Kurz nachdem die Fussballgrösse Dejan Savicevic (AC Milan, Roter Stern Belgrad) 2004 zum Präsidenten des montenegrinischen Fussballverbands gewählt wurde, äusserte er sich wie folgt: «Ich weiss nun, dass jedes zweite Spiel bei uns manipuliert ist. Es wird meine Aufgabe sein, dies zu unterbinden.»

Nicht lange, und er nahm diese Aussage wieder zurück. Seine Familie sei ihm wichtiger als Fussball, begründete er seinen Schritt - Präsident ist er geblieben.

Schwarzes Loch für Millionen-Investitionen

Der kleine EU-Beitrittskandidat Montenegro (ca. 625‘000 Einwohner) ist mit seinen Gebirgen, vielen Seen und dem langen Küstenstreifen ein kleines Paradies für Touristen.

Ein grosses Paradies ist Montenegro auch für allerlei schummrige Geschäfte.

In den 90er-Jahren war Montenegro berüchtigt als Drehscheibe des internationalen Zigarettenschmuggels. Nach der Aufhebung des UN-Embargos gegen den damaligen Staat Jugoslawien 1995 änderte die Lage Montenegros. Dem Zigarettenschmuggel folgten Drogenschmuggel und Geldwäsche.

Der Immobilienmarkt blühte an der Küste - die Investoren waren in der Mehrheit Russen, niemand weiss heute, wo das Geld aus den damaligen Geschäften geblieben ist.

Kleinstaat im Griff der Familie

Einer machte auf jeden Fall den grossen Reibach: Milo Dukanovic, seit 1991 fast ununterbrochen Ministerpräsident des damaligen jugoslawischen Bundesstaates Montenegro.

Nach der Unabhängigkeit von Serbien 2006 wurde er nach gefälschten Wahlen als Oberhaupt wiedergewählt. Einer seiner besten Freunde ist Silvio Berlusconi, der kam noch im März 2009 extra zu einem Wahlkampf nach Montenegro.

Ende 2010 trat er nach sanftem Druck westeuropäischer Staaten zurück. Weg von der Macht ist die Familie Dukanovic damit jedoch noch lange nicht. Milos Bruder kontrolliert die grösste Bank, seine Schwester über 80 Prozent der Auslandinvestitionen. Und Milo Dukanovic konnte sich - trotz offiziell bescheidenem Abgeordneten- und Ministerhonorar - ohne Probleme mit 1,5 Millionen Euro an der Prva Bank in der Hauptstadt Podgorica beteiligen.

Die italienische Antimafiabehörde DIA in Bari verzeichnet Dukanovic in offiziellen Unterlagen im Zusammenhang mit Zigarettenschmuggel und Verbindungen zu den Mafia-Organisation Camorra (Neapel) und Sacra Corona Unita (Apulien). Auf der italienischen Beschuldigtenliste aus dem Jahr 2005 wird Milo Dukanovic als Nummer 1 geführt.

Top-Drogenhändler ist Fussballclub-Besitzer

Die Verbindungen mit Serbien sind in Montenegro ausgeprägt. So ist der Serbe Darko Saric Mitbesitzer des Erstligisten FK Rudar Pljevlja (Meister 2010), der 2010/2011 an den Champions League-Qualifikationsspielen teilnahm.

Darko Saric ist ein gesuchter Mann - auch von der Polizei: Die Behörden sehen in ihm den grössten Drogenschmuggler des Balkans. Es ist die Rede von Milliardengewinnen. Im Oktober 2009 beschlagnahmten der serbische Geheimdienst BIA und die US-Drogenbekämpfungsbehörde DEA in Uruguay 2,7 Tonnen Kokain mit Destination Westeuropa. Einer der Hauptverantwortlichen: Darko Saric.

Serbische Medien berichteten, Saric habe Anfang 2010 rund 30 Millionen Euro für die Ermordung führender serbischer Politiker und Polizisten bereitgestellt - darunter Präsident Boris Tadic, die Justizministerin und der Sonderstaatsanwalt für die Bekämpfung der Organisierten Kriminalität.

Das meiste Geld aus dem Drogenhandel investierten Darko Saric und Co. in Sportvereine, Hotels, Discos, Restaurants oder in Übernahmen ehemals staatlicher Unternehmen. Sarics Drogenkartell wurde über x Offshore-Firmen verwaltet, in Serbien gehörte ihm das Zeitungsvertriebsunternehmen «Stampa». Danach verkaufte er die Firma der deutschen WAZ-Gruppe. Sie ist mit Investments in neun europäischen Staaten und einem Gesamtangebot von über 500 Titeln das drittgrösste Verlagshaus Deutschlands und einer der grössten Regionalzeitungsverlage Europas.

Im April 2010 berichtete die Zeitung «DAN», der montenegrinische Ministerpräsident Milo Dukanovic habe dem serbischen Topdealer Darko Saric die montenegrinische Staatsbürgerschaft angeboten - weil er ja nicht vorbestraft sei.

Der steinreiche «Prinz von Montenegro»

Ebenfalls in die Topetage des montenegrinischen Fussballs ist Brano Micunovic (Bruno Micunovic) aufgestiegen. Er soll Besitzer des FK Sutjeska aus Niksic sein, der Verein ist einer der beliebtesten des Landes.

Ein montenegrinischer Torhüter erzählte österreichischen Kriminalisten im Zusammenhang mit manipulierten Fussballspielen, Micunovic stehe sogar über dem Dukanovic-Clan.

Brano Micunovic, auch Prinz von Montenegro genannt, wurde in einer serbischen TV-Sendung als «Kopf der serbischen Fussballmafia» bezeichnet.

Die Vorwürfe gegen Micunovic sind alt, er bestritt sie bereits 1992. Damals meinte er, sein Engagement beim OFK Petrovac sei ein teures Hobby gewesen. Damals war Micunovic noch ein enger Freund des inzwischen verstorbenen jugoslawischen Diktators Slobodan Milosevic. Auch zum jugoslawischen Geheimdienst unterhielt Micunovic beste Verbindungen.

Später begann Brano Micunovic in Montenegro gross zu investieren. Verschiedene Zeitungen recherchierten über Micunovic. Die Zeitung «Blic» schrieb diesen Februar: «Wie Blic erfuhr, ist Brano Micunovic der Chef der montenegrienischen kriminellen Szene, ein Mann mit grossem Einfluss auf die Machtstrukturen damals und heute ein enger Freund von Milo Dukanovic.» Der «Blic» weiter: «Inoffiziell wird Micunovic in Verbindung mit verschiedenen kriminellen Vorgängen in Montenegro, Serbien und Kroatien gebracht. Offiziell wurde gegen ihn nur einmal in Montenegro ermittelt.» Das war 2001 wegen Mordverdachts. Die Untersuchungen wurden eingestellt - aus Mangel an Beweisen.