In Spanien sind sie froh. «Die Krankheit ist jetzt in Manchester», schreibt die «Marca». Und die Sportzeitung warnt die Engländer schon mal davor, dass es unschön werde. Die spanischen Fussballromantiker erinnern sich ungern an die Duelle zwischen Real Madrid und dem FC Barcelona in den Jahren 2010 bis 2012.

Auf der Insel lächeln sie nur darüber. Statt zu jammern, können sie die Neubelebung der alten Fehde kaum erwarten. Dass die Feindbilder nun nicht mehr 500 Kilometer Luftlinie trennen, dass sie sich nun sogar in der gleichen Stadt aufhalten – umso aufregender. Für die Engländer ist heute Nachmittag im «Old Trafford» High-Noon: Manchester United gegen Manchester City. Das ist ab sofort nicht mehr nur ein Stadtderby. Heute ist es der Kampf der Könige. Um die Vorherrschaft im britischen Fussballmekka Manchester: José Mourinho gegen Pep Guardiola.

Zusätzliche Würze erhält die Affiche durch Zlatan Ibrahimovic, den schwedischen Stürmerstar, der Mourinho zu den «Red Devils» gefolgt ist  - auch, um seinen Mentor im Privatduell mit Guardiola zu unterstützen. Denn Ibrahimovic hat dazu, nachdem er unter beiden Trainern gespielt hat, eine klare Meinung: Für Mourinho, den «General», würde er «sterben». Guardiola hält er in Anlehnung an dessen philosophischen Touch für «Scheisse für Fortgeschrittene».

Heute ist es umgekehrt: Zlatan Ibrahimović noch als Spieler von Pep Guardiola bei Barça.

Heute ist es umgekehrt: Zlatan Ibrahimović noch als Spieler von Pep Guardiola bei Barça.

Mourinhos Kränkung

Um die Feindschaft zwischen Guardiola und Mourinho zu verstehen, muss man zurückblicken. Ins Jahr 1997.  Damals tritt Bobby Robson als Barcelona-Trainer ab. Sein Co-Trainer, ein gewisser José Mourinho, drängt auf die Nachfolge. Den Job aber erhält Louis van Gaal. Der frustrierte Mourinho will Barca verlassen. Bis sich ein Spieler vehement für seinen Verbleib als Co-Trainer einsetzt: Pep Guardiola.

Der ist damals Captain der Katalanen und ein Bewunderer von Mourinhos Fähigkeit, die gegnerischen Teams taktisch zu sezieren. «Die beiden waren sich sehr nah und schätzten sich beruflich und privat sehr», erinnert sich Guardiola-Biograf Guillem Balague. Es gibt ein Video, das Guardiola und Mourinho nach dem Triumph im Pokal der Pokalsieger 1997 in inniger Umarmung zeigt.

Bis heute die letzte Aufnahme der beiden in freundschaftlicher Atmosphäre. 2000 verlässt Mourinho Barcelona und lanciert seine Karriere als Cheftrainer in seiner Heimat Portugal. Er gewinnt mit Porto die Champions League, küsst danach in London den FC Chelsea wach – und ist 2008 ein Kandidat auf den freien Trainerposten in Barcelona.

Der andere Kandidat: Pep Guardiola. Letzterer erhält den Zuschlag, was Mourinho zutiefst kränkte. Das Angebot seines ehemaligen Freundes, erneut Co-Trainer bei Barca  zu werden, schlägt er aus. Und lässt einen ersten Giftpfeil in Richtung Guardiola los: «Es gibt Leute, die viel intelligenter sind als ich und es verstehen, ein Image ihrer Selbst zu verkaufen, das ganz anders ist als meines, obwohl sie tief drinnen genau so sind wie ich.»

Im Jahr 2010 wird aus der ehemaligen Freundschaft endgültig Feindschaft: Im Champions-League-Halbfinal treffen Mourinhos Inter Mailand und Guardiolas Barcelona aufeinander. Die 1:3-Hinspielniederlage begründet Guardiola mit der 1000 Kilometer weiten Anreise, die wegen des lahmgelegten Flugverkehrs durch den Ausbruch des Vulkans Eyjafjallajökull. «Eine miese Ausrede» für Mourinho. Als Inter im Rückspiel trotz 0:1-Niederlage den Finaleinzug klar macht, tanzt der Portugiese erst auf dem Rasen des Camp Nou und spricht danach von der «schönsten Niederlage meiner Karriere».

Als Mourinho 2010 Real Madrid übernimmt, wird's hässlich. Guardiola gewinnt den ersten Clásico 5:0. «Ich bin stolz darauf, dass die ganze Welt gesehen hat, wir wir Fußball spielen», sagt er. - Im Frühjahr 2011 kommt es zu vier Duellen in 18 Tagen, aus Rivalität wird offene Feindschaft.

Würdigten sich keines Blickes: Die beiden Startrainer vor dem Spanischen Supercup 2011.

Würdigten sich keines Blickes: Die beiden Startrainer vor dem Spanischen Supercup 2011.

Nach der Niederlage im Pokalfinale zettelt Guardiola eine Diskussion über die Schiedsrichter an. Mourinho keilt zurück, worauf Guardiola den «scheiß Boss» (el puto jefe) Mourinho erneut attackiert. «Er weiß mehr als alle anderen», schimpft er. - Nach dem Halbfinal-Hinspiel in der Königsklasse, das Real 0:2 verliert, giftet Mourinho, der sich vom Schiedsrichter betrogen fühlt: «Ich hoffe, der Tag kommt, an dem Josep Guardiola diesen Wettbewerb auf ehrbare Weise gewinnt.» - Das Rückspiel muss Mourinho auf der Tribüne verbringen, Guardiola schwärmt danach von «einem der schönsten Abende meines Lebens».

Immer schlimmer

Im Rückspiel um den spanischen Supercup im August 2011 sticht Mourinho Guardiolas Assistent Tito Vilanova einen Finger ins Auge. «Mourinho zerstört den spanischen Fußball», sagt Barca-Verteidiger Gerard Piqué. Mourinho meint: «Wir spielen wie Männer und fallen nicht bei der leisesten Berührung um.» Am Ende der Saison nimmt Guardiola eine einjährige Auszeit. Viele glauben bis heute, dass Mourinho einer der Gründe dafür war. «Es ist sein Leben», ruft ihm dieser nach, «aber für mich wäre ein Sabbatical undenkbar. Er ist jünger als ich, aber ich bin nicht müde.»

Vier Jahre später ist Guardiola wieder bereit für Mourinho. Bereit, um gegen seinen Intimfeind um die Vorherrschaft in Manchester und in der Premier League zu kämpfen.