Hamburg
Nach der Abfuhr an Olympia herrscht in Deutschland Ratlosigkeit

Nach der Abfuhr für Olympische Spiele in Deutschland ist die Ratlosigkeit gross. Das Nein der Hamburger schmerzt.

Werner Eisenring
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Mit der Absage von Hamburg wird es in Deutschland auf absehbare Zeit keine Olympischen Spiele geben.

Mit der Absage von Hamburg wird es in Deutschland auf absehbare Zeit keine Olympischen Spiele geben.

Keystone

In der Schweiz kann man den Deutschen nachfühlen. Man erinnert sich an die Abstimmung vom März 2013, als das Bündner Stimmvolk die Olympischen Winterspiele 2022 an der Urne genauso versenkte, wie nun die Hamburger die angedachten Sommerspiele von 2024.

Nach dem sportpolitischen Erdbeben in Hamburg hat die Aufarbeitung der gescheiterten Olympia-Bewerbung begonnen. Einigkeit herrschte am Montag bei den Spitzen von Sport und Politik, dass die Chancen auf Olympische Spiele in Deutschland wohl für Jahrzehnte gegen null gehen. Welche Folgen das mehrheitliche Nein der Hamburger zu Sommerspielen 2024 beispielsweise für den deutschen Leistungssport hat, ist noch nicht abzusehen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel nahm das Votum «mit Bedauern zur Kenntnis», wie die stellvertretende Regierungssprecherin Christiane Wirtz am Montag in Berlin sagte. Und die Spitzenfunktionäre des deutschen Sports suchten am Tag nach dem Desaster händeringend nach Erklärungen, die Entscheidung hatte sie kalt erwischt.

Es gibt keinen Plan B

51,6 Prozent der 651589 Hamburger, die sich am Referendum beteiligten, waren gegen Olympia. Nur 48,4 Prozent votierten nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis dafür. «Hamburg meine Perle vor die Säue geworfen. Das Tor zur olympischen (Sport-)Welt für immer geschlossen», twitterte die Handball-Ikone Stefan Kretzschmar, der, wie viele Sportler, mit Unverständnis reagierte und die vertane Chance bedauerte.

Auf der Mitgliederversammlung des Deutschen Olympischen Sportbundes am Samstag in Hannover sollen nun die Folgen offen und transparent diskutiert werden, kündigte Verbandspräsident Alfons Hörmann an. Olympia sollte den deutschen Spitzensport beflügeln. Diese Chance für die kommende Generation sei vergeben, so Hörmann. Einen Plan B gebe es nicht: «Wir waren auf dieses Szenario bis zum heutigen Tag nicht vorbereitet.»

Erst die Pleite in München mit der Ablehnung von Winterspielen 2022, zwei Jahre später nun der Reinfall mit Hamburg. Olympische Spiele in Deutschland werden «für eine Generation lang kein Thema mehr sein», sagte der Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes, Clemens Prokop. «Wir ziehen zwar über die Sotschis und Dohas dieser Welt her, sind aber nicht in der Lage, selbst Sportereignisse dieser Dimension auszurichten. Das ist die bittere Erkenntnis», sagte der Chef des Deutschen Handballbundes, Andreas Michelmann.

Im Schatten von König Fussball?

Das Referendum gleiche einem «Dolchstoss für die Entwicklung des Hochleistungs- und Breitensports unterhalb des Fussballs in Deutschland», sagte der Präsident des Deutschen Volleyball-Verbandes, Thomas Krohne. Die Sportausschussvorsitzende des Deutschen Bundestags, Dagmar Freitag, nannte als Gründe für das Scheitern die «mittlerweile schwierige Situation für den Sport». Affären und Skandale wie bei der Fifa, dem DFB oder in der russischen Leichtathletik hätten «ein sehr schwieriges Licht auf den Sport» geworfen.

Dem hielt der Basketball-Vorsitzende Ingo Weiss – mit Blick auf die deutsche Bewerbung um die Fussball-EM 2024 – entgegen: «Das Perverse ist, dass ich überzeugt davon bin, dass, wenn wir über die Fussball-EM 2024 abgestimmt hätten, wir sicherlich ein positives Ergebnis bekommen hätten. Deutschland ist eben leider keine Sport-Nation, sondern eine Fussball-Nation.»

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