Formel 1
Rosberg kämpft um Anerkennung

Nico Rosberg tut der Status des WM-Leaders besonders gut. Der in der Formel 1 um Anerkennung ringende Deutsche hat genug von seiner Rolle als Nummer 2.

David Bernold
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Rosberg kämpft nicht nur gegen die die Konkurrenz, sondern auch um Anerkennung.

Rosberg kämpft nicht nur gegen die die Konkurrenz, sondern auch um Anerkennung.

Keystone

Da war das Bild wieder vom freundlichen Nico Rosberg. Über die sozialen Netzwerke liess er nach seinem Sieg beim Saisonauftakt in Australien teilhaben an seiner «guten Zeit» zu Hause in Monte Carlo im Kreis seiner kleinen Familie mit Ehefrau Vivian und der sieben Monate alten Tochter Alaia. Anständig und nett – so hat es Rosberg lange nicht nur als Privatmann gehalten, sondern auch in seinem beruflichen Alltag als Autorennfahrer. Zu lange, wie ihm immer wieder zum Vorwurf gemacht worden ist. Zu lange habe er den «netten Kerl» in der Formel 1 gegeben.

Die Zurückhaltung als Angestellter von Mercedes hat Rosberg abgelegt. Nicht allein das mittlerweile zerrüttete Verhältnis zu Teamrivale Lewis Hamilton hat das Umdenken bewirkt. Er hat erkennen müssen, dass Talent allein nicht ausreicht, um in der Formel 1 erfolgreich bestehen zu können. Dass es dazu auch die nötige Portion Egoismus und eine den Verhältnissen angepasste Aggressivität braucht.

Rosberg hat die richtige Mischung gefunden – und fährt seither im Wortsinn gut damit. Sehr gut sogar, besser als alle anderen. Saisonübergreifend hat er die letzten vier Grands Prix allesamt gewonnen. Zum zweiten Mal innert zwei Jahren tritt er in Bahrain als WM-Führender an. Seine Serie mag Rosberg nicht überbewerten. «Mit der neuen Saison hat wieder alles bei null begonnen.» Gut tut es ihm aber allemal, die Nummer 1 zu sein. Die Rolle des Zweiten kennt er schliesslich zur Genüge. Und die damit verbundenen Selbstzweifel. Für Rosberg ist es nicht nur ein Kampf gegen die Konkurrenz, sondern auch um Anerkennung. Allein aufgrund der teaminternen Konstellation in den vergangenen zwei Jahren ist er sich bewusst, dass nur Sonderleistungen und Siege genügen, um sich auf allen Ebenen den nötigen Respekt zu verschaffen.

Die perfekte Reaktion

In Ruhe arbeiten kann Rosberg auch nach seinen Siegen in den letzten vier Grands Prix nicht. Seit Tagen hält sich das Gerücht, wonach sein Vertrag am Ende der Saison ausläuft und Rosberg deshalb auch um seine sportliche Zukunft fährt. Mit dem Triumph in Melbourne hat der gebürtige Wiesbadener auf jeden Fall bei erster Gelegenheit ein weiteres starkes Argument für eine Weiterbeschäftigung geliefert. Der Sieg war umso wertvoller, zumal sich das Wochenende im Albert Park lange nicht nach Rosbergs Wunsch entwickelt hatte. Ein Unfall zu Beginn des zweiten freien Trainings am Freitag, zwei Fahrfehler im Qualifying – schon war der Blondschopf wieder der Kritik ausgesetzt, dem Druck des Mitfavoriten nicht gewachsen zu sein. Und nach dem missratenen Start zum Grand Prix sahen sich die Nörgler in ihrer Meinung erst recht bestätigt. Rosberg konnte all dies nach dem perfekten Ende egal sein. Seine Reaktion im Rennen war die eines Champions – ungeachtet dessen, dass er auch von besonderen Umstände im Rennen profitiert hatte.

Für Rosberg selber stand nicht der Weg zu seinem 15. Sieg in der Formel 1 im Vordergrund. Wichtiger war ihm die Erkenntnis, erneut ein Auto zur Verfügung zu haben, das es ihm erlaubt, der Beste zu sein. Dafür bedankte sich Rosberg bei seinem Arbeitgeber artig – eben so, wie es seinem Naturell als «anständiger Junge» entspricht. «Das Team hat ein weiteres Mal unglaublich gute Arbeit geleistet. Ihm ist es gelungen, die Messlatte für die Konkurrenz noch einmal höher zu legen.»

Das gelungene Debüt

Der Sieg in Bahrain fehlt Rosberg noch, obwohl er schon zweimal, vor drei und vor zwei Jahren, aus der Pole-Position losgefahren ist. Trotzdem hat er an den Rundkurs in Sakhir, 30 Kilometer südlich der Hauptstadt Manama gelegen, sehr gute Erinnerungen. Vor zehn Jahren hatte er hier in einem (unterlegenen) Williams das Debüt in der Formel 1 gegeben – und sich mit Rang 7 gleich seine ersten WM-Punkte geholt. Diesmal soll es selbstredend ein klar besseres Ergebnis sein. «Das wird gut. Da bin ich mir ganz sicher.» Der Status als Leader verpflichtet – und macht Lust auf mehr.

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