Formel 1
Ist das Ende der Vettel-Herrschaft in Sicht?

Bernie Ecclestone prophezeit für 2014 einen Machtwechsel in der Königsklasse. Neue Autos mit neuen Motoren und neuen Regeln sollen in der Formel 1 wieder für mehr Chancengleichheit sorgen.

Patrick Storzer
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Wird Sebastian Vettel im nächsten Jahr von den neuen Regularien ausgebremst?DIEGO AZUBEL/Keystone

Wird Sebastian Vettel im nächsten Jahr von den neuen Regularien ausgebremst?DIEGO AZUBEL/Keystone

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Formel-1-Zampano Bernie Ecclestone hat einen tiefen Blick in die Kristallkugel geworfen und prophezeit ein Ende der Herrschaft von Sebastian Vettel in der Königsklasse. «Seine
Dominanz wird zu Ende gehen, vielleicht schon 2014», sagte der «Nostradamus aus London» der «Bild-Zeitung». Die Argumente des 82-jährigen Briten, warum der seinem vierten WM-Titel in Serie entgegenstrebende Deutsche demnächst wieder zu schlagen sein soll, lesen sich allerdings ziemlich merkwürdig.

«Nächstes Jahr wird nicht unbedingt der beste Rennfahrer zum Champion, sondern das beste Auto holt den Titel», behauptet Ecclestone. Komisch nur, dass sich Vettel seit Beginn seiner Dominanz in der Formel 1 genau diesem Vorwurf ausgesetzt sieht. Viele Experten schätzen das fahrerische Potenzial seines spanischen Erzrivalen Fernando Alonso (Ferrari) oder von Ex-Weltmeister Lewis Hamilton (Mercedes) höher ein als das von Vettel. Der würde nur Rennen um Rennen gewinnen, weil der Red-Bull-Bolide von Genie Adrian Newey der Konkurrenz haushoch überlegen sei.

Ecclestone führt zu Recht an, dass im Jahr 2014 «völlig neue Autos, neue Motoren, neue Regeln» für erhebliche Veränderungen sorgen werden und dass dies «die Chance für die Konkurrenten Ferrari und Mercedes sei, zu Vettel aufzuschliessen». Doch weder wird Newey den Brausehersteller verlassen noch Renault einen schlechten Motor liefern. Red Bull wird auch in die neue Turbo-Ära mit einem siegfähigen Boliden gehen.

Überlegenes Red-Bull-Team

«Es wird einen kleinen Neustart geben, aber keinen totalen», widerspricht Lotus-Ingenieur Alan Permane Ecclestone. «Vettel hat jetzt einen Vorsprung von zwei Sekunden pro Runde, und einen Teil davon wird er auch ins nächste Jahr mitnehmen», sagte Permane dem Fachmagazin «Autosport». Red Bull sei besser darin, ein schnelles Auto zu bauen als die Konkurrenz.

Zudem hätte laut Permane Vettels Vorstellung in Singapur deutlich gemacht, dass der 26-Jährige nicht nur ein überragendes Arbeitsgerät, sondern auch ein überragendes Talent besitzt. «Mark Webber war trotz gleichem Auto nicht mal in der Nähe», spielte der Lotus-Mann auf Vettels australischen Teamkollegen an.

Vielleicht ist bei Bernie Ecclestones Prophezeiung also auch der Wunsch Vater des Gedankens. Denn selbst der Brite weiss: «Sebastian ist kein Entertainer, sondern Rennfahrer.» Weil aber Ecclestones Formel 1 längst nicht mehr die Schrauber-Veranstaltung der sechziger Jahre, sondern der grösste Wanderzirkus des Planeten ist, gehört ein bisschen Show zum Geschäft. Die aber leidet unter der Dominanz des Deutschen. Die Pfiffe gegen den dreimaligen Weltmeister sieht Ecclestone nicht als Zeichen der Abneigung gegenüber der Person Vettel. «Die Buhrufe gehen nicht gegen Sebastians Charakter. Der ist tadellos. Die Fans pfeifen wegen Vettels Übermacht. Er lässt den anderen Konkurrenten keine Chance.»

So sehnen nicht nur die buhenden Ferrari-Fans, sondern auch Vettels liebster Backgammon-Gegner Ecclestone das Ende der Vettel-Herrschaft herbei.

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