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Mujinga Kambundji: «Ich habe mein ganzes Potenzial noch nicht ausgeschöpft»

Mujinga Kambundji ist die «Schweizer Sportlerin des Jahres». Doch die Bernerin denkt nicht daran, sich auf den Lorbeeren auszuruhen.

Gilles Mauron
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Wie hat sich Ihr Alltag seit dem Gewinn der WM-Bronzemedaille im letzten Oktober in Doha verändert?

Mujinga Kambundji: Mein Management hat nach dem Medaillengewinn von Doha bis zu zehn Interviewanfragen pro Tag bekommen. Nach meinen Ferien hatte ich während zweier Wochen fast jeden Tag einen Termin. Das war ziemlich hart. Ich bin das nicht gewohnt. Es ist nicht mein Job, aber es gehört zum Sport dazu. Mittlerweile ist alles wieder fast normal, auch wenn das Interesse an mir schon viel grösser ist als vor Doha.

Fiel es Ihnen schwer, sich nach diesem grossen Erfolg wieder zu motivieren?

Nein, nicht wirklich. Schon unmittelbar nach dem Rennen hatte ich trotz der Emotionen bereits Lust, wieder ins Training einzusteigen, die neue Saison vorzubereiten. Ich habe noch nie einen 100-m-Final bei einer WM oder Olympischen Spielen bestritten. Ich kann sowohl über 100 als auch über 200 Meter noch schneller rennen. Jedes Mal, wenn ich etwas Unerwartetes erreicht hatte, habe ich mich sehr rasch gefragt, was mein nächstes Ziel sein sollte. Bisher habe ich es immer geschafft, mich zu steigern, besser zu werden. Und ich glaube, ich kann noch etwas Grösseres erreichen. Ich habe noch nicht mein ganzes Potenzial ausgeschöpft.

Mujinga Kambundji, Schweizer Sportlerin des Jahres 2019.

Mujinga Kambundji, Schweizer Sportlerin des Jahres 2019.

Bild: Claudio Thoma / Freshfocus

Kann man mit 27 Jahren physisch stärker werden?

In den USA gibt es Athleten, die beginnen mit 17, 18 Jahren voll zu trainieren. Sie sind mit 27, 28 schon ausgelaugt. Ich spüre, dass ich noch Potenzial habe. Ich habe nicht das Gefühl, schon in allen Bereichen mein Maximum erreicht zu haben. In Mannheim (ihre Trainingsbasis von 2013 bis 2017 – die Redaktion) machte ich alles im Bereich Kraft, vernachlässigte aber die Ausdauer. Danach habe ich die Ausdauer forciert, dabei aber die Kraft etwas weniger im Fokus gehabt.

Arbeiten Sie mit dem gleichen Trainerstab weiter?

Ja, mit Steve Fudge (Leiter einer Trainingsgruppe in London – Red.), Adrian Rothenbühler (Trainer des Jahres bei den Sports Awards – Red.) und meinem derzeitigen Management.

Trainieren Sie derzeit alleine?

Meistens. Ich bin es so gewohnt, auch wenn es angenehmer ist, jemanden an seiner Seite zu haben. Ich will mehr Zeit daheim verbringen. Seit meinem Umzug nach Mannheim (2013 – Red.) bin ich viel gereist. Ich war immer wieder erschöpft, auch wegen der Trainerwechsel und der Unsicherheiten, die diese ausgelöst haben. Momentan findet sowieso nur die Saisonvorbereitung statt. Ich muss nur rennen, mein Hirn abschalten und tun, was ich tun muss. Derzeit stehen die technischen Aspekte noch nicht im Vordergrund. Ich kann momentan also gut daheim trainieren und alleine, wenn es sein muss.

Mujinga Kambundji, WM-Dritte über 200 Meter.

Mujinga Kambundji, WM-Dritte über 200 Meter.

Bild: Jean-Christophe Bott / Keystone

Im kommenden Jahr stehen die Olympischen Spiele in Tokio an. Ihre besten Medaillenchancen dürften Sie mit der 4 × 100-m-Staffel haben. Können Sie sich vorstellen, auf die 100 oder 200 m zu verzichten, um die Staffel zu privilegieren?

Ich werde in Tokio wieder alle drei Disziplinen bestreiten. Es ist hart, das ist klar. Aber in Doha habe ich erstmals sieben Rennen bestritten, und es war die gleiche Intensität beim abschliessenden Staffelfinal wie in den 100-m-Vorläufen.

Mit Ajla Del Ponte, Salomé Kora und Sarah Atcho (das Quartett wurde bei den Sports Awards als Team des Jahres ausgezeichnet – Red.) verbindet Sie etwas Starkes ...

Jede steigert sich individuell, was uns noch mehr motiviert. Es herrscht immer eine gute Stimmung, es gibt positive Energie. Es ist eine Freude, zusammen zu rennen, zu zeigen, was wir gemeinsam erreichen können.