Formel 1
Nach Reglement-Revolution: Wie gut startet das Team Sauber in neue Saison?

Neuverpflichtung Adrian Sutil und sein Teamkollege Esteban Gutierrez starten am Sonntag in Melbourne in die neue Saison. Die «Revolution im Reglement» stellt die Teams vor ganz neue Herausforderungen. Die Hackordnung dürfte neu ausgefochten werden.

David Bernold, Melbourne
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Der Deutsche Adrian Sutil hat mit seinem neuen Rennstall Sauber für die neue Saison ambitionierte Ziele (Archivbild).

Der Deutsche Adrian Sutil hat mit seinem neuen Rennstall Sauber für die neue Saison ambitionierte Ziele (Archivbild).

Keystone

Prognosen fallen schwer. Die Rolle des Teams Sauber ist kurz vor dem Auftakt der Formel-1-Saison am Sonntag in Australien kaum zu eruieren. «Es gibt noch zu viele Unbekannte. Auszumachen sind nur Tendenzen. Ich rechne mit massiven Verschiebungen in den ersten drei, vier Grands Prix», erklärt Teamchefin Monisha Kaltenborn.

Wie die Techniker aller Teams sahen sich auch die Sauber-Leute nach der «Revolution im Reglement» beim Bau des neuen Rennwagens (C33) mit einer ganz speziellen Herausforderung konfrontiert. «Am schwierigsten war die Integration des neuen Antriebs», blickt Chef-Designer Eric Gandelin zurück.

Neu kommen 1,6-Liter-Turbomotoren zum Einsatz - bisher waren es 2,4-Liter-V8. «Der Motor ist im Vergleich zu den Vorjahren ganz anders, die Anforderungen an die Kühlung sind es ebenso. Ein Faktor ist das erhöhte Gewicht. Der neue Antrieb ist zusammen mit den anderen Aggregaten recht schwer.» Es war für alle Teams ein Schuss ins Blaue. Ob das Ziel getroffen wurde, wird sich in den ersten Rennen zeigen.

Das im Zürcher Oberland gebaute Auto hat die Vorsaison-Tests in Jerez de la Frontera und Sakhir in Bezug auf die Zuverlässigkeit mehrheitlich bestanden. In Sakhir legten Adrian Sutil und Esteban Gutierrez am letzten Tag ohne signifikante Probleme insgesamt 177 Runden beziehungsweise über 950 Kilometer zurück, was etwas mehr als drei Grand-Prix-Distanzen entspricht.

Es war ein zuversichtlich stimmender Abschluss, zumal die Standfestigkeit der Autos im Hinblick auf die erste Phase der neuen Saison zum zentralen Erfolgsfaktor erhoben worden ist. Noch nicht über den gewünschten Stand verfügt der C33 betreffend Höchstgeschwindigkeit. Auf Geraden ist das Manko in Spanien und in Bahrain schonungslos zutage getreten.

Der Pianist im Cockpit

Der im Tausch mit Landsmann Nico Hülkenberg vom Team Force India gekommene Adrian Sutil strebt ungeachtet aller Eventualitäten nach Höherem. Der in Oensingen im Kanton Solothurn wohnende Deutsche versucht nach sechs Jahren in der Königsklasse, den nächsten Schritt vorwärts zu tun. «Ich habe den Wechsel zu Sauber gebraucht, um mich nach so langer Zeit im gleichen Team weiterzuentwickeln.»

Sutils erster Kontakt mit der Formel 1 geht auf das Jahr 2006 zurück, als Testfahrer des Teams Midland, der Vorgänger-Equipe von Spyker, das seinerseits 2008 als Force India in den Besitz eines Konsortiums um den Inder Vijay Mallya überging. Sein Debüt gab Sutil vor sieben Jahren im Grand Prix von Australien. Die Erfahrung soll, so hoffen der 31-jährige Sutil und das Team, angesichts der grossen technischen Veränderungen zum Vorteil gereichen. Der Deutsche fühlt sich in der Equipe aus Hinwil rundum wohl. «Grundsätzlich gibt es keine Probleme. Für mich ist wichtig, dass wir unsere Ziele erreichen», sagt Sutil.

Der Deutsche hätte statt Rennfahrer auch Musiker werden können. Sutil ist ein begnadeter Pianist. Das Talent will er indessen auch nach dem Ende seiner Karriere im Motorsport nicht weiter fördern. «Das Klavierspielen wird auch in Zukunft eher ein Hobby sein. Für die Zukunft habe ich andere Pläne.»

Wichtiges Sponsoren-Geld

Erst seine zweite Saison in der Formel 1 nimmt Gutierrez in Angriff. Der Mexikaner vermochte als Rookie im vergangenen Jahr nach schwachen ersten Monaten seine Performance etwas zu steigern. Für den 22-Jährigen ist der Lernprozess abgeschlossen. Ab sofort werden seine Leistungen bei Sauber mit anderen Ellen gemessen. Die Fortsetzung der Zusammenarbeit mit Gutierrez hat für das Team einen angenehmen und wertvollen Nebeneffekt.

Mit dem mexikanischen Telekommunikations-Unternehmen Telmex wurde der Vertrag als Premium Partner verlängert, was Sauber ein Sponsoring von mehreren Millionen Franken einbringen dürfte. Zudem hat die Equipe mit Pacific Ventures aus Dubai und dem Modehaus McGregor zwei neue Premium Partner an ihrer Seite.

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