Kommentar Sauber

Schmierenkomödie um Sauber: Wenn die Liebe erlöscht

Wer die neusten Entwicklungen in der Schmierenkomödie um das Team Sauber liest, dem vergeht die Lust am Rennsport. Da bleibt man doch lieber im Bett.

Wer die neusten Entwicklungen in der Schmierenkomödie um das Team Sauber liest, dem vergeht die Lust am Rennsport. Nicht nur, dass sich die Hauptdarsteller wie Laien verhalten, vielmehr wird der Zirkus Formel 1 je länger, je mehr zum Affentheater. Früher, so entnimmt man den zahlreichen Wortmeldungen der Fans, ist man am Sonntagmorgen noch extra aufgestanden, um den Saisonstart in Australien live am TV zu verfolgen. Heute bleibt man lieber im Bett und träumt von alten Zeiten.

Früher: Da ist man aufgestanden und hat Peter Sauber und seinem Schweizer Rennstall die Daumen gedrückt. Ein Rennstall aus Hinwil mitten in der Welt von Ferrari und Co. Ein Schweizer Team in der Königsklasse, dabei gibt es in der Schweiz nicht einmal einen Autobauer. Peter Sauber hat ab 1993 ein Märchen geschrieben, eines, das ihn zum Schweizer des Jahres machte. Es war eine Geschichte von Herzblut, von Passion, vom Traum zu siegen. Eigentlich mehr Liebesgeschichte als Märchen.

Es war auch die Liebe, die Peter Sauber dazu bewegte, kürzerzutreten. Der heute 71-Jährige wollte mehr Zeit für seine Familie. Darum zog er sich im Herbst 2012 zurück, nachdem er zuvor noch einmal alle Energie in sein Lebenswerk investierte, weil sich BMW entschloss, auszusteigen. Peter Sauber kaufte das Team Ende 2009 zurück und übergab im Oktober 2012 die operative Leitung an Monisha Kaltenborn. Die Juristin war schon lange zuvor für die Sauber Motorsport AG tätig und übernahm zu Beginn des Jahres 2012 einen Drittel der Teamanteile. Aus der Liebesgeschichte wurde ein Drama.

Kaltenborn hat eine andere Beziehung zum Schweizer Rennstall. Weniger Liebe, mehr Kalkül. Der Motorsport, besonders in der Formel 1, ist teuer. Während Peter Sauber immer einen Weg fand, für seine Liebe zu kämpfen, verfiel Kaltenborn den Verlockungen des schnellen Geldes. Nun bekommt sie die Quittung dafür. Im Liebesleben enden solche Dramen mit der Scheidung, nicht selten vor dem Richter. In der Formel 1 im Chaos – ebenfalls vor dem Richter. Da bleibt man doch lieber im Bett.

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