Das Reglement für die Formel-1-WM erfährt nach zwei Jahren mit moderaten Veränderungen markante Umwälzungen. Ein Teil der Modifikationen an den Autos ist auf den ersten Blick erkennbar.

Das auffälligste Merkmal der neuen Formel-1-Wagen war längst bekannt. Autos und Reifen sind in der Breite gewachsen. Daneben gibt es im technischen und sportlichen Bereich weitere Neuerungen, die weit weniger Diskussionsstoff generiert haben. Auch weil sie Autos schneller und aggressiver gemacht haben.

Der Vergleich: Hamilton 2016 in Barcelona, Raikönnen 2017 in Barcelona

Die neuen Gefährte sind pro Runde bis zu fünf Sekunden schneller und physisch herausfordernder. «Wahrscheinlich werden wir in den nächsten Monaten Änderungen beim Nackenumfang der Fahrer sehen», prognostiziert Lewis Hamilton.

1. Breite I

Die Autos legten an Breite zu, von 180 auf 200 Zentimeter. Auch der Frontflügel (180 statt 165 Zentimeter) und der Heckflügel (95 statt 75 Zentimeter) wurden breiter.

Chassis 2016 vs. Chassis 2017

Chassis 2016 vs. Chassis 2017

2. Breite II

Die Reifen kommen ebenfalls wuchtiger daher. Die Breite der Frontreifen wuchs von 245 auf 305 Millimeter an, jene der Hinterreifen von 325 auf 405 Millimeter.

Die Reifen

Die Reifen

3. Gewicht

Die breiteren Reifen sind schwerer als ihre Vorgänger. Das zugelassene Mindestgewicht eines Formel-1-Autos wurde deshalb um 20 auf 722 Kilogramm erhöht.

Das Gewicht

Das Gewicht

4. Sprit

Bedingt durch ihr erhöhtes Gewicht dürften die Autos mehr Benzin verbrauchen. Die in einem Grand Prix erlaubte Menge wurde um 5 auf 105 Kilogramm erhöht.

Mehr Sprit: von 100 auf 105 kg

Mehr Sprit: von 100 auf 105 kg

5. Antriebsstrang I

Pro Fahrer sind in der neuen Saison nur noch vier Antriebseinheiten erlaubt, eine weniger als in der letzten Saison. Das Überschreiten des Kontingents zieht Strafen in Form von Rückversetzungen in der Startaufstellung nach sich.

So sieht ein Formel-1-Motor aus

So sieht ein Formel-1-Motor aus

6. Antriebsstrang II

Der mehrfache Austausch des Antriebsstrangs beziehungsweise Teilen davon wird strikter geahndet. Der im bisherigen Reglement unklar definierte Passus, nach dem ein mehrmaliger Wechsel lediglich eine Rückversetzung in der Startkolonne nach sich zog, wurde überarbeitet. Nach den neuen Bestimmungen darf bei den folgenden Grands Prix einzig die letzte getauschte Einheit straffrei verwendet werden.

7. Reifen

Bei der Einführung der neuen Reifen überlässt Ausrüster Pirelli nichts dem Zufall. Die auf die letzte Saison hin eingeführte Regelung, nach der die Teams die Anzahl der an einem Rennwochenende zum Einsatz gelangenden Reifenmischungen selber wählen dürfen, wird vorerst ausser Kraft gesetzt. Für die ersten fünf Grands Prix schreibt Pirelli die Reifenkontingente vor.

Bei der Reifenwahl sind die Teams nicht mehr so frei.

Bei der Reifenwahl sind die Teams nicht mehr so frei.

8. Token

Die Entwicklung der Sechszylinder-Motoren mit 1.6 Liter Hubraum ist nicht mehr eingeschränkt. Das so genannte Token-System, nach dem für die Entwicklungsschritte eine gewisse Anzahl Punkte zur Verfügung standen, wurde abgeschafft. Die Hersteller Mercedes, Ferrari, Renault und Honda haben bei der Entwicklung der Aggregate freie Hand.

9. Stehende Starts

Nach Safety-Car-Phasen wird nicht mehr fliegend gestartet, sondern wie zu Beginn des Rennens stehend. Das gilt für Grands Prix auf nasser und auf trockener Strecke.

Fliegende Starts hinter dem Safety Car gehören der Vergangenheit an.

Fliegende Starts hinter dem Safety Car gehören der Vergangenheit an.

10. Nach Rekordjahr wieder 20 GPs

Nach der Rekordsaison mit 21 Rennen umfasst der aktuelle Formel-1-Kalender wieder 20 Stationen. Der Grand Prix von Deutschland entfällt.

7 von 20 Rennen finden in Europa statt.

7 von 20 Rennen finden in Europa statt.

Zwischen 2008 und 2014 fand der Grosse Preis von Deutschland alternierend in Hockenheim und Nürburg statt. 2015 mussten die Organisatoren auf dem Nürburgring ein erstes Mal aus finanziellen Gründen kapitulieren. Die Geldknappheit rund um die Traditionsstrecke in der Eifel führte zum Verzicht auf die Austragung in diesem Jahr. Weil auch die Betreiber des Hockenheimrings mit (dem damaligen) Promoter Bernie Ecclestone keine Einigung erzielten, war die Absage des Grand Prix von Deutschland die logische Folge.

Mit Ausnahme von Hockenheim sind die Austragungsorte die gleichen geblieben wie im Vorjahr. Eine Änderung gab es trotzdem. Das Rennen in Baku, wo die Formel 1 im vergangenen Juni zum ersten Mal Station gemacht hat, wird nicht mehr als Grand Prix von Europa, sondern als Grosser Preis von Aserbaidschan ausgetragen. (pre/sda)

Die Fahrer, die Teams: Die Formel-1-Saison 2017