Grosse Sorgen
Finanzielle Sackgasse: Das Formel-1-Rennen auf dem Hockenheim-Ring könnte für lange Zeit das letzte sein

Das Rennen am Sonntag auf dem Hockenheimring könnte für lange Zeit der letzte Grand Prix von Deutschland gewesen sein. Die Veranstalter sind nicht gewillt, auf die horrenden Forderungen der neuen Formel-1-Besitzer einzugehen.

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Wie lange gibt es das Spektakel auf dem Hockenheimring noch?

Wie lange gibt es das Spektakel auf dem Hockenheimring noch?

KEYSTONE/AP/LUCA BRUNO

Ab 2019 kostet die Übernahme eines Grand Prix mindestens 25 Millionen Dollar. "Dieses Risiko können wir nicht eingehen", sagt Georg Seiler, der seit 1991 als Geschäftsführer die Geschicke der Hockenheimer Rennstrecke leitet. Bisher zahlten die deutschen Veranstalter "nur" 15 Millionen.

Andere zahlen noch mehr

Zum Vergleich: Andere Länder müssen viel mehr berappen, um die Formel 1 zu Gast zu haben. So wird geschätzt, dass Aserbaidschan 70 Millionen Dollar für das Rennen in Baku zahlt, Australien (Melbourne), Russland (Sotschi) und Abu Dhabi je 50 Millionen.

Und Amerika ist ebenfalls bereit, in Zukunft viel Geld für ein mögliches Rennen in Miami auszugeben. Show und Glamour wären garantiert, noch regt sich aber grosser Widerstand in der Bevölkerung.

Deutschland kam mit dem bisherigen Betrag noch gut weg. Doch bereits diese Summe hatte in der Vergangenheit nicht nur für rote Köpfe gesorgt, sondern auch für rote Zahlen. Als Einnahmequelle bleibt den Veranstaltern nämlich nur der Erlös aus dem Verkauf der Tickets.

Im kommenden Jahr wird die Formel 1 wohl nicht auf dem Hockenheimring Halt machen

Im kommenden Jahr wird die Formel 1 wohl nicht auf dem Hockenheimring Halt machen

KEYSTONE/EPA DPA/JAN WOITAS

Vor zwei Jahren, als letztmals ein GP Deutschland in Hockenheim stattfand, kamen am Renntag 56'000 Zuschauer. Dieses Jahr werden - auch dank der Verstappen-Mania mit Tausenden von Niederländern - 70'000 erwartet.

Durchschnittlich kostet ein Ticket 200 Euro, was Einnahmen von 14 Millionen Euro bedeuten würde. Damit müssen allerdings sämtliche Kosten für die Feuerwehr, die Rettungs-Helikopter und für das ganze Personal beglichen werden. Übrige Einnahmen wie Bandenwerbung, TV-Rechte, Paddock-Klub und Merchandising fliessen allesamt in die Kassen des Formel One Managements.

Keine Unterstüzung von Automobilherstellern

Auf öffentliche Unterstützung oder eine finanziellen Beteiligung der grossen nationalen Automobil-Hersteller wie VW, BMW, Porsche, Audi, oder Mercedes können aber weder Hockenheim noch der Nürburgring zählen, wo alternierend der GP Deutschland stattfand.

Andere Länder bekommen zum Teil Defizitgarantien vom Staat oder beantragen Subventionen. Manchmal auch mit Tricks: So wurde eine Streckensanierung auch schon als "Ausbau des Wander- und Radwegnetzes im touristischen Umfeld" deklariert.

Hype aus Schumacher-Zeiten ist vorbei

Das Interesse in Deutschland an der Formel 1 hat seit den Zeiten von Michael Schumacher deutlich abgenommen, trotz zwölf WM-Titeln in den letzten 24 Jahren (Schumacher 7, Sebastian Vettel 4, Nico Rosberg 1).

Aktuell gibt es neben Vettel mit Nico Hülkenberg nur noch einen weiteren deutschen Formel-1-Fahrer - und damit so wenige wie seit 1996 nicht mehr. 2010 waren noch sieben Deutsche dabei: Schumacher, Vettel, Rosberg, Hülkenberg, Nick Heidfeld, Timo Glock und Adrian Sutil.

25. Juli 2004: Michael Schumacher gewinnt im Ferrari das Rennen auf dem Hockenheimring

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Archiv/Keystone

Keine Nachwuchs-Talente in Sicht

Grosse Nachwuchs-Talente sind kaum in Sicht. Pascal Wehrlein dürfte es schwer haben, in die Königsklasse zurückzukehren. Dann wären noch Mick und David Schumacher, die Söhne von Michael und Ralf Schumacher, oder Maximilian Günther. Sie sind erfolgreich in unteren Rennserien engagiert, haben aber noch zu wenig Punkte für die Superlizenz.

Keine rosigen Aussichten, um aus der finanziellen Sackgasse zu kommen. Georg Seiler gibt die Hoffnung jedenfalls noch nicht auf: "Die Gespräche werden fortgesetzt. Ich glaube, so langsam verstehen die Herren, warum wir es in Deutschland so schwer haben, und kommen uns hoffentlich entgegen."