Mujinga Kambundji hat ihren Schweizer Rekord an den Weltmeisterschaften in Peking um einen Zehntel auf 11,07 Sekunden verbessert. Dennoch schied die 23-jährige Bernerin in den Halbfinals als Gesamt-Zwölfte aus. Um den Final der besten Acht zu erreichen, hätte Kambundji 10,97 Sekunden laufen müssen. Eine Zeit also, die für sie derzeit noch ausser Reichweite liegt.

Sie traue sich jedoch zu, bereits im nächsten Jahr unter elf Sekunden zu bleiben, wenn alles nach Plan laufe. Sie sieht in sämtlichen Bereichen noch Potenzial: bei der Kraft, dem Start und beim Finish. Sie sei bisher selten von A bis Z super gelaufen, sagte Kambundji unmittelbar nach ihrer starken Leistung im Nationalstadion von Peking.

Ihre Fortschritte sind frappant, seit sie sich im Herbst 2013 der Gruppe des renommierten Trainers Valerij Bauer in Mannheim angeschlossen hat, bei der auch Verena Seiler, die Europameisterin von 2010, trainiert. Ende 2013 wies Kambundji noch eine Bestzeit von 11,50 aus. Sie hat sich somit in diesem Zeitraum um nicht weniger als 43 Hundertstel verbessert, was über 100 m eine schier unglaubliche Steigerung ist.

Die zweitbeste Europäerin

Vor diesem Jahr hatte ihre Bestzeit 11,20 betragen, aufgestellt beim 4. EM-Rang im vergangenen Jahr in Zürich. In Bellinzona im Juli sowie im WM-Vorlauf in Peking lief sie 11,17 und nun also 11,07 bei einem Rückenwind von 0,9 m/s.

Damit ist sie in der WM-Rangliste hinter der Holländerin und Silbermedaillengewinnerin Dafne Schippers die zweitbeste Europäerin. Die Perspektiven für die nächstjährigen Europameisterschaften in Amsterdam sind also hervorragend.

Die grossen Fortschritte sind in erster Linie auf einen enormen Muskelzuwachs zurückzuführen und dass sie diesen auch in Geschwindigkeit umsetzen konnte. Seit dem Wechsel zu Bauer hat Kambundji sieben bis acht Kilogramm zugenommen.

Die Verbesserung um einen Zehntel gegenüber dem Vorlauf führte sie darauf zurück, dass sie diesmal auch in der letzten Phase des Rennens locker habe bleiben können. Und beim Einlaufen spürte sie eine grössere Spannung als am Vortag. «Der Start hingegen war nicht so gut wie erhofft», sagte die Athletin des ST Bern, die zunächst enttäuscht war, als sie sah, lediglich Fünfte in ihrer Serie geworden zu sein. «Aber die Zeit ist wirklich unglaublich, da will ich mich nicht beklagen.»

Reichts über 200 m in den Final?

Angesichts ihrer überragenden Form kann sich Kambundji über 200 m durchaus Hoffnungen auf den Final machen, ist doch über diese Distanz die Dichte nicht so gross. Auf dieser Strecke hatte sie an den Schweizer Meisterschaften in Zug mit 22,80 Sekunden ebenfalls einen nationalen Rekord aufgestellt. Sie ist sich sicher, noch einiges schneller rennen zu können. «Das ist noch nicht alles gewesen. Es war mein erstes gutes Rennen über 200 m in dieser Saison. Dort hatte ich allerdings nicht das gleiche Feeling wie hier.»