Tom Lüthi (31) hat sich für den Sport und gegen das grosse Geld entschieden und beim deutschen «Dynavolt»-Team einen Zweijahresvertrag unterschrieben. Er wird 2019 und 2020 wieder die Moto2-WM bestreiten.

«MV Agusta» hatte Lüthi zuvor mit einem Zweijahresvertrag im Wert von fast einer Million geködert. Nun wird er bei «Dynavolt» nicht einmal halb so viel verdienen. Aber die technischen Voraussetzungen (Kalex-Fahrwerke) sind bei den Deutschen besser. Er wird neben Marcel Schrötter die Nummer eins im Team und bekommt auch ohne seinen bisherigen Cheftechniker Gilles Bigot die technischen Voraussetzungen zum Titelgewinn.

Noch hat der Berner den Ruf, in der Moto2-WM ein Titelanwärter zu sein. 2016 und 2017 beendete er die zweitwichtigste Töff-WM auf dem 2. Platz. Diese Vergangenheit hat ihm geholfen, die Zukunft zu sichern.

Ein technischer Vorteil

Wird ihm das missglückte MotoGP-Abenteuer 2018 helfen oder schaden? Von der technischen Seite her wird er profitieren. Ab nächster Saison wird neu mit 765er-Dreizylinder-Motoren von Triumph mit Elektronik von Magneti Marelli gefahren. Bisher sind die Moto2-Triebwerke fast ohne Elektronik ausgekommen. Ab 2019 kann also nur vorne fahren, wer die Technik versteht, die aus der MotoGP-Klasse kommt. Tom Lüthi hat also einen technischen Vorteil.

Aber der 16-fache GP-Sieger wird in der aktuellen fahrerischen Verfassung nicht den Hauch einer Chance auf Spitzenplätze haben. Lüthi hat in den paar Monaten in der Königsklasse seine Konkurrenzfähigkeit fast komplett eingebüsst. Gestern hat er den GP Österreich auf dem schmählichen letzten Platz beendet.

Töffrennen werden auch im Kopf entschieden. Wenn das Selbstvertrauen unerschütterlich ist, rasen die Piloten über den Asphalt dahin, wie Jesus übers Wasser schreitet. Plagen sie nur die leisesten Zweifel, versinken sie augenblicklich in den Fluten. Lüthi hat sein fahrerisches Selbstvertrauen verloren.

Die Hinterherfahrer

Die Geschichte lehrt uns: Wer zurück in die Moto2-WM muss, ist praktisch chancenlos. Das jüngste Beispiel: Sam Lowes gewann 2016 zwei Moto2-GP. In der vergangenen Saison scheiterte er in der Königsklasse so kläglich wie jetzt Tom Lüthi und musste deshalb zurück in die Moto2-WM. Er steht zurzeit in der Gesamtwertung auf Rang 12.

Das Problem: Wer ein ganzes Jahr lang hinterherfährt und kaum mehr in ein Überholmanöver verwickelt wird, findet sich in den wilden Positionskämpfen der Moto2-Rennen nicht mehr zurecht.

Tom Lüthi kann nächste Saison die hohen Erwartungen nur erfüllen, wenn er seine Saisonvorbereitung umkrempelt und den Winter nicht mehr ausschliesslich zur Erholung, sondern in Töffsätteln zur Wiederherstellung der fahrerischen Konkurrenzfähigkeit nützt.

Wie die Konkurrenz. Selbst Valentino Rossi nützt mit 39 Jahren jede Gelegenheit. Bisher hat sich Tom Lüthi in den Wettkampfpausen fernab von Verbrennungsmotoren erholt. Tut er das weiterhin, ist er zum Scheitern verurteilt.