Formel 1
Michael Schumacher: «Schlechter kann es ja kaum werden»

Dem Rekordweltmeister Michael Schumacher droht ein unwürdiges Karriere-Ende. In den letzten drei Rennen blieb Mercedes ohne Punkt. Der siebenmalige Weltmeister dümpelt auf den hinteren Rängen.

Holger Schmidt
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Viel zu lachen hatte Michael Schumacher in seiner letzten Saison auch in Indien nicht.

Viel zu lachen hatte Michael Schumacher in seiner letzten Saison auch in Indien nicht.

Keystone

Der letzte grosse Rivale aus der ersten Karriere hält weiterhin grosse Stücke auf Michael Schumacher. «Im Sauber hätte Michael in diesem Jahr sicher drei Rennen gewonnen», sagt Fernando Alonso. Und bringt es damit auf den Punkt: Der Silberpfeil ist in der Formel 1 momentan nicht nur kein Siegauto, er ist aktuell nicht einmal wirklich konkurrenzfähig. Und verwehrt dem Rekordweltmeister so die Chance auf einen würdigen Abschied aus der Königsklasse. Ob es in den letzten drei Rennen des Jahres noch besser wird? Schumacher zuckt mit den Schultern, atmet kurz durch, dann sagt der 43-Jährige: «Schlechter kann es ja kaum werden.»

«In diesem Jahr noch ein Rennen zu gewinnen, wird nicht mehr möglich sein», sagt auch Nico Rosberg, der mit seinem Sieg im April in Schanghai noch so grosse Hoffnungen auf silberne Zeiten geschürt hatte: «Deshalb geht es für uns darum, möglichst viel zu lernen und mit gutem Schwung in den Winter zu gehen, um nächstes Jahr voll durchzustarten.»

«Nicht sentimental»

Schumacher müssen diese Worte schmerzen, denn im nächsten Jahr ist der Rekordweltmeister nicht mehr bei Mercedes, nicht einmal mehr in der Formel 1. Bessere Ergebnisse als in den letzten drei Rennen, als die Silberpfeile komplett ohne Punkt blieben, wären «natürlich schön», sagt der siebenmalige Weltmeister: «Aber damit rechne ich nicht. Von daher werde ich in dieser Hinsicht nicht sentimental.»

Zuversichtlicher Michael Schumacher bei seiner Rückkehr in die Formel 1 im Jahr 2010. Zuversichtlicher Michael Schumacher
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Zuversichtlicher Michael Schumacher bei seiner Rückkehr in die Formel 1 im Jahr 2010. Zuversichtlicher Michael Schumacher

Keystone

Sportlich droht dem siebenmaligen Weltmeister ein seiner grossen Karriere unwürdiger Abschied. Abgeschlagen und chancenlos, teilweise im direkten Zweikampf mit den Hinterbänklern. Wird ihm die Schuldfrage gestellt, gerät er in eine Zwickmühle. Wie seine Leistungen erklären, ohne unglaubwürdig zu werden? Und wie auf die Ehre rettenden Schwächen des Autos hinweisen, ohne als unsolidarisch zu gelten? Schumacher versucht den Spagat. Aus dem Auto habe er das Mögliche herausgeholt, sagt er sinngemäss, «aber an dem, was wir entwickeln, bin ich auch beteiligt, und da haben wir zusammen nicht mehr erreicht».

Kein grosser Sprung an die Spitze

Die Saison müssen der erfolgreichste Fahrer der Geschichte und sein Team nun irgendwie mit Würde zu Ende bringen. «Es ist selbstverständlich für mich, weiter so im Team zu arbeiten, als wäre ich nächstes Jahr noch da», beteuert Schumacher: «Und das Team ist natürlich auch an meiner Meinung und Erfahrung interessiert.»

Teamchef Ross Brawn bestätigt dies. Und das schlechte Gewissen, Schumacher bei all dessen Fehlern in dieser Saison kein konkurrenzfähiges Auto gegeben zu haben, ist fast greifbar. «Ich hoffe, dass die Leute eines Tages, wenn wir unsere Ziele erreichen, daran denken, welchen Anteil Michael trägt. Es ist nämlich ein sehr Grosser», sagt der 57-Jährige, der mit Schumacher zusammen sieben WM-Titel gewann: «Egal, wohin für uns die Reise von hier geht, Michael wird immer einen Teil dazu beigetragen haben.»

Im nächsten Jahr ist von Mercedes wohl noch nicht der grosse Sprung in die Spitze zu erwarten, viele Experten rechnen damit aber 2014 nach der Einführung des neuen Motorenreglements. Somit dürfte auch die erste Saison im Mercedes-Werksteam für Lewis Hamilton keine einfache werden. «Vielleicht haben wir schon im nächsten Jahr ein gutes Auto. Ehrlich gesagt, rechne ich eher damit, dass es eine Saison wird, in der wir viel lernen müssen», sagt der noch für McLaren fahrende Ex-Weltmeister.

Doch völlig egal, wann der Entwicklungssprung kommt: Für Schumacher wird es zu spät sein.