Die Globalisierung hat nur wenige Sportarten so von Grund auf verändert wie den GP-Zirkus der Motorradfahrer. Im Laufe der 1990er-Jahre begann die Globalisierung und Kommerzialisierung. Aus dem Einzel- ist ein Mannschaftssport geworden.

Nicht mehr einzelne Abenteurer, sondern hochprofessionelle Teams werden zu den Rennen zugelassen. Diese Teams rekrutieren die Piloten. Es ist nicht mehr möglich, auf eigene Faust Karriere zu machen wie noch in den 1980er-Jahren.

Pro Saison und Fahrer sind auch in der Moto2-WM mindestens 1,5 Millionen Franken erforderlich. Werbepartner finanzieren die Teams, und in den lateinischen Ländern sind es oft auch Steuersparmodelle, die Investoren anlocken.

Zahlen oder bezahlt werden

Reichten noch in den Zeiten von Jacques Cornu Ende der 1980er-Jahre Talent, Leidenschaft und Mut, so braucht ein Fahrer heute auch Manager, Finanzberater, Rechtsanwälte, Fitness- und Mentaltrainer.

Die Welt ist aufgeteilt in bezahlte Piloten und Piloten, die bezahlen: Die Besten werden von den Teams mit guten Salären und reichlicher Spesenentschädigung geködert, sie werden bezahlt. Weil sie Siege, Medienpräsenz und Werbegelder garantieren.

Zu ihnen gehört Tom Lüthi. Er verdient mit persönlichen Werbeverträgen und dem Salär über eine halbe Million. Die anderen müssen Geld (meistens von den Sponsoren) in die Teamkasse bringen und sich einen Platz im Team erkaufen und für die Spesen selbst aufkommen. Wie Dominique Aegerter seit der Saison 2018.

Dominique Aegerter verdiente mehr als Tom Lüthi

2019 treten drei Schweizer in der Moto2-WM an: Tom Lüthi (32), Dominique Aegerter (27) und Jesko Raffin (22), Ersatzpilot in Lüthis Team und für den ersten GP in Katar an das holländische NTS-Team ausgeliehen. Alle drei verdanken ihre Karrieren ihren Managern und Förderern.

Tom Lüthi wird seit Jahr und Tag von Daniel M. Epp betreut. Der Baselbieter hat mit dem Auto-Ersatzteilhandel in Osteuropa ein Vermögen gemacht, seine Firma verkauft und lebt heute wechselweise in Prag und Liechtenstein.

Dominique Aegerter wurde jahrelang vom Westschweizer Unternehmer Olivier Métraux gefördert und vom Zürcher Rechtsanwalt Robert Siegrist so geschickt gemanagt, dass er zwischen 2013 und 2016 über eine halbe Million verdiente. Und somit mehr als Tom Lüthi.

Die Trennung von Olivier Métraux im Herbst 2016 hat sich fatal ausgewirkt und zu einem Karriere-Knick geführt. Inzwischen hat sich Aegerter für die Saison 2019 für etwas mehr als 400 000 Franken im italienischen MV-Agusta-Team eingekauft. Die erste Rate ist bezahlt, aber es ist gut möglich, dass er vor dem Saisonende aussteigt.

Die Maschine ist nicht konkurrenzfähig, in den Vorsaisontests kam der Rohrbacher nie unter die ersten 20. Ihm droht das vorzeitige Ende seiner GP-Karriere und wie Randy Krummenacher ein Wechsel in die Superbike-Szene. Dort ist, abseits der grossen Sportbühne, immerhin ein wenig Geld zu verdienen.

Förderer sind gesucht

Jesko Raffins Karriere wird vom Zürcher Marco Rodrigo gemanagt. Er hat es geschafft, seinen Schützling wenigstens als Ersatzfahrer und Piloten in der 2019 erstmals ausgetragenen E-Serie (Rennen mit elektrischen Töffs) im Zirkus zu halten. Aber der nächste Tom Lüthi wird er nicht.

Gibt es also eine «Töffschweiz» nach Tom Lüthi und Dominique Aegerter? Mit Jason Dupasquier (17) steigt 2019 ein hochtalentierter Schweizer in die GP-Nachwuchsklasse «Red Bull Rookies Cup» ein. Besonderes Merkmal: Sein Förderer und Manager ist Daniel M. Epp, der Mentor von Tom Lüthi.

Geld allein ist also nicht mehr der zentrale Faktor. Die alles entscheidende Zukunftsfrage ist, ob wir nach wie vor Förderer wie Epp finden, die den Jungen auf dem Weg nach oben mit Rat, Beziehungen und notfalls hin und wieder mit etwas «Münz» helfen.

Auch die Fortsetzung der Karriere von Dominique Aegerter – er hätte eigentlich noch mindestens fünf gute Jahre vor sich – wird davon abhängen, ob sein neues Managements in den Schuhen seines langjährigen Betreuers Robert Siegrist stehen kann, der seine Zusammenarbeit im vergangenen Sommer beendet hat.