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Tom Lüthi: «Meine Motivation und mein Ehrgeiz sind grösser geworden»

Am 19. Juli 2002 hat für Tom Lüthi auf dem Sachsenring eine grosse Sport-Karriere begonnen. Seine Motivation und sein Ehrgeiz sind heute immer noch gross. Der Aufstieg in die MotoGP-Klasse sieht der 25-Jährige als Ziel.

Klaus Zaugg, Sachsenring
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Aus dem Kinderstar ist ein Mann geworden: Tom Lüthi

Aus dem Kinderstar ist ein Mann geworden: Tom Lüthi

Keystone

Keine rauschende Party. Es ist eine kurze, halbstündige Feier im schlichten Rahmen im Pavillon des Teams im Fahrerlager am Sachsenring. Es ist nicht einmal ein offizieller Fotograf da, um den Augenblick zu verewigen. Ein Kuchen wird auf den Tisch gestellt. Es gibt Fingerfood und Champagner zum Anstossen. Seine schöne und kluge Freundin Fabienne, die ehemalige Miss Bern, ist natürlich auch da. Sie kümmert sich um alles, was nicht direkt mit Töff und Technik zu tun hat.

Diese Feier erklärt auch, warum Tom Lüthi Weltmeister geworden ist, warum er 2005 vor Roger Federer Sportler des Jahres war und heute einer der populärsten Schweizer Einzelsportler ist. Es sind mindestens sieben oder acht Leute da, die schon beim ersten GP vor zehn Jahren dabei waren. Tom Lüthi und sein Manager Daniel M. Epp haben noch nie Brücken hinter sich abgebrochen, sie sind nie arrogant geworden. Selbst die Techniker aus den drei schwierigen Aprilia-Zeiten (2007 bis 2009) kommen gern vorbei.

Igor Strauss ist ein Freund aus dem Dorf Linden im oberen Emmental. Er war vor zehn Jahren schon dabei und bringt es auf den Punkt: «Es kommt mir noch alles wie ein Märchen vor. Tom hat unser Dorf verändert. Wegen ihm sind viele in die Welt hinausgezogen, um ihn einmal bei einem Rennen zu sehen, und das hat alle weltoffener gemacht.» Wenn das kein Kompliment ist: Ein Sportler verändert die Mentalität in einem Emmentaler Bauerndorf.

«Einfach so reingerutscht»

Tom Lüthi wird am 6. September erst 26 Jahre alt. Aber er ist bereits ein Routinier mit der Erfahrung aus 156 GP. Er hat einen aufregenden Tag hinter sich. Mit einem Sturz bei Tempo 120 am Vormittag. Er ist unverletzt geblieben. Oder besser: Die Prellungen und Schürfungen, die er sich beim Sturz am letzten Samstag in Assen zugezogen hat, werden nicht schlimmer. «Ich bin auf der Maschine fit. Aber sonst noch nicht so geschmeidig.»

Er nimmt sich Zeit für einen Blick zurück. «Ich hatte gerade die Schule beendet und war erst 15, als ich den ersten GP fahren durfte. Ich bin einfach so reingerutscht und wagte nicht einmal auf einen zweiten GP zu hoffen. Ich hatte mir keine Gedanken über eine Lehre gemacht. Wichtig war nur, dass ich nicht mehr in die Schule musste, die war für mich ein Horror. Ich hatte das Glück, dass mich meine Eltern unterstützten. Sie gaben mir die Chance im Rennsport und sagten, ich könnte ja, wenn es nicht funktioniere, auch mit 20 noch eine Lehre machen.» Es hat funktioniert und der Emmentaler hat keine Lehre gemacht.

Die Erinnerungen an 2002

Tom Lüthi hat eine Erinnerung an das erste GP-Wochenende auf dem Sachsenring bewahrt. «Ich war im Training schon ein paar Runden gefahren und hatte das Gefühl, schnell zu sein. Da hat mich Weltmeister Manuel Poggiali aussen herum überholt. Ich hatte gar nicht gewusst, dass man mit einer 125er so schnell fahren kann. Seither hat sich alles verändert und ich habe wohl nur noch den Namen mit dem Tom Lüthi vor zehn Jahren gemein.» Doch äusserlich ist aus dem «Kinderstar» ein Mann geworden, 15 Zentimeter grösser als 2002. Was sich auch verändert hat: Heute steht Tom gerne dazu, ein Bauernbub zu sein und ist sogar stolz auf seine Herkunft. Das war anfänglich nicht so. Da war er auch für eine Prämie von 3000 Franken nicht bereit, sich für ein Fachmagazin zusammen mit einer Kuh abbilden zu lassen.

Tom Lüthi hat immer noch grosse Ziele: «Meine Motivation und mein Ehrgeiz sind eher grösser geworden. Der Aufstieg in die MotoGP-Klasse ist mehr als ein Traum. Es ist noch immer ein Ziel. Ich muss die Leistung erbringen und ich hoffe, dass mein Manager die Finanzierung doch noch hinbekommt.» Der Manager heisst Daniel M. Epp. Der Baselbieter hat Tom Lüthi den Einstieg in den GP-Zirkus orchestriert. Er sagt: «Diese Karriere ist noch lange nicht zu Ende. Ich bin sicher, dass Tom Lüthi in den nächsten fünf Jahren noch besser wird.»

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