Doch davon will Captain Simon Moser nichts wissen: «Wir hatten genug Energie.» Kurz zusammengefasst: Fehler haben alle gemacht, an der Niederlage haben alle ihren Anteil. Aber niemand hat spektakulär versagt und deshalb wird niemand zur Rechenschaft gezogen.

Trainer Kari Jalonen (mit Vertrag bis 2020) ist im Amt sowieso unbestritten. Die Transfers sind gemacht. Das Aus hat also keine Folgen. Aber die Frage bleibt: Warum ist der SCB gescheitert? Hat die Mannschaft am Ende ihren Zenit überschritten? Geht ein Zeitalter zu Ende?

Nein. Der SCB wird auch nächste und übernächste Saison mit dem gleichen Führungspersonal wieder ein Titelanwärter sein. Der SCB ist letztlich auch das Opfer des eigenen Erfolges geworden. Meister 2016 und 2017. Qualifikationssieger 2017 und 2018. Zu viele Siege. Zu gute Zeiten.

Vom deutschen Dichter Wilhelm Müller stammt der Spruch: «Nichts ist dem Menschen schwerer zu tragen als die Last von guten Tagen.» Kari Jalonen wird gefragt, ob der SCB in den letzten zwei Jahren zu viele Spiele gewonnen habe.

Er sagt, dass dies einer von vielen Gründe für das Ausscheiden sein könne. «Es ist nicht einfach, im Erfolg demütig zu bleiben.» Deshalb ist es ja so schwierig, einen Titel zu verteidigen. «Nachladen» nach Erfolgen ist eine der grössten Herausforderungen für jeden Trainer.

Der SC Bern ist an der Summe der eigenen Fehler gescheitert

Die Berner sind an einem Gegner gescheitert, der sich auf einer Mission befindet. Zweimal hintereinander in den Viertelfinals ausgeschieden. Bloss ein 7. Platz in der Qualifikation. Plus ein Trainerwechsel. Die «Mission Wiedergutmachung» hat bei den Zürchern enorme Energien freigesetzt, die sie bis zum Titelgewinn tragen können.

Dass sich Spieler mit dieser Ausgangslage in einer knappen Serie gegen Spieler durchsetzen, die zwei Jahre lang nie mehr ein ernsthaftes Problem und nie eine Krise hatten, ist logisch. Die Situation der ZSC Lions ist durchaus vergleichbar mit jener der Berner, die im Frühjahr 2016 den Titel vom 8. Platz aus geholt hatten. Der SC Bern ist an der Summe der eigenen Fehler gescheitert. Aber wir können auch sagen: Der SCB ist an der Summe der Stärken des Gegners zerbrochen.

Was nun? Nichts. Nichts? Ja! Beim SCB muss und wird sich nichts ändern. Ein paar Wechsel auf den Ausländerpositionen und ein paar Schweizer Transfers haben wenig Auswirkungen auf die Chemie und das Leistungsvermögen.

Trainer Kari Jalonen wird nun in akribischer Detailarbeit das ganze SCB-Spiel in alle Einzelteile zerlegen, wieder zusammenbauen und da und dort ein «Finetuning» vornehmen. Er wird künftig hie und da die Schraube noch ein bisschen mehr anziehen. Er wird noch fordernder, noch konsequenter sein.

Aber der SCB hat eine gute Leistungskultur. Die Korrekturen können mit der Nagelfeile vorgenommen werden. Es braucht nicht den Vorschlaghammer.