Ist das Resultat immer die letzte Wahrheit? Grundsätzlich ja. Und doch gibt es Ausnahmen von dieser eisernen Regel des Sports. 2. Tom Lüthi, 11. Dominique Aegerter. Diese Resultate offenbaren uns beim Saisonauftakt im Morgenland nicht die ganze Wahrheit. Tom Lüthi (30) ist viel besser als klassiert. Aegerter (26) ist für seine Leistung in der Rangliste nicht belohnt worden.

«Ich bin in erster Linie erleichtert», sagt Lüthis Manager Daniel Epp. Vor dem Rennen hätte er für einen sechsten Platz blind unterschrieben. «Tom ist in der Saisonvorbereitung sechsmal gestürzt und hier im ersten Training noch einmal ganz schwer. Sieben Unfälle! Normalerweise stürzt er in einer ganzen Saison nicht so oft.»

Eines der Resultate einer Analyse im Winter sei eine zu geringe Risikobereitschaft gewesen. «Er ist früher wenig gestürzt, weil er zu wenig ans Limit gegangen ist. Das hat er jetzt geändert.» Diese erhöhte Risikobereitschaft diktiert die Zielsetzung Weltmeister. Nach einer so turbulenten Vorbereitung wird die Erleichterung verständlich. «Ich kann meinem Team nicht genug für die geleistete Arbeit danken», sagte Lüthi und er wirkte so glücklich wie vor einem Jahr, als er hier das Rennen gewonnen hatte.

Das erste Rennen hat bestätigt, dass er zu den Titelanwärtern zählt. Die Frage ist natürlich, ob nun mit Franco Morbidelli (22) – er gewann seinen ersten GP – schon wieder ein Pilot aufgetaucht ist, der Lüthi vor der Sonne stehen wird. So wie in der Vergangenheit Stefan Bradl, Marc Marquez, Tito Rabat oder Johann Zarco. Franco Morbidelli unbesiegbar?

Vor einem Jahr hatte er den Italiener hier in Katar noch auf Platz 2 verwiesen. «Nein, überhaupt nicht», sagt Lüthi. «Es war für mich zwar unmöglich, ihn einzuholen. Aber der Grund ist für mich klar. Details haben die Differenz gemacht. Details, die nach den Schwierigkeiten der letzten Wochen noch nicht stimmen. Aber wir haben jetzt eine Basis.»

Aegerter zeigt sich positiv

Aegerter kam «nur» auf Rang elf – und war trotzdem guter Dinge. Es war sein erstes Rennen seit letztem August. Weil er vom Team auf die Strasse gestellt worden war, hatte er die letzten vier Rennen der vergangenen Saison verpasst. Nun fühlt er sich in seinem neuen Team bei Stefan und Jochen Kiefer und nach der Rückkehr von Kalex auf Suter wohl. «Das Potenzial ist viel grösser als es meine Klassierung sagt. Ich war einfach noch nicht dazu in der Lage, ein Optimum herauszuholen.

Aegerter kam «nur» auf Rang elf – und war trotzdem guter Dinge.

Aegerter kam «nur» auf Rang elf – und war trotzdem guter Dinge.

Ich muss mich wieder an die Intensität eines Rennens gewöhnen. Es ist hart zur Sache gegangen. Schon in der zweiten Kurve ist mir Luca Marini in die Kiste gefahren und ich habe manchmal beim Anbremsen gleich mehrere Plätze verloren.»

Vor einem Jahr beim Saisonstart hat Aegerter Platz fünf geholt. In einem Rennen, in dem es drunter und drüber ging und mehrere Favoriten wegen Frühstarts weit zurückgeworfen wurden. «Ich hatte auf Platz fünf fast so viel Rückstand auf den Sieger wie jetzt auf Rang elf. Wie gesagt: Mit der Klassierung kann ich nicht zufrieden sein, mit allem anderen schon.» Tatsächlich betrug letztes Jahr die Differenz zum Sieger 16,064 Sekunden. Jetzt sind es bloss 17,802. Manchmal sagt die Rangliste tatsächlich nicht die ganze Wahrheit.