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Tom Lüthi fährt am Sonntag in Spanien seinen 150. Grand Prix

Mit 150 GP (Rennen zur WM) übertrifft Tom Lüthi bereits seinen Vorgänger Jacques Cornu (140 GP). Für den 25-Jährigen bedeuten sie lediglich eine Zwischenstation.

Klaus Zaugg
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Tom Lüthi: Stationen seiner GP-Karriere
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Aus dem 15-jährigen Töffli-Bueb (im Bild auf einem Pocket-Bike im Jahr 2002) ist inzwischen ein international respektierter Star geworden.

Tom Lüthi: Stationen seiner GP-Karriere

Keystone

Cornu war der letzte Schweizer Töff-Star vor Lüthi. Er trat im Frühjahr 1991 zurück. Im letzten Jahrhundert bedeuteten 150 GP für einen Schweizer oft eine Karriere. Pro Saison standen acht bis zwölf Rennen auf dem Kalender, das GP-Debüt erfolgte meistens erst im Alter von 23 oder 24 Jahren. Die Internationalisierung hat das Programm auf 17 GP pro Saison ausgedehnt und Tom Lüthi fuhr seinen ersten GP im Alter von 15 Jahren.

Und so bedeuten 150 GP für Tom Lüthi lediglich eine Zwischenstation. «Wir haben kurz darüber nachgedacht, ob wir zu diesem Jubiläum etwas machen sollten» sagt Lüthis Manager Daniel M. Epp. «Aber wir haben das schnell wieder verworfen. Wir benötigen keine zusätzliche Aufregung und zu feiern gibt es ja auch nichts. Eine Feier machen wir wohl erst beim 200. GP.» Der Baselbieter geht davon aus, dass sein Schützling weit mehr als 200 GP bestreiten wird. «Bei allen ist der Spass immer noch so gross wie nach zehn GP.»

Tom Lüthi hat Sonderstellung

Bereits mit 150 GP nimmt Tom Lüthi (6 Siege/21 Podestplätze) in unserer Töff-Geschichte eine Sonderstellung ein. Gleich hinter Luigi Taveri, unserem ersten Töff-Star und Weltmeister (125er-Titel 1962, 1964, 1966/30 Siege/89 Podestplätze). Der Zürcher geniesst noch heute Kultstatus und höchstens internationales Ansehen. Er hat unsere Rennsportkultur begründet.

Tom Lüthi ist der erste Schweizer Töff-Star des 21. Jahrhunderts und sozusagen der Wiedererwecker unserer Töff-Kultur. Noch Ende der 1990er-Jahre scheint es, als werde nie mehr ein Schweizer im internationalen Töff-Geschäft eine Rolle spielen: Geld und grosse Werbemärkte sind so wichtig geworden, dass es für Schweizer keinen Platz mehr gibt. Jacques Cornu ist 1989 der letzte GP-Sieger, Ende der 1990er-Jahre fahren nicht einmal mehr Schweizer im GP-Zirkus mit.

Lüthi ebnet den Weg

Und dann debütiert am 21. Juli 2002 beim GP von Deutschland Tom Lüthi fast unbemerkt von der Öffentlichkeit beim GP von Deutschland mit einem 26. Platz. Drei Jahre später ist er Weltmeister (125 ccm) und als erster Töfffahrer Sportler des Jahres – vor Roger Federer. Seine historische Bedeutung liegt darin, dass er mit seinem Beispiel zeigt, dass es doch möglich ist, als Schweizer im 21. Jahrhundert Töff-Karriere zu machen: Inzwischen fahren auch Dominique Aegerter und Randy Krummenacher auf höchstem Niveau vorne mit. Ohne Lüthi wären ihre Karrieren nicht möglich geworden.

Tom Lüthi ist in 150 GP vom TöffliBueb zu einem international respektierten Star im GP-Zirkus gereift. Die Konstanz neben der Piste ist ein wichtiger Bestandteil dieser Erfolgsgeschichte: Der familiäre Rückhalt und die Betreuung durch den gleichen Manager (Daniel M. Epp). 2005 hat Epp seine Autoersatzteil-Firma verkauft und hat sein Hobby (Lüthis Management) zum Beruf gemacht. Den Erfolg von 2005 (WM-Titel/4 Siege) hat Tom Lüthi zwar noch nicht wiederholen können.

Nur zwei Siege

In den sieben Jahren seit dem Titelgewinn hat er nur zwei Rennen gewonnen und sich nie mehr in den ersten drei einer WM klassiert. Trotzdem ist er einer der populärsten Schweizer Sportler geblieben. Seine Freundin Fabienne Kropf, die kluge ehemalige Miss Bern, hat nun sogar Glamour in seine Karriere gebracht. Der sympathisch-bescheidene Bauernbub aus dem Emmental (Linden), der sich in einem der gefährlichsten Sportarten der Welt behauptet, ist beim Publikum auch ohne Titelgewinne beliebt. Alleine die Konstanz dieser Karriere wäre ein Grund zum Feiern.

Der wirtschaftliche Erfolg hält sich allerdings immer noch in Grenzen. In diesem kapitalintensiven Sport (rund 1,5 Millionen Franken braucht es, um die Saison überhaupt bestreiten zu können) wird einer aus dem limitierten Schweizer Werbemarkt nicht reich. Fabienne Kropf hat ihr Studium (Marketing, Kommunikation) inzwischen abgeschlossen und kümmert sich hauptberuflich um die Vermarktung ihres Freundes – 2012 wird Tom Lüthi erstmals über 100 000 Franken im Jahr verdienen. In Ländern wie Italien oder Spanien könnte er allerdings ein Einkommen von über einer Million erzielen.

Lernprozess nicht abgeschlossen

In Jerez gehört Tom Lüthi in der Moto2-WM zu den Anwärtern auf den Sieg. Er ist ein Titelkandidat. Beim Saisonauftakt in Katar (5.) ist er in der letzten Runde durch eine rüde Attacke des Spaniers Marc Marquez um den Sieg gebracht worden. Der Emmentaler sagt, er werde seinen Fahrstil den neuen Gegebenheiten anpassen. Auch nach 150 GP ist der Lernprozess nicht abgeschlossen.

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