Er konnte einem fast ein wenig leidtun: Stan Wawrinka sass etwas geknickt im schwarzen Ledersessel, der im Interviewraum der Swiss Indoors in Basel steht. Mit leiser Stimme versuchte er am späten Freitagabend, kurz vor Mitternacht, sein Ausscheiden gegen den deutschen Qualifikanten Mischa Zverev zu erklären.

In den fast zwei Stunden zuvor hatte er sich auf dem Center-Court vor ausverkauften Tribünen nach Kräften gegen das vorzeitige Ausscheiden gewehrt. Nach den zwei Zittersiegen in den Runden 1 (gegen Marco Chiudinelli) und 2 (Donald Young) reichte die Energie gegen Zwerew nicht mehr für den neuerlichen Turnaround. Im dritten Satz war der Tank leer. Vor allem derjenige im Kopf. «Ich habe das gegeben, was ich konnte. Oder das, was übrig geblieben ist», so Wawrinka.

Wawrinka konnte in Basel auch dieses Jahr keinen Erfolg feiern.

Wawrinka konnte in Basel auch dieses Jahr keinen Erfolg feiern.

Es war spürbar, dass der Romand an diesem Abend dem voller Selbstvertrauen und kraftvoll agierenden Kontrahenten (zu) wenig entgegensetzen konnte. Das hatte nichts mit fehlendem Willen zu tun. Stan Wawrinka hätte in Abwesenheit von Lokalmatador Roger Federer zu gerne gezeigt, dass auch er in der Lage ist, das Turnier in Basel, welches ihm im Verlauf seiner Karriere mehr Verdruss denn Freude bereitet hatte, zu gewinnen. Doch weder physisch noch psychisch war der «Diesel» in der Lage, noch einmal die nötigen Kraftreserven locker zu machen.

Teilnahme in Paris-Bercy fraglich

So ruckelt und zuckelt das WawrinkaMobil mit den letzten Tropfen Benzin Richtung Ziellinie. In der kommenden Woche würde das Masters-Turnier in Paris-Bercy auf dem Programm stehen. Wenige Minuten nach seinem Ausscheiden in Basel tönte Wawrinka nicht so, als ob er grosse Lust verspürt, in der französischen Metropole anzutreten.

«Ich stehe zumindest im Tableau», sagte die Weltnummer-3 müde lächelnd. Er müsse erst spüren, wie sich sein Körper nach den anstrengenden Tagen in Basel anfühle. «Das Turnier hat mich erschöpft. Es hat in manchen Belangen Energie gekostet. Ich werde in den kommenden Tagen sicher weniger trainieren.»

An den letztjährigen World Tour Finals wurde Wawrinka von Roger Federer geschlagen.

An den letztjährigen World Tour Finals wurde Wawrinka von Roger Federer geschlagen.

Für Stan Wawrinka steht nach einer erneut sehr erfolgreichen Saison, welche mit dem Triumph an den US-Open gekrönt wurde, noch ein letzter Höhepunkt an: Die World Tour Finals in London (13. bis 20. November), wo zum Saisonabschluss die besten acht Spieler des laufenden Jahres um den Titel des Weltmeisters spielen. «Ich möchte, dass meine Motivation im Hinblick auf dieses Turnier maximal ist. Ich habe mich das ganze Jahr darauf gefreut», machte er klar, wo und wie er seine Notreserven einzusetzen gedenkt.

Priorität haben für ihn auch in Zukunft die Swiss Indoors, selbst wenn sie ihm auch heuer kein Glück gebracht haben. Immerhin schaffte er es nach vier Erstrunden-Pleiten in Serie diesmal in den Viertelfinal. Die Basis für einen Exploit im kommenden Jahr wäre gelegt.