Vielleicht ist es mit den Grasshoppers der Saison 2017/18 ja tatsächlich so wie mit dem Kommunismus in der Sowjetunion. Eine gute Idee. Aber sie funktioniert leider nicht.

Die gute Idee geht so: Man nehme eine Handvoll Spieler, die zuletzt aus allerlei verschiedenen Gründen weit unter ihrem Wert performten, man schenke ihnen Vertrauen und baue um diese Routiniers herum einige Junge auf. Diese Mischung ergibt ein Team, das von vielen unterschätzt wird, aber eine positive Eigendynamik entwickelt und als Gruppe zu einer starken Einheit findet.

Die Stimme von Mathias Walther ist kräftig. Und voller Überzeugung. Seit Mitte Mai dieses Jahres ist er Sportchef von GC. Nicht zum ersten Mal. Bereits 2000 bis 2003 war er einmal Sportchef. Zwischendurch von 2010 bis 2012 auch einmal Nachwuchschef der Grasshoppers.

Walther kennt GC also. Nur hat sich seit der Jahrtausendwende vieles getan. Aus dem stolzen Rekordmeister von einst ist ein klammer Verein geworden, der gewiss mehr mit Jammern über fehlendes Geld als mit ausserordentlichen Leistungen auf dem Rasen auffällt.

Der radikale Umbruch

Walther mag nicht in diesen Chor des Jammerns einstimmen. Er preist lieber die Kreativität. Und sagt: «In der letzten Saison haben wir gesehen: So, wie es läuft, funktioniert es nicht. Ohne Dabbur und Caio wäre GC vermutlich abgestiegen. Also mussten wir etwas Neues machen.»

Wobei diese neuen Ideen von aussen betrachtet ziemlich radikal sind. Bei GC hat der totale Umbruch stattgefunden. Zwischen dem Ende der alten und dem Beginn der neuen Saison haben neun Spieler der ersten Mannschaft den Verein verlassen.

Acht neue sind derweil gekommen. Solche aber, die nichts kosten durften. Also sind Spieler gekommen wie Torhüter Lindner, Verteidiger Doumbia, Regisseur Fasko oder die Angreifer Jeffren, Djouricin, Bahoui, Avdijaj oder Kamberi.

«Als Gruppe zusammenwachsen»

Die Frage an Walther lautet nun: Ist der Umbruch zu radikal erfolgt? Der Saisonstart mit einem 0:2 gegen den FCZ, einem 0:4 gegen YB und einem 2:2 nach 2:0-Führung gegen Luzern lässt dies erahnen. Er sagt: «Nein. Wir hatten keine andere Wahl. Das GC der Vergangenheit hat nicht funktioniert. Wir hatten nicht die Möglichkeit, auf etwas aufzubauen. Unser Weg ist alternativlos.»

Für Walther war klar: Das Spiel vom vergangenen Sonntag in Luzern würde die Richtung aufzeigen, in welche es für GC geht. Was er gesehen hat, gefiel ihm. Natürlich, der späte Luzerner Ausgleich in der Nachspielzeit wäre für ihn nicht nötig gewesen. Aber: «Es war ein guter Auftritt. Ein solidarischer auch. Ich sehe, wie wir als Gruppe zusammenwachsen.»

Wobei es ja auch ordentlich überraschen würde, wenn Walther sein zusammengestelltes Team schon infrage stellen würde. Dafür ist es wohl tatsächlich noch zu früh. Auch wenn das Risiko beträchtlich ist, sein Vertrauen in einen Haufen Spieler zu legen, von denen sich bei Saisonbeginn kaum einer kannte. Entsprechend bescheiden waren die Auftritte der Neuen bis anhin.

Vertraut GC den eigenen Junioren?

Eine andere Frage ist, ob und wie weit GC tatsächlich auf eigene Junioren setzt bei so vielen Transfers. So, wie es der Verein immer versprochen hat. Walther sagt: «Meine Anstellung war eine Garantie dafür, dass genau dies passiert in Zukunft: Dass wir auf eigene Junge setzen. Darüber braucht sich niemand Sorgen zu machen. Nur: Auch hier braucht es eine gewisse Zeit, bis sich so ein Ziel umsetzen lässt. Doch ich habe die nächste Generation im Blick.»

Der junge Verteidiger Jan Bamert, der GC in Richtung Sion verliess, ist für Walther kein beispielhafter Fall. Er zeige einerseits einfach die Notwendigkeiten auf, in denen GC steckt, nämlich jedes Jahr Transfererlöse zu erzielen.

«Zudem sind wir in der Innenverteidigung gut aufgestellt.» Auch Cédric Zesiger gilt als Talent. Dazu seien mit Loosli und Rhyner zwei Perspektiv-Spieler nach Schaffhausen ausgeliehen. Wobei es schwierig ist, sich vorzustellen, dass einer der beiden das Niveau von Doumbia unterbieten würde.

Bereit für Basel?

Und nun folgt also das Gastspiel bei Meister Basel. GC-Sportchef Mathias Walther schaut dem Spiel zuversichtlich entgegen. «Es ist eine Chance, an einem solchen Erlebnis zu wachsen.» Wobei das Resultat nicht zwingend im Vordergrund steht. «Es wäre nicht automatisch schlimm, wenn wir für eine solche Aufgabe noch nicht bereit wären», sagt er, «entscheidend ist, wie wir damit umgehen.»

Die Grasshoppers und ihr Weg unter Walther im Sommer 2017. Ist es mehr als eine gute Idee, die nicht funktioniert? Noch gibt es nicht nur Zweifler, sondern auch Optimisten. Fragt sich nur, wie lange die Geduld hält.