Automobil
Der Aargauer Fabio Leimer sitzt heute im Sauber-Cockpit

Der junge Aargauer Fabio Leimer darf heute Dienstag bei den Young Driver Tests in Abu Dhabi den Sauber C30 testen. Für den Jung-Rennfaher aus Rothrist geht damit ein Traum in Erfüllung.

Marco Oswald, Abu Dhabi
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Peter Sauber gratuliert Fabio Leimer am letzten Samstag nach seinem GP-2-Sieg

Peter Sauber gratuliert Fabio Leimer am letzten Samstag nach seinem GP-2-Sieg

Drei Tage nach seinem GP-2-Sieg und 48 Stunden nach der Formel-1-Zielflagge beim Wüstenrennen von Abu Dhabi darf ab heute auf dem Yas Marina Circuit 40 Kilometer ausserhalb von Abu Dhabi der Formel-1-Nachwuchs ran: Bei den Young Driver Tests können sich drei Tage lang die Talente von morgen beweisen. Vor Jahresfrist gab Peter Sauber dem Mexikaner Sergio Pérez hier eine Chance: Der damalige GP-2-Pilot packte das Ding – vier Wochen später hatte er einen Formel-1-Vertrag im Sack. Und Boss Peter Sauber sicherte sich wichtige Millionen. Überwiesen vom reichsten Mann der Welt: Carlos Slim Helu. Denn mit Rookie Pérez stieg auch gleich noch der mexikanische Telekommunikations-Riese Telmex bei den Hinwilern ein – als potenter Sponsor.

Ein Jahr später gibt Teamchef Peter Sauber einem Schweizer die Chance: Fabio Leimer (22) aus Rothrist AG. Nachdem Leimer am Samstag hier im Milliarden-Scheichtum Abu Dhabi, wo Geld keine Rolle spielt, sensationell von der Poleposition aus das GP-2-Rennen vor Luiz Razia und Jolyon Palmer gewonnen hat, lief es am Sonntag im zweiten Rennen weniger gut – Leimer kam nur als Zehnter ins Ziel. Der Schweizer lag zwischendurch zwar auf Platz fünf, fiel aber nach einer Kollision kurz vor Schluss noch weit zurück. Sauber Test- und Ersatzfahrer Esteban Guttièrrez erreichte das Ziel nach einer tollen Aufholjagd als Fünfter.

200000 Franken für einen Tag

Heute steigt Fabio Leimer erstmals in ein Formel-1-Cockpit. Den Sauber-Testtag muss er selber berappen. Kostenpunkt: Gegen 200000 Franken. Morgen Mittwoch und am Donnerstag steht dann bei den Zürcher Oberländern Esteban Guttièrez im Einsatz. Für den heutigen Young Driver Test ist Leimer topmotiviert. Klar, dass er in Abu Dhabi seine grosse und vielleicht einmalige Chance packen will, um sich bei Sauber zu empfehlen. Er will nicht nur sein Talent in einem 780-PS-Rennwagen aufblitzen lassen – Leimer will dem Team auch wichtige Informationen liefern können. Boss Sauber indes steht heute nicht mehr an den Boxen – er ist schon nach Zürich zurück geflogen. «Wir freuen uns, Fabio diesen Test ermöglichen zu können», sagt Monisha Kaltenborn, CEO des Sauber-F1-Teams. «Die Gelegenheiten für junge Piloten sind heutzutage ex-
trem limitiert, und es ist immer spannend zu sehen, wie sie mit der ganzen Komplexität eines Formel-1-Tests umgehen.»

Fabio Leimer steigt heute Morgen ins Cockpit. Und freut sich wie ein Maikäfer: «Als ich in Monza im vergangenen September erfahren habe, dass ich in Abu Dhabi für Sauber testen kann, ist mir erstmals bewusst geworden, was das bedeutet. Als Rennfahrer träumt man natürlich immer von der Formel 1. Dass dies jetzt wahr wird, ist unglaublich. Dazu kommt, dass für das Sauber-F1-
Team bisher noch nicht viele Schweizer Rennfahrer testen durften. Aus diesem Grund ist es für mich zusätzlich eine grosse Ehre, als Schweizer in einem Schweizer Team meine ersten Formel-1-Kilometer zu absolvieren. Ich freue mich auf diese Herausforderung.»

Leimer kennt schon einige Formeln

Sporthandelsschüler Leimer startete im Jahr 2000 im Kart – und fuhr sechs Jahre in verschiedenen Serien. 2006 wechselte er in die deutsche Formel BMW. Beim Formel-BMW-Weltfinal wurde er 19. Ein Jahr später kam Leimer zum Schweizer Jenzer Motorsport Team und ging sowohl im Formel-Renault-2.0-Eurocup als auch in der italienischen Formel Renault an den Start. Für Siege reichte es in beiden Klassen nicht. 2008 gab dann der Aargauer in der internationalen Formel Master mehr Gas: Er schaffte mit Jenzer Motorsport drei Siege und wurde am Ende Vizemeister.

2009 bestritt Sport- und Computerfan Leimer seine zweite Saison in der internationalen Formel Master. Mit sieben Siegen in 16 Rennen holte er den Titel. Noch nie schaffte ein Pilot so viele Siege in einer IFM-Saison. Der Lohn: Ein GP-2-Testtag mit dem DAMS-Team.

Nach dem Titelgewinn wurde Leimer von Ocean Racing Technology für die GP-2-Asia-Serie-Saison 2009/2010 verpflichtet. Die Saison aber verlief frustrierend – Leimer wurde nur 31. im Schlussklassement. 2010 startete er in der europäischen GP-2-Serie. Beim zweiten Rennen auf dem Circuit de Catalunya feierte Leimer seinen ersten GP-2-Sieg. Dann ging nichts mehr – nur Schlussrang 19. Nachdem er bei den GP-2-Testfahrten für Rapax, dem Meisterteam der Saison 2010, mehrere Bestzeiten erzielt hatte, wurde Leimer für die GP-2-Asia-Serie und die GP-2-Serie von Rapax unter Vertrag genommen. In der GP-2-Asia-Serie erzielte er einen zweiten Platz als bestes Ergebnis und schloss die Saison auf dem fünften Gesamtrang ab. In der GP-2-Serie erzielte Leimer nur an zwei Rennwochenenden Punkte. Dabei gewann er wie in der Vorsaison das Sprintrennen in Barcelona. Beim Saisonfinal in Monza wurde er Zweiter. Die Saison beendete er auf Platz 14.