Mountainbike
Höhenflug: Olympiaheldinnen nehmen Rückenwind aus Tokio mit – Sina Frei ist schon jetzt Weltmeisterin

Durch den Dreifach-Triumph an Olympia hat sich für die Mountainbikerinnen Jolanda Neff, Sina Frei und Linda Indergand einiges geändert. Stark aus dem Trubel kommt Frei: Sie ist schon vor der Königsdisziplin Weltmeisterin.

Raphael Gutzwiller, Val di Sole
Drucken
Teilen
Triumph bei Olympia, an der WM Favoritinnen (von links): Sina Frei, Jolanda Neff und Linda Indergand.

Triumph bei Olympia, an der WM Favoritinnen (von links): Sina Frei, Jolanda Neff und Linda Indergand.

Tim De Waele / Getty Images AsiaPac

Es war zweifellos der Schweizer Höhepunkt der diesjährigen Olympischen Spielen in Tokio: Das Frauenrennen im Mountainbike, bei dem die drei überragenden Schweizerinnen den ganzen Medaillensatz abräumten. Jolanda Neff holte sich Gold, Sina Frei Silber und Linada Indergand Bronze.

Schon vier Wochen später sind wieder die Augen auf die drei Mitfavoritinnen gerichtet an der Weltmeisterschaft im italienischen Val di Sole. Sie haben von ihrer Topform nichts eingebüsst: Bei der WM-Premiere der Disziplin Short Track holt sich Frei den Titel, auch Indergand und Neff klassieren sich in den Top 5.

Frei überragend, Colombo Achter

Short Track In der neuen WM-Disziplin holt sich Sina Frei sensationell den Titel. Sie setzt sich in einem Foto-Finish-Schlusssprint gegen die Britin Evie Richards durch. Dritte wurde die Französin Pauline Ferrand-Prévot. Linda Indergand und Jolanda Neff verpassten als Vierte und Fünfte das Podest knapp.

Bei den Männern sind einige Favoriten nicht an den Start gegangen. Der einzige Schweizer am Start, Filippo Colombo, klassiert sich als Achter. Weltmeister wird der US-Amerikaner Christopher Blevins. 

Dieser Höhenflug in der kürzeren Version der Cross-Country-Rennen kommt eher überraschend angesichts der Tatsache, dass die drei Medaillenheldinnen intensive Wochen hinter sich haben. Ein Empfang am Flughafen, Festivitäten in den Gemeinden, Medientermine, Sponsorenanlässe: Das Biken selbst geriet ob dieser Terminflut beinahe in den Hintergrund.

Viele Anfragen für Neff

Künstlerisch posiert Jolanda Neff mit ihrer Goldmedaille.

Künstlerisch posiert Jolanda Neff mit ihrer Goldmedaille.

Maxime Schmid / KEYSTONE

Damit umgegangen sind die drei Athletinnen völlig unterschiedlich. Jolanda Neff, die Olympiasiegerin aus dem St. Gallischen, ist die gefragteste. Sie hat es auch deshalb turbulent, weil sie sich seit gut einem Jahr selber managt. «Ich habe wahnsinnig viele Anfragen erhalten», erzählt sie. «Dadurch durfte ich wunderbare Begegnungen erleben mit Menschen, die sich gefreut haben. Das machte Spass. Aber sicher ist es so, dass dies nicht die ideale Vorbereitung auf einen Grossanlass war.»

Viel los bei Jolanda Neff: In Thal erhält sie gar ihren eigenen Weg.

Viel los bei Jolanda Neff: In Thal erhält sie gar ihren eigenen Weg.

Andri Vöhringer

Im Training vor der WM stürzte Neff schliesslich auch noch – blieb glücklicherweise aber unverletzt und fuhr schon im gestrigen Rennen stark. In der Favoritenrolle sieht sie sich für das samstägliche Cross-Country-Rennen aber nicht: «Ich bin nach dieser Vorbereitung kaum in absoluter Topform, darum wird es schwierig. Doch ich habe mein grosses Ziel schon erreicht.»

Motivationsschub für Frei

Diese Medaille gibt Sina Frei einen Motivationsschub.

Diese Medaille gibt Sina Frei einen Motivationsschub.

Peter Klaunzer / KEYSTONE

Mit einer anderen Erwartungshaltung ist Sina Frei angereist – und hat diese schon mit dem Titel im Short-Track-Rennen bestätigt. «Für mich war die Olympiamedaille ein riesiger Motivationsschub – auch im Hinblick auf diese WM», sagt sie.

Während andere Athletinnen – wie etwa Neff – nach einem riesigen Erfolg eher nach der ganz grossen Motivation suchen müssen, war die Medaille für Frei, die oft knapp am Podest vorbeigeschrammt war, der Beweis, dass sie zu den Besten zählt. Seit gestern ist sie in der kurzen Distanz die Beste, darf ein Jahr lang das Regenbogentrikots der Weltmeisterin tragen.

Nach den Olympischen Spielen aber war auch für Frei eineinhalb Wochen lang viel los, sie konnte aber gleichzeitig gut trainieren. Doch wenn sie dies irgendwo in den Bergen tat, war ihre Wirkung eine andere. «Es gibt Wanderer, die mir nachrufen. Es gibt auch einige Biker, die sich einen Spass daraus machen, mich zu überholen», sagt sie lächelend. «Meistens freue ich mich, wenn ich erkannt werde. Aber es gibt Situationen, in denen das zu viel werden kann.»

Indergand fuhr gleich die nächsten Rennen

Ist eine zurückhaltende Person: Linda Indergand bei ihrem Empfang in Silenen.

Ist eine zurückhaltende Person: Linda Indergand bei ihrem Empfang in Silenen.

Manuela Jans-Koch

Dieses Problem kennt Linda Indergand ebenfalls. Die Urnerin gilt als zurückhaltende Person, drängt sich nicht gerne in den Vordergrund. Vielleicht ist der Weg, den sie wählt, ihrem Charakter entsprechend. Sie geniesst nach ihrer Rückkehr aus Tokio zwar die Feiern im Kanton Uri und die Wertschätzung, die sie erhält. Rasch macht sie aber wieder das, was sie am liebsten tut: Mountainbiken.

Zwei Wochen nach Olympia startete sie als einzige der drei an der EM. «Doch ich habe gespürt, dass der letzte Biss kurz nach den Spielen noch etwas gefehlt hat», sagt Indergand, die Fünfte wurde und noch in Muttenz am Swiss Cup startete. Sie sagt: «Für mich war die Planung so richtig, damit ich an der WM bereit bin.»

Nach dem vielversprechenden Start in die WM mit den guten Resultaten im Short Track träumen die drei Medaillenheldinnen von Tokio vom grossen Triumph am Samstag. Der Blick wird sicher wieder auf die Schweizerinnen gerichtet sein.

Aktuelle Nachrichten