Ohne Glanz und ohne Gloria
In Katar hat für Tom Lüthi ein neues Zeitalter angefangen

Fortan werden wir WM-Punkte (bis Platz 15) wie Spitzenklassierungen zelebrieren müssen. Dominique Aegerter holt im ersten Rennen der Moto2-WM den 15. Rang – Lüthi fährt im MotoGP auf Platz 16.

Klaus Zaugg
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Tom Lüthi: «Nach den Tests hätte ich für einen 16. Platz sofort unterschrieben.»Key

Tom Lüthi: «Nach den Tests hätte ich für einen 16. Platz sofort unterschrieben.»Key

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Wenn wir den Töff-Auftakt – Tom Lüthi (16. Rang MotoGP) und Dominique Aegerter (15. Moto2) – einordnen wollen, müssen wir am Rad der Zeit drehen. Seit Lüthi im Juni 2003 in Barcelona zum ersten Mal aufs Podest kletterte, haben die Schweizer nur in zwei Saisons keine Podestplätze gefeiert (2004 und 2009). Der Saisonstart in Katar zeigt uns nun: fortan werden wir WM-Punkte (bis Platz 15) wie Spitzenklassierungen zelebrieren müssen.

Resultate ohne Glanz. Aber wenigstens bei Tom Lüthi mit Gloria. Er hat bei seinem Debüt in der Königsklasse den 16. Platz (unter 24 Konkurrenten) herausgefahren. Die Erleichterung stand dem 31-Jährigen ins Gesicht geschrieben. «Nach den ersten Tests im Winter hätte ich für einen 16. Platz im ersten Rennen sofort unterschrieben», sagte er.

Die Bremsen waren schuld

Aber es wurmt ihn halt schon, dass er den ersten WM-Punkt bloss um sechs Zehntelsekunden verpasst hat. Immerhin weiss er warum: «Ich konnte nicht dosiert bremsen.» Deshalb seien Überholmanöver auf der Bremse beinahe unmöglich gewesen. Es sei nicht ein technisches Problem gewesen, sondern bloss eine Frage der Abstimmung.

«Das werden wir lösen.» Mit einwandfreier Bremserei hätte er seinen ersten WM-Punkt geholt. Aber auch ohne Punkte ist es ein Debüt mit Gloria. Tom Lüthi hat gestern im Fahrerlager Ehre, Ruhm und Anerkennung bekommen. Aber eben: der Glanz fehlt.

Ein mickriger Punkt für Aegerter

Der beste Schweizer beim Saisonauftakt heisst Dominique Aegerter (15.). Aber es ist ein Resultat ohne Glanz und auch ohne Gloria. Der zweitschlechteste Saisonstart in der Moto2-WM. Das Rennen hat ihm definitiv bestätigt, was sich während allen Tests abgezeichnet hat: Nach acht Jahren in der Moto2-WM heisst es: Zurück auf Feld eins! Er hat diesen 15. Rang mühselig erkämpft, erlitten und erduldet.

Früher musste er sich für Podestplätze weniger anstrengen. Es gab keinen elektrisierenden Blitzstart mit dem schlagartigen Gewinn von sechs, sieben Plätzen wie früher so oft nach einem mässigen Training. Dabei müsste er mit seinem Talent und seiner Routine ein Titelanwärter sein. Aber er ist es bei weitem nicht.

Nachdem alles vorbei war, ist Dominique Aegerter gestern die Frage gestellt worden, ob er nun enttäuscht oder erfreut heimfliege. Er sagt: «Wir müssen optimistisch sein.» Kann man Optimismus müssen? Nein. Er weiss, dass er optimistisch sein muss, aber es im Herzen nicht ist. Auch für ihn gilt: 2018 werden wir seine WM-Punkte feiern und nicht Podestplätze.