EM-Qualifikation

Nach der Nati-Niederlage sagt der Dänemark-Trainer: «Wir wissen, die Schweizer brechen in den letzten Minuten immer ein»

Der Moment der Entscheidung: Yussuf Poulsen trifft zum 1:0. (KEYSTONE/Georgios Kefalas).

Der Moment der Entscheidung: Yussuf Poulsen trifft zum 1:0. (KEYSTONE/Georgios Kefalas).

So gerät die EM-Qualifikation in Gefahr! Die Schweiz zeigt in Dänemark lange einen soliden Auftritt. Verliert dann aber nach einem späten Gegentor 0:1. Damit ist ein Sieg am Dienstag gegen Irland Pflicht.

Das tut weh! Es laufen die letzten Minuten im Hexenkessel von Kopenhagen. Es steht 0:0. Alles deutet auf ein Unentschieden hin. Ein Resultat, mit dem die Schweiz an diesem Abend gut leben könnte.

Dann kommt die 85. Minute. Und aus dem Nichts der Nackenschlag. Christian Eriksen, der manchmal so geniale Spielmacher, schlägt einen brillanten Pass, hebelt damit die gesamte Schweizer Defensive aus, Yussuf Poulsen darf profitieren und vollendet alleine vor Yann Sommer zum 1:0.

Es ist die Entscheidung. Die Schweiz bringt keinen vernünftigen Angriff mehr zu Stande. Die Körpersprache der Spieler verrät keine Hoffnung mehr. Keiner glaubt mehr an die Wende. Oder mindestens an den späten Ausgleich.

Ganz zum Schluss darf sich Kaspar Schmeichel noch einmal auszeichnen. Noch einmal taucht er in die Ecke und rettet sein Team vor einem Gegentor. Er hat das bereits in der ersten Halbzeit gegen Xhaka und Mehmedi herausragend getan. Es ist die Weltklasse, die den Schweizern an diesem Abend fehlt.

Die späten Gegentore als Problem

Der Sieg der Dänen ist über das ganze Spiel betrachtet etwas glücklich. In der zweiten Halbzeit deutete nicht mehr viel darauf hin. Bis eben die fatalen letzten Minuten folgten. Sie sind zu einem veritablen Schweizer Problem geworden. Bereits im ersten Vergleich der beiden Equipen verspielten die Schweizer auf unglaubliche Art und Weise einen 3:0-Vorsprung. Im September dann kassierten sie in Irland den 1:1-Ausgleich. Nun kommt ein weiteres Negativ-Erlebnis dazu.

Als Dänemark-Trainer Age Hareide zur Spielanalyse schritt, sagte er ziemlich offenherzig: «Wir wussten, die Schweizer knicken am Ende immer ein.» Und präzisierte gar noch: «Wenn du immer in den letzten Minuten Gegentore kassierst, dann beginnt das ganze Team darüber nachzudenken. Das ist ein klassisches mentales Problem.»

Einige Minuten später nimmt Vladimir Petkovic hinter dem Mikrofon Platz. Natürlich ist der Schweizer Nationaltrainer enttäuscht. Natürlich weiss er, worum sich die Diskussionen jetzt drehen werden. «Es ist schwierig, nach so einem Abend klare Worte zu finden», sagt er zuerst. Und schiebt Gratulationen in Richtung Dänemark nach. «Sie haben den Sieg nicht gestohlen, es war ein intelligenter Auftritt. Und trotzdem hätten wir mehr verdient.» Das mag stimmen. Es ist bei weitem nicht alles schlecht, was die Schweizer zeigen. Aber vieles auch nicht gut. Allen voran die Chancenverwertung.

Als Petkovic dann auf die letzten Minuten angesprochen wird, als er hört, was sein Amtskollege aus Dänemark sagte, wird seine Stimme ein bisschen leiser. Ein grundsätzliches Problem weist er aber von sich. «Ich glaube nicht, dass irgendjemand von uns Gedanken hatte, dass wir wieder spät ein Gegentor kassieren könnten. Es hat sich ja auch nicht abgezeichnet. Die Dänen hatten über längere Zeit keine Möglichkeiten mehr.»

