Sauber
Putin, Prestige und Pannen

Das sagt man in Russland zu den russischen Investoren, die das finanziell schwer angeschlagenen Schweizer Formel1-Team Sauber retten wollen. Und was die Russen von Putins Absicht, aus dem Staatssäckel Autorennen zu finanzieren, halten.

Inna Hartwich, Moskau
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Peter Sauber (Mitte), Kamui Kobayashi (r.) und Sergio Perez zeigen Anfang 2011 den neuen Wagen.
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Peter Sauber posiert vor einem Formel-1-Wagen
Peter Sauber und der Sauber-Technikchef
Bundesrat Ueli Maurer mit Peter Sauber 2010 vor einem Formel1-Rennen in Abu Dhabi
Peter Sauber 2006 vor dem Eingang zum neuen BMW Sauber Rennstall im italienischen Imola

Peter Sauber (Mitte), Kamui Kobayashi (r.) und Sergio Perez zeigen Anfang 2011 den neuen Wagen.

Keystone

So richtig versteht das auch heute kaum jemand in Russland. «Formel 1? Bei uns? Wofür?», schrieben die Gazetten, fragten sich die Menschen auf der Strasse, als bekannt geworden war, dass Russlands Präsident Wladimir Putin und Formel-1-Boss Bernie Ecclestone die Königsklasse des Motorsports nach Russland geholt hatten. Im Oktober 2010 waren die Verträge unterschrieben. Mindestens sieben Jahre soll die Formel 1 in Russland gastieren, das Land zahlt für die Rechte 30 Millionen Euro jährlich. Viele Russen wünschen sich da lieber Investitionen in die maroden Strassen vor der Haustür. Solche Kritik aber hören weder Putin noch Ecclestone gern. Schon entstand die Strecke in Sotschi, vorbei an den gigantischen Bauten, die Russland für seine Olympischen Spiele im kommenden Februar errichtet. Der erste Test: der Grand Prix der Formel 1, ebenfalls in den Subtropen am Schwarzen Meer, ebenfalls im kommenden Jahr. Ein enger Stadtkurs ähnlich wie in Monaco hatten sich die Macher ausgedacht.

Viel Geld versickert

Für Russland ist das ein Prestigeerfolg im Weltsport, vor allem für die russische Regierung, die mit Milliardeninvestitionen für Sport-Grossereignisse nicht gerade geizt. Olympische Spiele, Formel 1, Fussball-WM 2018. Putin ist der Oberkontrolleur der Bauarbeiten, kommt dann und wann schimpfend und befehlend vorbei in der lang gezogenen Stadt zwischen Bergen und Meer. «Ja, wir können das», scheint er rufen zu wollen. «Wir können mithalten, all das auf die Beine stellen.» Das inszenierte Gebaren eines Mächtigen.

Viel Geld versickert da, viel in undurchsichtigen Kanälen. Die Bevölkerung ist mit der Zeit müde geworden ob des Staubs, der Staus, der zusammenbrechenden Elektrizität. «Ein Land, das noch nie ein Rennen ausgerichtet hat, will gleich mit der Formel 1 anfangen. Wir sollten erst ein paar taugliche Rennstrecken bauen, ein nationales Championat ins Leben rufen und uns so zur Formel 1 hocharbeiten», kommentierte der russische GP2-Fahrer Iwan Samarin die Situation. Doch warum klein anfangen, wenn es auch protzig geht?

Die Absturzgefahr

Russlands Autosport ist sehr jung. Passable Autorennstrecken hat das Land nicht zu bieten, bekannte Namen finden sich kaum auf den Rennfahrer-Listen der Welt. Es gibt Max Snigerjow, den 26-Jährigen, der 2012 in der AutoGP startete. Es gibt Dmitri Suranowitsch, den in Weissrussland Geborenen, der seit diesem Jahr in der Formel 3 fährt. Es gibt auch Vitali Petrow, den einzigen Russen, der es jemals in die Formel 1 schaffte, sich da aber lediglich zwei Jahre hielt – bis 2012.

Nun ist ein Küken aufgetaucht, Sergej Sirotkin, der das grosse Los gezogen zu haben scheint (siehe Artikel links oben). Das Geld für ihn und die Sauber-Rettung kommt von drei russischen Staatsorganisationen (siehe Artikel links unten). Eine davon ist das Nationale Institut für Luftfahrt und Technologie – eigentlich zuständig für die Serienproduktion von Flugzeugen und «anspruchsvolle Ausrüstung». Als Aushängeschilder preist das Institut übrigens all die Antonow- und die MiG-Flugzeuge, die in letzter Zeit vor allem wegen ihrer Abstürze für Schlagzeilen sorgten denn wegen ihrer «Spitzentechnologie», wie das Institut es nennt.