Saison-Auftakt
«Griff ins Klo», «Mist», «Peinlich» – Das neue Qualifying-Format der Formel 1 ist ein Flop

Das neue Format fürs Qualifying in der Formel 1 hat sich als riesiger Flop erwiesen. Nach der Premiere beim Grand Prix von Australien hagelte es vernichtende Kritik. Die 50. Pole-Position von Lewis Hamilton rückte bei den vielen Reaktionen in den Hintergrund.

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Formel 1: Impressionen vom Qualifying-Tag in Melbourne
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Kimi Raikkönens Partnerin Minttu Virtanen

Formel 1: Impressionen vom Qualifying-Tag in Melbourne

Keystone

Für einmal herrschte in der Formel 1 Einigkeit: Der neue Modus zur Eruierung der Startaufstellung erlitt völligen Schiffbruch.

Sowohl die Teamverantwortlichen als auch die Fahrer waren einer Meinung: Das Format taugt nicht.

Viele gingen in ihrem Urteil sogar noch einen Schritt weiter. Das Prozedere gehöre sofort wieder abgeschafft, war im Fahrerlager von (fast) allen Seiten zu hören. Schon in zwei Wochen in Bahrain soll wieder die bisherige Regelung angewandt werden.

"Griff ins Klo"

Am deutlichsten taten ausgerechnet die Entscheidungsträger von Mercedes ihre Meinung kund. Niki Lauda, der Vorsitzende des Aufsichtsrates der Weltmeister-Equipe, sprach von einem "Griff ins Klo".

"So etwas habe ich überhaupt noch nie erlebt. Das war der grösste Fehler, der jemals gemacht wurde, das Qualifying zu ändern", polterte der Österreicher.

Teamchef Toto Wolff nannte das Ganze kurz und prägnant einen "Mist". Der Brite Johnny Herbert, als Fahrer einst bei Sauber engagiert, fand das Qualifying schlicht "peinlich".

Eine Attraktivitätssteigerung des Qualifyings hätte es werden sollen und ein intensivierter Fahrbetrieb auf der Strecke. Nichts trat von all dem ein.

Leidtragende waren auch die Zuschauer. Auf den Tribünen blieb ein ratloses, frustriertes Publikum zurück.

Der Ärger war verständlich, denn ohne Zeitmonitor war es schlicht nicht möglich, die Übersicht zu wahren.

Es war ganz schlechte Werbung für einen Sport, der seit geraumer Zeit mit schwindendem Zuschauerinteresse zu kämpfen hat.

Das Ende des Qualifyings war Sinnbild des der Formel 1 unwürdigen Theaters. Gemäss Reglement hätten die in der Rangliste auf den Plätzen 1 und 2 liegenden Fahrer in einem finalen Duell die Pole-Position unter sich ausmachen müssen.

So weit kam es nicht, denn weder der führende Hamilton noch dessen als Zweitklassierter geführte Teamkollege Nico Rosberg hatten noch einen frischen Satz Reifen übrig, der für eine Verbesserung der persönlichen Rundenzeit notwendig gewesen wäre. So war fast unbemerkt die Entscheidung zugunsten Hamiltons gefallen.

Bestätigte Überlegenheit

Hamilton und Rosberg sicherten ihrem Arbeitgeber das Monopol in der Frontreihe in überlegener Manier.

Der Engländer und der Deutsche zeigten bei erster Gelegenheit auf, dass sich an der Überlegenheit des Teams Mercedes noch nichts geändert hat.

Sebastian Vettel wies als Drittplatzierter einen Rückstand von über acht Zehnteln aufHamilton auf.

Bei Ferrari hatten sie erwartet, den technischen Rückstand auf den Primus reduziert zu haben. Zumindest über eine einzelne Runde erfüllte sich diese Hoffnung nicht.

Mit seiner 50. Pole-Position musste sich Hamilton lange gedulden. Im vergangenen September hatte er das zuvor letzte Mal eine Qualifikation dominiert.

An den folgenden sieben Grand-Prix-Wochenenden war er ausnahmslos gescheitert, die runde Zahl unter Dach und Fach zu bringen.

Marcus Ericsson und Felipe Nasr, die Fahrer des Teams Sauber, verschwanden schon nach der ersten Tranche des Qualifyings von der Bildfläche.

Der Schwede und der Brasilianer nahmen den Saisonauftakt von den Startplätzen 16 beziehungsweise 17 unter die Räder.