Formel 1
Sauber-Partner sind undurchsichtige Russen

Sauber hat am Montag drei Retter päsentiert. Die Geldgeber hinter Sauber stammen aus dem St. Petersburger KGB-Kuchen und legen wenig Wert auf Transparenz.

Marc Fischer und Inna Hartwich
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Der russische Präsident Wladimir Putin (Archiv)

Der russische Präsident Wladimir Putin (Archiv)

Keystone

Offiziell werden keine Zahlen bestätigt. Auf dem Internet-Portal von «20 Minuten» hiess es am Montag Abend, die russischen Geldgeber hätten 162 Millionen Franken investiert. Damit wären die Schulden des Hinwiler Rennstalls, die sich gemäss Medienberichten auf 90 bis 120 Millionen Franken belaufen, gedeckt.

Doch woher kommt das Geld? Sauber hat die Namen von drei russischen Organisationen mitgeteilt: der staatliche Fonds für Entwicklung der Nord-Westlichen Russischen Föderation, das Nationale Institut für Luftfahrt und Technologie und der Investment Cooperation International Fund. Dabei handelt es sich um Organisationen, die dem russischen Präsidenten Vladimir Putin nahestehen. Auch das ganze Formel-1-Projekt in Russland, das mit der Kooperation mit Sauber neue Impulse erhalten soll, ist stark an die Person von Putin geknüpft.

Offiziell gibt man sich politisch neutral. So pflegt etwa der Investmentfonds das Image Non-Profit-Organisation. «Der Investment Cooperation International Fund ist eine Non-Profit-Organisation ohne Mitgliedschaft, die durch die Initiative ihres Gründers, der Bürger von Russland, ins Leben gerufen wurde», heisst es in der Stiftungsurkunde von 2010.

Gazprom im Hintergrund

Dass die Institution auf höchster politischer Ebene bestens verankert ist, zeigt sich bei den Partnern. Mit an Bord ist auch die Gazprombank, die Bank des staatseigenen Energieriesen Gazprom. Gazprom ist die Kaderschmiede der Nation: Dmitri Medwedew, der Ministerpräsident, war einst Verwaltungsratspräsident.

Dass zudem das Präsidium des Stiftungsrats des Fonds mit Sergey Ushakov ein ehemaliger KGB-Mann innehat, überrascht auch nicht wirklich. So gelten der KGB und seine Nachfolge-Organisation FSB ebenfalls als wichtige Kaderschmieden des Landes. «Ehemalige Spione sitzen heute in den Kommandozentralen der russischen Volkswirtschaft», so Nina Khrushcheva, Professorin für internationale Beziehungen in New York, auf dem Kommentarportal «Project Syndicate».

Das Vorzeige-Unternehmen dieser Kultur ist Gazprom. Khrushcheva schreibt in ihrer maliziösen Art, dass der Energierise zunächst in Russland Ölwerte, Medien, Bankbeteiligungen und agrarwirtschaftliche Betriebe geschluckt hatte. Und nun wolle Gazprom dasselbe mit nachgeordneten Energiewerten ausserhalb Russlands, speziell in Europa, tun. Über den Arm des Investment Cooperation International Fund und dessen Partner Gazprombank ist die russische Wirtschaftselite also auch in der Schweiz gelandet. Das ist zwar keine Premiere, so hat der russische Investor Viktor Vekselberg in der Schweiz schon bei mehreren Firmen investiert. Wie ein Sprecher auf Anfrage sagt, hatte Vekselberg mit dem Sauber-Deal nichts zu tun.

Beziehungen zu CS und Vontobel

Weshalb man neben Hongkong und Singapur ausgerechnet auch in der Schweiz ein repräsentatives Büro eröffnet habe, will der CEO des Investment Cooperation International Fund nicht sagen. In Russenkreisen ist aber bekannt, dass die Schweiz aufgrund ihrer Neutralität, der Rechtssicherheit und ihrer Diskretion im geschäftlichen Umgang - im Gegensatz zur Europäischen Union und den Vereinigten Staaten - bei Russen sehr beliebt ist.

Und die Beziehungen der neuen Sauber-Partner reichen offenbar bis ins schweizerische Finanzsystem. Der Geschäftsführer des Büro Zürich, Kiril Delchev, hat nicht nur beim legendären Investor George Soros gelernt. Er hat auch Erfahrungen bei einer Reihe von «Weltklasse»-Banken gesammelt: unter anderem bei der Credit Suisse und der Bank Vontobel.