Schon am Tag vor dem Duell war die Schweizer Schwäche in den letzten Minuten ein Thema. «Unsere Gegner dürfen ruhig glauben, dass wir am Ende nicht bereit sind», sagte Petkovic. «Und wir müssen das Gegenteil beweisen.» Es ist nicht gelungen.

Die Ausgangslage: Jetzt braucht es drei Siege

Im Rückblick wiegt dieses 3:3 im ersten Vergleich letzten März nun noch einmal schlimmer. Der Abend in Kopenhagen hat jedenfalls nicht geholfen, die Gedanken an die Negativerlebnisse aus dem Kopf zu kriegen. Genau das müssen die Schweizer nun aber tun.

Und jetzt? Ist die EM-Qualifikation in Gefahr? Dramatisch sieht es noch nicht aus. Das liegt auch daran, dass die Iren am Nachmittag in Georgien nicht über ein 0:0 hinausgekommen sind. Sie liegen nun zusammen mit Dänemark mit je 12 Punkten an der Spitze. Die Schweizer folgen auf Rang 3 mit acht Zählern.

So präsentiert sich die Tabelle der Gruppe D nach der Schweizer Niederlage gegen Dänemark.

So präsentiert sich die Tabelle der Gruppe D nach der Schweizer Niederlage gegen Dänemark.

Bedeutet: Ein Sieg der Schweizer am Dienstag gegen Irland ist Pflicht. Zwei weitere im November gegen Georgien und Gibraltar ebenfalls. Mit dann 17 Punkten wäre die EM-Qualifikation mit Sicherheit geschafft. Sollte die Schweizer aber gegen Irland nur unentschieden spielen, ist sie auf Schützenhilfe angewiesen. Bei einer Niederlage müssten die Schweizer gar mit der Barrage planen.

Mehmedi mit den besten Schweizer Chancen

Die 90 Minuten im ausverkauften und stimmungsvollen Stadion «Telia Parken» sind von Beginn an rasant. Und kämpferisch intensiv. Es ist ein toller Fight auf Augenhöhe. Mal mit Vorteilen für das Heimteam. Dann wieder für die Schweizer.

Sie sind es, die die besseren Chancen haben. Erst ist es Xhaka, der den Ball gefühlvoll aufs Tor schlenzt (14.). Später Mehmedi mit einer herrlichen Direktabnahme nach einem langen Ball von Elvedi (34.). Gemeinsam ist den beiden Aktionen, dass sie von Kaspar Schmeichel herausragend vereitelt werden. Xhakas Versuch lenkt der Torhüter an die Latte. Gegen Mehmedi ist er blitzschnell am Boden. Es sind Aktionen, die von der Weltklasse Schmeichels zeugen.

Unmittelbar nach der Pause powern die Schweizer gleich weiter. Mehmedi taucht abermals alleine vor dem Tor auf, und wieder gelingt es ihm nicht, das Tor zu erzielen. Wenige Momente später scheitert der ansonsten bescheidene Rodriguez mit einem tollen Schuss an der Latte.

Je länger das Spiel dauert, desto mehr scheinen sich beide Teams mit einem Remis anfreunden zu können. Bis der fatale Schlusspunkt folgt. «Wir hatten keine Angst, unser Spiel durchzuziehen», sagt Petkovic auch noch. Eine gewisse Naivität zeigt sein Team dann halt trotzdem.

Die Rückkehr von Lichtsteiner

Zu diesem Zeitpunkt stand Stephan Lichtsteiner nicht mehr auf dem Feld. Der Captain kehrte in die Stammformation zurück, für ihn musste Mbabu weichen. Nach 75 Sekunden und dem ersten Duell in der Luft kassierte Lichtsteiner gleich eine gelbe Karte. Auch sonst konnte er in der einen oder anderen Szene nicht verbergen, dass er nicht mehr der Schnellste ist. Trotzdem tat seine Präsenz gut. Wenn es sein Körper zulässt, dürfte er darum auch am Dienstag gegen Irland wieder spielen.

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