Motorsport
Grosse Freude: Jeffrey Schmidt fährt mehrspurig ins Rampenlicht

Der Liestaler Jeffrey Schmidt schreibt mit seinem Sieg im Porsche Carrera Cup Geschichte – und kämpft dennoch um Anerkennung in der Schweiz. Denn die Beachtung des Carrera Cups ist in der Schweiz sehr tief.

Fabian Sanginés
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Von Jeffrey Schmidt (Mitte) ist im Moment des Sieges eine Menge Druck abgefallen

Von Jeffrey Schmidt (Mitte) ist im Moment des Sieges eine Menge Druck abgefallen

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Seine Augen leuchten, wenn Jeffrey Schmidt an den 2. August zurückdenkt. Der Tag nach dem Nationalfeiertag war ein historischer, nicht nur für den Liestaler, sondern für den gesamten Schweizer Motorsport. Erstmals seit 23 Jahren stand ein Eidgenosse im Porsche Carrera Cup zuoberst auf dem Treppchen.

Zusammen mit seinem 2. Platz beim Porsche Mobil 1 Supercup, ebenfalls auf dem Red Bull Ring errungen, ist Schmidt der erfolgreichste Schweizer Porsche-Fahrer in der Geschichte. «Das Gefühl, nachdem ich die Ziellinie überquerte, war unbeschreiblich», blickt der 21-Jährige zurück und schiebt nach: «Seit drei Jahren arbeite ich auf diesen Moment hin, da staut sich viel Druck an. Dieser Sieg war eine riesige Erleichterung.»

Gefeiert wurde nur kurz

Dennoch gab es mit dem Team nur eine kurze Feier, ab dem nächsten Tag galt der Fokus bereits wieder dem nächsten Rennen. Schliesslich hat der Zweitplatzierte der Fahrerwertung immer noch Chancen auf den Gesamtsieg, auch wenn er bei sechs ausbleibenden Rennen 55 Punkte hinter dem österreichischen Titelverteidiger Philipp Eng zurückliegt. «Es wird richtig schwierig, aber solange der Titel rechnerisch möglich ist, werde ich darum kämpfen», zeigt sich Schmidt ambitioniert.

Ziemlich ambitioniert ist auch der Terminkalender des schnellen Baselbieters, neben den beiden Porsche-Wettbewerben (Carrera Cup und Supercup) gibt er auch neben der Strecke ziemlich Gas. Charity-Events, Termine zu Sponsorenverhandlungen, Wirtschafts-Studium, tägliches Ausdauer- und Krafttraining sowie eine eigene Eventorganisations-Firma sorgen dafür, dass Schmidt nicht langweilig wird. «Da bleibt keine Zeit für andere Dummheiten», sagt er grinsend.

Das öffentliche Beachtung fehlt trotz Erfolg

Insbesondere die Sponsorensuche ist alles andere als ein Selbstläufer: «Leider war das Medienecho nicht mal nach meinem Sieg auf dem Red Bull Ring besonders gross. So fehlen einem bei einem Termin mit potenziellen Werbepartnern Argumente.» Dabei würde eine Fernsehübertragung der spektakulären Rennserie nichts kosten – zu Marketingzwecken bezahlt Porsche für alle Stationen die TV-Rechte und die Supercup-Rennen finden jeweils zwei Stunden vor den Formel-1-Rennen statt, welche vom Schweizer Fernsehen ohnehin live übertragen werden.

So bleibt Schmidt nichts anderes übrig, als durch weitere ausserordentliche Resultate auf sich aufmerksam zu machen. Und wer weiss, vielleicht gelingt dem sympathischen Rennfahrer mit dem Gesamtsieg im Carrera Cup doch noch die ganz grosse Sensation. Spätestens dann dürfte er sich in den Herzen der Schweizer Motorsportfans festgefahren haben.