Motorrad

Tom Lüthis Manager: «Wir wussten um dieses Risiko»

Zu wenig Kraft und zweimal beinahe gestürzt: Tom Lüthi.

Zu wenig Kraft und zweimal beinahe gestürzt: Tom Lüthi.

Tom Lüthis (26) hat das gescheiterte Amerika-Abenteuer gegen den Willen seines gesamten Teams erzwungen. Das ist ein gutes Zeichen.

Tom Lüthis Manager und Teambesitzer Daniel M. Epp war nicht vor Ort. «Ich habe zu viel zu tun und habe auf die Reise nach Austin verzichtet.» Es gibt aber noch einen anderen Grund, warum der Chef auf den Flug nach Texas zum GP von Amerika verzichtet hat. Er wusste, dass das Comeback seines Fahrers und Freundes scheitern wird. «Es hat im gesamten Umfeld von Tom niemanden gegeben, der davon ausgegangen ist, dass dieses Comeback in Texas gelingt», sagt Epp.

«Es konnte nicht gehen, weil Tom die Kraft noch fehlt. Mit allem Willen und der besten Therapie ist es eben nicht möglich, den Muskelaufbau zu beschleunigen. Wir wussten, dass er das Rennen nicht fahren kann.» Das ist der entscheidende Faktor: die Kraft. Schmerzen können ertragen oder weggespritzt werden. Aber wenn die Kraft zur Kontrolle des Töffs fehlt, gibt es keine Lösung. Obwohl es von allem Anfang an aussichtslos war, hat es Tom Lüthi versucht.

Weil während eines GP-Wochenendes der Fahrer nicht gewechselt werden darf, konnte nach seinem Verzicht sein Ersatzfahrer Sergio Gadea nicht mehr eingesetzt werden. Epp sagt: «Unser Team war dadurch am Samstag und am Sonntag arbeitslos. Aber wir wussten um dieses Risiko und es spielt letztlich keine Rolle, ob Sergio Gadea für uns einen 18. oder 20. Platz herausfahren kann oder nicht.» Im zweiten Training hat Tom Lüthi die Übung beim GP von Amerika abgebrochen. Er hatte einfach zu wenig Kraft und wäre zweimal beinahe gestürzt. Es stand zum Zeitpunkt des Abbruchs bloss auf dem 27. Platz.

Start beim GP Spanien ebenfalls unsicher

Das Risiko, dass es Tom Lüthi auch beim nächsten Comeback-Versuch im Rahmen des GP von Spanien in Jerez (5. Mai) so ergehen wird, ist erheblich. Er sagt selber: «Ich bin nicht sicher, ob ich das Rennen dort fahren kann.» Auf jeden Fall wird er aber am Donnerstag vor dem Jerez GP (2. Mai) für die offizielle Teamvorstellung vor Ort sein. «Es kann sein, dass ich erst an diesem Donnerstag entscheiden werde.» Das Risiko, dass Tom Lüthi dann erneut nach dem Training aufs Rennen verzichten muss, bleibt.

Aber Epp sagt: «Das nehmen wir in Kauf.» Er sagt, durch den Abstecher nach Austin habe Tom Lüthi sechs Tage für intensive Therapie verloren. «Aber es ist ein gutes Zeichen, dass er es versucht hat. Es ist besser, wenn der Fahrer unbedingt will und das Umfeld bremsen muss als umgekehrt. Ich werde es niemals zulassen, dass Tom zu einem Einsatz gedrängt und unter Druck gesetzt wird.»

Rennfahrer wollen immer so schnell wie möglich zurück auf ihre Höllenmaschinen, zurück auf die Rennpiste, zurück «ins Gefecht». Sie wollen keine Zeit verlieren, sie hassen die erzwungene Untätigkeit, die bloss ins Grübeln und Zweifeln führt. Das war schon immer so. Wie ein roter Faden ziehen sich zu frühe oder riskante oder wundersame Comebacks durch die Rennsportgeschichte. Tom Lüthi hat das missglückte Comeback erzwungen. Das ist ein sehr gutes Zeichen. Er ist noch immer ein grosser Rennfahrer.

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