Super League

Murat Yakin kehrt zurück auf die grosse Bühne

Murat Yakin wechselt als Trainer von Schaffhausen zu GC – mit dem Rekordmeister wurde er als Spieler zweimal Meister.Keystone

Murat Yakin wechselt als Trainer von Schaffhausen zu GC – mit dem Rekordmeister wurde er als Spieler zweimal Meister.Keystone

Vorgestern Abend haben die Grasshoppers ihren Cheftrainer Carlos Bernegger entlassen. Gestern stellten sie Murat Yakin als neuen Trainer vor - doch wie geht es mit ihm weiter?

Manchmal nützen sämtliche Erklärungsversuche nichts. Egal, wie lange man es versucht. So in etwa kommt es dem Besucher im neusten, grotesken GC-Theaterstück vor.

Akt 1: Im letzten Frühling entlässt GC seinen Trainer Pierluigi Tami.

Akt 2: Nothelfer Carlos Bernegger übernimmt und rettet den Verein vor dem Abstieg.

Akt 3: GC verpflichtet Mathias Walther als Sportchef, CEO Manuel Huber soll entlastet werden.

Akt 4: Der Vertrag mit Trainer Bernegger wird verlängert. Sportchef Walther stellt GC komplett um, gleich acht neue Spieler kommen. Alle sind fast kostenlos, aber schleppen ein Problem mit sich.

Akt 5: Nur fünf Spiele nach Saisonbeginn entlässt GC Bernegger wieder – und holt Murat Yakin als neuen Trainer. Sein Bruder Hakan kommt als Assistent. Dafür wechselt Boris Smiljanic von der GC U21 zu Schaffhausen.

Vertragsverlängerung nicht vorangetrieben

Natürlich, Murat Yakin ist ein ziemlich guter Trainer, der GC ziemlich sicher weiterbringt. Und doch gibt es eben haufenweise Faktoren, die wieder einmal ein schlechtes Licht auf GC werfen. Warum hat man den Trainerwechsel nicht schon vor Saisonbeginn vollzogen? Der Verdacht liegt nahe: Bernegger ist der Mann von CEO Huber. Dieser drängte auf die Vertragsverlängerung mit Bernegger. Sportchef Walther war erst kurz im Verein. Zwischen den Zeilen lässt er nun durchblicken, dass er die Vertragsverlängerung mit Bernegger zumindest nicht aktiv vorangetrieben hat.

Carlos Bernegger musste gehen. Keystone

Carlos Bernegger musste gehen. Keystone

Hier kommt Präsident Stephan Anliker ins Spiel. Er ist der Mann, der von CEO Huber stets schwärmt. Bis heute. Aber mit Saisonbeginn hat ihn das gute
Gefühl um sein GC verlassen. Der Wechsel von Bernegger zu Yakin ist am Ende auch massgeblich eine Entscheidung des Präsidenten. Auf die Frage, wann in ihm die Gewissheit aufgekommen ist, den Trainerwechsel zu vollziehen, sagt Anliker: «Nach dem Spiel beim FC Basel.»

Bedeutet: Nach vier Spielen und einem Punkt ist das Schicksal von Bernegger besiegelt. Dass GC im Spiel darauf gegen St. Gallen danach die beste Saisonleistung gelingt, 2:0 siegt und so etwas wie einen leisen Aufwärtstrend zeigt, hat die Führung wohl nicht erwartet.

Erklärungsversuche

Am Donnerstagabend wird Bernegger entlassen. Es passt ins Bild, dass die Trennung vom ganzen Verein mit keiner einzigen Silbe bestätigt oder kommentiert wird. Man würde jedenfalls nicht darauf kommen, dass GC mittlerweile eine ganze Schar Kommunikationsfachleute beschäftigt.

Am Freitagnachmittag nun folgen die Erklärungsversuche. Die Kernbotschaften? CEO Huber: «Wir haben ganz nüchtern eine sportliche Risikoabwägung vorgenommen. Die Betrachtung ist dabei mittelfristig, nicht nur über diese Saison.» Sportchef Walther, dessen Vertrag auch gleich noch ein Jahr bis Ende der Saison 18/19 verlängert wurde: «Es war ein Entscheid für Murat Yakin. Nicht gegen Carlos Bernegger. Wir halten GC gegen aussen nur attraktiv, wenn wir europäisch spielen.»

Muri gehört in die Super League

Dazu richten beide immer wieder salbungsvolle Worte an Carlos Bernegger aus. Sie betonen, wie gross sein GC-Herz sei. Die GC-Führung hofft sogar, dass Bernegger im Verein bleibt. Sie bietet ihm an, im Juniorenbereich zu arbeiten und den bestehenden Vertrag um zwei Jahre zu verlängern. Aber ob der stolze Bernegger nach dieser Demütigung dieses Angebot annehmen mag? Es ist schwer vorstellbar. Und darum realistisch, dass GC ihn bis Ende Juni 2019 bezahlen muss. Auf diesen Termin, so hört man, ist es erstmals möglich, Berneggers Vertrag zu künden.

Einer verfolgt das Theater ganz gelassen. Murat Yakin. Er ist zurück auf der grossen Bühne. Den Schalk hat er in der Challenge League nicht verloren. Lächelnd sagt er: «Ein Muri gehört schon in die Super League. Das ist auch für mich klar.» Und was hat Yakin, zweifacher Meister mit dem FC Basel, bei GC vor? Ganz einfach: «Ich will dem Team beibringen, wie man gewinnt.»

Meistgesehen

Artboard 1