Formel 1
Ein Weltmeister im Gegenwind: Lewis Hamilton will zurück in die Erfolgsspur

Lewis Hamilton will in der Formel 1 zurück in die Erfolgsspur. Die erstarkte Konkurrenz beflügelt den Weltmeister.

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Lewis Hamilton

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Keystone

Der Schwenk in die Meteorologie drängt sich auf. Es wäre zwar übertrieben zu behaupten, Lewis Hamilton stehe nach den ersten drei Grands Prix des Jahres im Regen. Schwarze Wolken sind nach den Plätzen 2, 3, 4 und bei einem Rückstand von lediglich neun Punkten auf den in der WM-Wertung führenden Sebastian Vettel noch keine in Sicht.

Gedreht hat der Wind in der Formel 1 aber auf jeden Fall. Die krasse Dominanz des Teams Mercedes und mit ihr die Monotonie an den Rennstrecken dürften nach aktuellem Stand ein Ende haben.

Lewis Hamilton

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Das wahre Rennfahren

Eigentlich mag Hamilton den Konkurrenzkampf. Er liebt es, sich mit Gegnern auf Augenhöhe zu messen. "Das ist das wahre Rennfahren. Darum geht es in unserem Sport." Herausforderung ist für ihn Antrieb. Er brauche diese Challenge, um sich weiterzuentwickeln, besser zu werden - so viel besser, um am Schluss trotz allem als Sieger dazustehen.

Als Sieger ist Hamilton in dieser Saison noch nicht dagestanden. Zu viel ist an den Wochenenden in Melbourne, Sakhir und Schanghai in der Weltmeister-Equipe schief gelaufen. Zu wenig ist übrig geblieben von der Überlegenheit der vergangenen Jahre. Die Ausgewogenheit an der Spitze der Formel 1 verzeiht keine Fehler und Missverständnisse.

Obwohl er saisonübergreifend seit sechs Rennen sieglos ist, mag Hamilton nicht jammern. Kritische Voten sind von ihm nicht zu hören. "Wir sind ein Team. Wir gewinnen und verlieren gemeinsam."

Weil er zur Zeit mehr verliert als gewinnt, fordert er entsprechend. "Wir müssen unsere Crew auf Trab halten. In der Fabrik und an der Rennstrecke müssen wir Druck machen. Nur so ist stete Steigerung möglich. Nur so können wir mit unseren Gegnern Schritt halten."

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Die spannenden Erfahrungen

Die Gegenwart sieht Hamilton als Lernprozess. Für ihn ist es eine Phase mit spannenden Erfahrungen. Er fühlt sich mehr denn je (heraus-)gefordert. "Das Auto, die Reifen, unsere Gegner - all das beschäftigt mich." Hamilton sieht sich und Mercedes an einem Punkt, den er so erwartet hat. Der Zusammenschluss der Spitzenteams kommt für ihn nicht überraschend.

Ihm sei schon bei den Testfahrten vor Beginn der Saison klar geworden, dass es auf dem Weg zum neuerlichen Titel keinen Alleingang geben werde. "Unsere Gegner haben zugelegt. Wir haben uns ebenfalls verbessert, aber den anderen sind grössere Schritte gelungen."

Steigerungspotenzial haben sie bei Mercedes vorab bei den Reifen geortet. Der Spielraum, in dem die Walzen optimal funktionieren, ist beim silbernen Auto kleiner als beim Ferrari oder beim Red Bull. Reifen sind in der Formel 1 nicht "einfach nur Gummi", sondern ein hochkomplexer, sensibler Faktor, dessen Handhabung von den stetig wechselnden äusseren Bedingungen beeinflusst wird.

Verändert sich die Asphalt-Temperatur nur um wenige Grade, wirkt sich das auf das Grip-Niveau und die Abbau-Rate der Pneus aus. Dass Vorder- und Hinterreifen auf die Streckenverhältnisse unterschiedlich reagieren, erschwert die Arbeit der Techniker zusätzlich.

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Der gewaltige Widerstand

Hamilton stellt sich dem Kampf. Er akzeptiert die aktuelle, für ihn neue Situation. "Die starke Performance der Fahrer von Ferrari und Red Bull stachelt uns an." Er sei einer, der an Widerständen wachse.

"Und in dieser Saison haben wir gewaltig Widerstand. Ferrari ist besser denn je, Red Bull hat zu alter Stärke zurückgefunden." Er sagt es gelassen. Die Gewissheit, dass der Wind in der Formel 1 sehr schnell drehen kann, beruhigt.