Musik beruhigt die Nerven. SCB-Verteidiger Eric Blum spielt nach einem aufwühlenden Match gerne auf seiner Gitarre. So fährt er runter, verdrängt das Adrenalin aus dem Körper. «Wenn ich spiele, vergesse ich die Zeit und die Welt um mich herum», sagt der 31-Jährige.

Musik würde so manch einem Hockeyspieler helfen, einen ausgeglicheneren Gemütszustand zu erreichen. Etwa, wenn die Emotionen durchgehen und die Fäuste sprechen. So wie in dieser Saison beim Klotener Tim Ramholt und dem ZSC-Löwen Roman Wick, die sich auf dem Eis mächtig Saures gaben. Vielleicht half auch bei ihnen Musik bei der Verarbeitung.

«Es gibt immer wieder Sportler, die über sich hinauswachsen»

«Es gibt immer wieder Sportler, die über sich hinauswachsen»

Eishockey-Spieler Eric Blum über Olympische Erinnerungen und die bevorstehenden Winterspiele in Südkorea.

Ziemlich sicher sogar. Schliesslich spielen die beiden zusammen mit Blum, Romano Lemm und dem Schlagzeuger Fabian Gass gemeinsam in einer Band. «Müssen wir diese Rauferei in einem Song verarbeiten», spotteten die beiden nicht involvierten Eishockey-Kollegen, als sich das Kufen-Quartett nach dem Schlagabtausch auf Eis zur gemeinsamen Probe im Übungslokal traf.

Rivalität im Spiel hin oder her, das gemeinsame Wirken in der Bluesrock-Band schweisst zusammen, das spürt auch Eric Blum. Gerade jetzt, wo die Band auf das erste Album hinarbeitet.

Zehn bis zwölf als Teamwork komponierte Songs wollen die Sportler mit gemeinsamer Vergangenheit in der Nationalmannschaft bis zum Sommer auf einer CD verewigen. Dieses Projekt weckt den Ehrgeiz auch im musikalischen Bereich. «Die Erwartungen an uns selber werden höher», spürt Blum. «Was wir produzieren, muss schon geil tönen.»

Dafür müssen derzeit die eigenen Konzerte wie vor zwei Jahren etwa beim Züri-Fäscht hinten anstehen. Den letzten Auftritt vor Publikum absolvierte die Band mit Sänger Ramholt, den beiden Gitarristen Blum und Wick sowie Bassist Lemm just vor einem Jahr im Februar. Seit gut fünf Jahren existiert die Band, seit zwei Jahren geben die Jungs musikalisch so richtig Gas.

Bandproben auch im Olympiajahr

Und nun also das Platten-Projekt. «Man spürt den Druck. Die Absagen für die gemeinsame Übungsstunde werden seltener, je näher das Album rückt», sagt Blum. Selbst die Vorbereitung auf Olympia kann den WM-Silbermedaillengewinner von 2013 nicht davon abhalten, sich mehr oder weniger regelmässig zur Bandprobe einzufinden. Im Schnitt alle zehn Tage üben die Profisportler zusammen. Aufgrund des dichten Spielplans in der Meisterschaft kein einfaches Unterfangen.

Erst recht nicht, weil das gemeinsame Hobby zu einigen Kilometern Autobahn führt. Geübt wird in Zürich, das Studio des Plattenproduzenten befindet sich in Basel, Blum spielt in Bern. Auch unvorhergesehene Zwischenfälle führen bisweilen zu Verzögerungen im Platten-Zeitplan. «Ein gebrochener Finger, ein verstauchtes Handgelenk, eine Hirnerschütterung – es fällt immer wieder mal einer aus», sagt Blum und lacht.

Dem Zürcher mit Schweizer Vater und japanischer Mutter wurde die Musik quasi in die Wiege gelegt. Sein Vater singt noch immer in einem Chor, seine Mutter ist eine passionierte Flamenco-Tänzerin. Seinen Namen hat er Eric Clapton zu verdanken.

Erinnerte sich nach 20 Jahren ans Kindheitsgeschenk

Eric Blum bekam schon im Kindesalter eine spanische Flamenco-Gitarre geschenkt. Richtig gepackt hat ihn das Spielen damals noch nicht. Es dauerte rund 20 Jahre, bis er sich daran erinnerte und das ehemalige Geschenk aus dem Keller holte.

Die Überlegung hinter dem Musizieren: «Bei mir drehte sich praktisch das ganze Leben um Spitzensport. Ich wollte dem Hirn eine Abwechslung bieten und etwas komplett anderes machen», erklärt Blum.

Je mehr er sich der Musik zuwendet, desto grösser ist der Respekt vor der Leistung der Künstler. «Mich beeindruckt der Aufwand, der hinter einem Album oder einem Konzert steckt. Es braucht eine unglaubliche Energie, um dem eigenen Ziel gerecht zu werden und auf der Bühne eine perfekte Show abzuliefern», sagt der 31-Jährige.

SCB-Verteidiger Eric Blum

SCB-Verteidiger Eric Blum

Man habe noch immer das Bild des wilden Rock-n-Rollers im Kopf. Doch heute trinkt ein Sänger viel eher Ingwer-Honigtee für seine Stimme und der Gitarrist badet seine Finger in einer Kamillenmischung», formuliert es Blum bewusst überspitzt.

Besonders hart sei das Leben für einen Musiker, weil sich das Konsumverhalten der heutigen Gesellschaft total verändert hat. In Zeiten von Spotify will niemand mehr für Musik bezahlen. Es sei eine brutale Geschäftswelt, folgert Blum und sagt, man realisiere dadurch auch, welch privilegiertes Leben ein Eishockeyprofi habe.

Eric Blum ist froh, kann er in beide Welten eintauchen. Ohne diese Abwechslung wäre ihm das Profidasein als Sportler zu fad. Je länger das Gespräch dauert, umso mehr kommt der Intellektuelle, der Künstler zum Vorschein.

«Musik ist etwas, das berührt. Etwas, das den Menschen im Kern trifft», sagt er. Eine andere Welt. «Die Leute sollen bei einem Konzert wissen, dass sie dort auf den Musiker Eric Blum treffen. Und nicht auf den Eric Blum, der Eishockey spielt.»