Roger Federer meldet sich zurück im Tennis-Zirkus. Am Dienstag bestreitet der Baselbieter, der in Madrid 2006, 2009 und 2012 den Titel gewann, sein erstes Spiel auf Sand seit drei Jahren. Entsprechend gross ist die Vorfreude, aber auch die Unsicherheit. Während seiner einmonatigen Pause in der Schweiz, in der er isch intensiv auf die Rückkehr auf Sand vorbereitet hat, haben sich aber auch andere Fragen angestaut.

Das sind die brennendsten und Federers Antworten darauf:

Die ersten Stunden auf Sand seit drei Jahren

Es war grossartig und hat Spass gemacht. Als wir Anfang April angefangen haben, war es gutes Wetter. Ich erinnere mich noch gut daran, dass es vor drei, vier Jahre geschneit hat, wie an diesem Wochenende in der Schweiz auch wieder. Das war für mich schon nicht besonders inspirierend, in der Ballonhalle auf Sand zu trainieren, wenn es draussen unter null Grad ist. Ich bin glücklich, habe ich mich Ende Dezember dafür entschieden, wieder auf Sand zu spielen. Es war die richtige Entscheidung, auch wenn die Bedingungen nicht immer perfekt waren. An zwei Tagen hatte es zum Beispiel so viel Wind, wie ich es noch nie erlebt habe, das war fast schon lächerlich, aber es hat auch echt Spass gemacht. 

Bereits seit Freitag trainiert Federer in Madrid.

Bereits seit Freitag trainiert Federer in Madrid.

Die Querelen um Justin Gimelstob

Es ist definitiv die richtige Entscheidung, dass er zurückgetreten ist. Er muss ein paar Dinge für sich klären, darüber besteht kein Zweifel. Wir müssen jetzt aber auch wieder nach vorne schauen, denn es sind herausfordernde und wichtige Zeiten für die Zukunft des Tennis. Ich habe viele Gespräche geführt mit Spielern und auch mit Board-Members, um zu spüren, wo wir stehen, wie sie die Situation derzeit beurteilen. Vor allem an jenem Wochenende, als alles hochgekocht ist. Ich bin froh, hat sich Justin so entschieden. Es bedeutet, dass wir nach vorne schauen und daraus lernen können, was passiert ist.

Weshalb er sich erst jetzt zu Gimelstob äusserte

Was ich nicht mache und nie machen werde: Mich auf Social Media zu solchen Themen äussern. Wäre ich bei einem Turnier gewesen, hätte man mich gerne fragen können und ich hätte meine Meinung so offen und ehrlich geäussert, wie das eben möglich ist. Aber ich war Zuhause, niemand hat an meine Tür geklopft (lacht). Sehen Sie: Bei solchen Fragen mache ich mir lieber zuerst hinter verschlossenen Türen ein Bild von der Situation. Ich weiss, dass es für die Medien und die Fans spannender wäre, wenn es umgekehrt wäre. Es ist aber sicher so, dass die Dinge anders hätten laufen können. Aber: Das ist jetzt abgehakt. Wir sollten daraus lernen und nach vorne schauen. Für das Tennis ist das auch eine Chance.

Roger Federer begrüsst den Rücktritt von Justin Gimelstob.

Roger Federer begrüsst den Rücktritt von Justin Gimelstob.

Die Differenzen mit Novak Djokovic

Wir haben noch  nicht über die Situation geredet, es hat sich noch nicht ergeben. Man kann nicht dauernd telefonieren, wir haben beide viel los. Momentan gibt es auch nicht viel, um darüber zu diskutieren. Erst musste der Prozess mit Justin abgeschlossen werden. Ich habe aber mit anderen Mitgliedern im Spielerrat darüber geredet (zum Beispiel mit Robin Haase, mit dem Federer am Freitag in Madrid trainierte, Anm. d. Red.). Insofern war es nicht notwendig, dass ich mit Novak rede. Jetzt ist alles gut, entschieden und richtig. Momentan, habe ich das Gefühl, dass es keinen Grund gibt, mit ihm zu diskutieren. Es geht eher darum, zu schauen, wie er die Zukunft im Tennis sieht. Es gibt doch viele offene Fragen. Aber ich habe das Gefühl, es ist nicht dringend, dass wir darüber reden.

Federer sieht momentan keinen Gesprächsbedarf mit Djokovic.

Federer sieht momentan keinen Gesprächsbedarf mit Djokovic.

Die Umstellung auf Sand

Es ist nicht so schwierig, wie man meinen könnte. Aber es braucht jeweils etwas Zeit, sich daran zu gewöhnen, wie man Punkte aufbaut. Auf Sand sind die Ballwechsel länger und es wird mehr von der Grundlinie gespielt. Dafür kannst du mit mehr Winkel und unterschiedlich viel Drall spielen, auch einmal Tempo rausnehmen. Von dem Standpunkt her war es sicher sehr spannend, aber nicht besonders herausfordernd. Mir ist aber auch bewusst, dass das erst das Training war, im Match wird es sicher anders. Ich bin sehr zufrieden, wie die Vorbereitung gelaufen ist. Im Training habe ich alles erlebt: Sonne, Regen, Wärme, Kälte, Wind. 

Die Erwartungen an sich selber

Ich  habe keine hohen Erwartungen, weiss aber auch, dass viel möglich ist. Madrid ist schnell, weil es hoch ist. Ich bin selber sehr gespannt. Ich sehe das als grosse Herausforderung und ich will es unbedingt geniessen. Es soll nicht nur Krampf und Kampf sein, das wird es dann schon noch brauchen, aber es soll nicht nur ein Müssen sein. Ich fühle mich sehr, sehr frei. Wie es im Match sein wird, weiss ich noch nicht, das muss ich abwarten. Momentan ist es noch viel Blabla. Aber ich hoffe schon, dass es nicht nur zwei Matches sind hier und in Paris, sondern dass ich auch drei, vier Spiele gewinnen kann. Darum ist der Druck schon gross. Wenn ich ein paar Matches gewinnen kann, kann ich diese Sandplatzsaison auch geniessen und bin nicht dauernd unter Druck. Ich bin gut angekommen, fühle mich gut, mental und körperlich und habe Lust, gutes Tennis zu spielen. Ja, ich kann sagen: Alles ist wunderbar. 

Feiern am Montag ihren fünften Geburtstag: Leo und Lenny Federer.

Feiern am Montag ihren fünften Geburtstag: Leo und Lenny Federer.

Den fünften Geburtstag seiner Buben Leo und Lenny am Montag

Sie kommen am Sonntagabend nach Madrid, also kann ich mit ihnen feiern, das ist schön. Wir haben noch keine grossen Pläne, machen aber sicher etwas Lässiges Es gibt sicher einmal einen Ballon, dann ist schon mal gut (lacht).