Nach der Biathlon-WM soll es in der Schweiz auch im Langlauf zu einer Premiere kommen

Der Schweizer Skisport ist im WM-Fieber. Der Verband möchte neben Biathlon in den kommenden zehn Jahren drei weitere Titelkämpfe in die Schweiz holen.

Rainer Sommerhalder
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Die Biathlon-WM 2025 in der Lenzerheide soll der Sportart in der Schweiz einen grossen Schub verleihen.

Die Biathlon-WM 2025 in der Lenzerheide soll der Sportart in der Schweiz einen grossen Schub verleihen.

ZVG

Von der Idee bis zur Realisierung dauerte es nicht länger als eine Schwangerschaft. Als die Strategen von Swiss Ski im Frühjahr die einmalige Chance mit einer schwachen Konkurrenz erkannten, war der Plan einer Weltmeisterschaftskandidatur im Biathlon schnell geboren.

Intensive Lobbyarbeit und politische Gegebenheiten – Gegenspieler Minsk ist derzeit selbst für oft skrupellose Sportfunktionäre keine Lieblingsdestination – sorgten für ein höchst bemerkenswertes Resultat. Im Winter 2025 finden in der Lenzerheide die Titelkämpfe im Biathlon statt, ohne dass die Schweiz bislang je ein Weltcuprennen organisiert hat. «Wir haben das Pferd quasi von hinten aufgezäumt», sagt Swiss-Ski-Präsident Urs Lehmann zum veritablen Coup.

Doch der starke Mann im Schweizer Skisport will noch mehr. Ein internes Strategiepapier von Swiss Ski hat zum Ziel, dass bis ins Jahr 2031 gleich vier Weltmeisterschaften im Land über die Bühne gehen. Die Alpinen setzen 2027 nochmals auf Crans-Montana, nachdem die Walliser Sonnenstube beim ersten Anlauf für 2025 gescheitert ist. Auch die Weltelite der Freestyler soll in der Schweiz um Medaillen kämpfen.

Noch nie gab es in der Schweiz eine Nordisch-WM

Und – ein historischer Plan – 2031 will man erstmals überhaupt eine Weltmeisterschaft der Nordischen durchführen. 1928 und 1948 in St. Moritz wurden die Weltmeister noch im Rahmen der Olympischen Spiele erkoren. «Das ist noch nicht spruchreif», sagt Lehmann zur Kandidatur im Langlauf. Der 51-jährige Aargauer bestätigt jedoch entsprechende Pläne, die er gemeinsam mit Nordisch-Direktor Hippolyt Kempf ausgeheckt hat.

Zurück zum Biathlon. Das WM-Projekt ist Chance und Verpflichtung zugleich. Dass die Destination Letzteres mit Bravour erfüllen wird, daran zweifelt Lehmann nicht. Die Erfahrungen mit Langlauf-Weltcups, alpinen Skirennen sowie grossen Mountainbike-Events machen den Bündner Ferienort zum Prototypen einer weltmeisterlichen Schweizer Sportdestination.

Ein zweites Biathlon-Zentrum in der Westschweiz

Mit ganzer Energie nutzen will man die Chance, die eine WM bietet. „Es gibt so viele Bereiche, in denen man etwas tun kann“. Urs Lehmann spricht von einem Impulsprogramm, dass die Sportart in der Schweiz in eine neue Dimension katapultiert. Denn neben dem Megaevent erhält Biathlon bald einen zweiten grossen Schub. Ab 1. Januar 2021 gehört der populäre Wintersport zu Jugend + Sport. Das ermöglicht finanzielle Subventionen und Anreize betreffend Trainingslager und Leistungszentren.

Zwei Dinge strebt der Präsident von Swiss Ski für den Biathlonsport in der Schweiz konkret an. Dass die Lenzerheide dank der WM einen Fixplatz im Weltcup erhält und dass in der Westschweiz eine zweite Infrastruktur für die Skijäger aufgebaut wird. Denn genügend Potenzial bei der Nachwuchsrekrutierung sieht Urs Lehmann allemal.