Motorsport

«Voodoo»-Zauber an Tom Lüthis Höllenmaschine

Tom Lüthi belegt nur Rand 10 und ist trotzdem zufrieden.

Tom Lüthi belegt nur Rand 10 und ist trotzdem zufrieden.

Töffstar Tom Lüthi gelingt mit Platz 10 beim Saisonauftakt in Doha wenigstens eine Schadensbegrenzung.

Die bange Frage nach dem ­dramatischen Saisonstart zur Moto2-WM in Doha: War es der Mut des alten Löwen, der ­wenigstens eine Schadensbegrenzung ermöglicht hat? Tom Lüthi ist nach dem Rennen erleichtert. Platz 10!

Platz 10? Es ist sein zweitschwächster Start in eine Moto2-­WM. Nur 2013 (11.) war er im ersten Rennen noch weiter ­hinten klassiert. Resultatmässig ist der ­Saisonstart missglückt. Dabei schien der Emmentaler so gut wie noch nie zu sein. Alles schien zu stimmen.

Viel muss also passieren, dass der WM-­Topfavorit froh ist, dass es wenigstens für einen 10. Rang gereicht hat.

Nachdem die Trainings am Samstagabend vorüber sind, dreht sich nach dem miserablen Resultat (18./6. Reihe) alles um das Thema Technik. Lüthi sagt, seine Techniker und er seien einfach nicht dazu in der Lage, die Maschine zu verstehen und die richtige Abstimmung zu ­finden. Ist es nun über Nacht gelungen, fürs Rennen die richtige Abstimmung zu finden und die Höllenmaschine zu verstehen?

Der grosse alte Mann der Moto2-Klasse gibt sich zu Beginn seiner 18. Saison alle Mühe, diesen Eindruck zu vermitteln. Das Motorrad sei in der Nacht aufs Rennen total umgebaut und das Problem gelöst worden. «Aber ich musste im Rennen eine Mammutaufgabe bewältigen: Ich musste die Maschine wieder neu kennen lernen und ans Limit gehen.»

Aber was das Problem gewesen sei, könne er nicht sagen. Es sei einfach gelungen, die Balance wiederzufinden. Und er betont: «Ich sage ausdrücklich, dass wir das Problem gelöst haben. Es war Teamarbeit.» Der Friede im Team ist also gewahrt.

Wer war es denn nun wirklich?

Aber in dieser Geschichte mit dem «alten Mann und seiner Höllenmaschine» bleibt eine grosse Frage: Hat Lüthi mit dem Mut eines Löwen im Rennen den technischen Problemen ­getrotzt und den Schaden im Rahmen gehalten oder war es die Weisheit der Techniker, dass es einigermassen glimpflich ausgegangen ist?

Technische Problemlösung ist im Töffsport eine Mischung aus technischer Weisheit und «Voodoo». Will heissen: Es wird nach einer Verbesserung gesucht, die sehr schwierig zu ­finden ist, weil es um Details geht und der Teufel im Detail steckt. Um diesen Teufel aus­zutreiben ist immer auch ein bisschen «Voodoo» unerlässlich: mit bedeutungsschweren Gesichtern um die Höllen­maschine herumstehen und so tun, als sei nun alles klar. Um dem Fahrer das Gefühl zu geben, dass nun alles viel besser ist.

Es war wohl sehr viel «Voodoo», ein bisschen technische Detailarbeit und Lüthis Löwenmut, die zum glimpflichen Ausgang beigetragen haben. Nach gutem Start rückt er rasch auf Rang 12 vor. Aber ein weiteres Aufrücken verhindert ein neues technisches Problem.

Erst die nächsten Rennen werden zeigen, ob Tom Lüthis Schrauber tatsächlich eine ­Lösung gefunden haben. Wir wissen nur, dass Tom Lüthis ­fahrerisches Können nicht das Problem ist.

Das Datum für die nächste Bewährungsprobe ist wegen der Virus-Weltkrise nach wie vor ­offen. Der nächste GP in Thailand ist bereits in den Herbst ­hinein verschoben worden und die Absage der nächsten Rennen in Texas und Argentinien wird erwartet. Möglich, dass es erst am 3.Mai in Spanien (Jerez) ­weiter geht. Bis dahin wird der alte Löwe daheim in Linden ­seine «fahrerische Krallen» ­weiter wetzen. An ihm wird die «Operation WM-Titel» nicht scheitern.

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