Ski Alpin

Mittendrin statt nur dabei: die Reise von Basel ans Skifest am Lauberhorn

Tausende von Fans verfolgen das Rennen gegenüber des Hundschopfs.

Tausende von Fans verfolgen das Rennen gegenüber des Hundschopfs.

Wir begleiteten die Fan-Ströme auf ihrem Trip zur legendären Lauberhornabfahrt – inklusive Warteschlangen am Bahnhof, überfüllter Züge und ausgelassener Feierlichkeiten an der Rennstrecke, im Zielraum und im Dorf.

Um 6.31 Uhr machen wir uns von Basel aus auf den Weg ins Berner Oberland zu einem der prestigeträchtigsten Skirennen, der Lauberhornabfahrt in Wengen. Spätestens als der Zug in Bern voller Passagiere ist, merkt man, dass heute etwas Besonderes im Gange ist. Lauscht man den Gesprächen der Passagiere, fällt fast in jedem zweiten Satz das Wort «Lauberhorn».

Die Anreise ist für die Fans der Beginn des Erlebnisses «Skirennen». Schon zu früher Stunde zischen zahlreiche Bierdosen. Die Stimmung ist ausgelassen - und dennoch herrscht noch eine gewisse Angst.

Das Massen-Pilgern

Auch die Landeshauptstadt ist von einer weissen Schneedecke überzogen und es schneit auf unserem Weg kräftig weiter. Die Abfahrt von Wengen steht wegen der Neuschneemassen auf der Kippe. Kaum einer hält bei einem Blick aus dem Fenster ein Weltcuprennen für durchführbar.

In Lauterbrunnen drängen die Fans in die Wengernalpbahn.

In Lauterbrunnen drängen die Fans in die Wengernalpbahn.

In Spiez entleert sich der Zug komplett. Der gesamte Inhalt des Intercitys schwappt aufs gegenüberliegende Gleis und zwängt sich in den Regionalzug nach Interlaken. Dort gleichen sich die Bilder. Am Bahnhof Lauterbrunnen werden die Fans von den Organisatoren durch den Bahnhof gelotst.

Die Zahnradbahn nach Wengen kann pro Stunde nur 2000 Zuschauer transportieren, weshalb die Fans in Lauterbrunnen oftmals lange Wartezeiten in Kauf nehmen müssen. Da wir früh dran sind, warten wir nur etwa 20 Minuten, bevor wir eng aneinandergepresst ins autofreie Wengen transportiert werden.

Party, Guggenmusik und Tippspiele

Im Bergdorf ist die Party bereits in vollem Gange. Jeder Gast erhält nach seiner Ankunft eine Schweizer Fahne. Zudem verteilen die Sponsoren Sonnenbrillen, Startnummern, Mützen und Getränke. Eine Guggenmusik heizt dem Publikum ein. Und als hätte der Wetterfrosch die Gebete der Ski-Fans erhört, reisst auch der Himmel auf.

Auf dem Dorfplatz in Wengen.

Auf dem Dorfplatz in Wengen.

Zwei Stunden vor dem geplanten Start tummeln sich die Fans an den Ständen auf dem Dorfplatz. Dort wird viel gewettet: auf den Sieg, auf das Podest, auf den Zeitabstand des Zweiten zum Sieger...

Unter dem herrlichen Panorama mit den in der Sonne glitzernden Alpengipfeln Eiger, Mönch und Jungfrau pilgern die Fans in einer langen Kolonne den verschneiten Weg zum Ziel herab. Ein traumhaftes Bild. Die Freude ist gross, als auch die Jury um 11.15 Uhr entscheidet, das Rennen wie geplant vom Kombinationsstart aus zu lancieren. Damit ist die Abfahrt zwar statt 4,5 km nur noch 2,7 km lang, doch das stört die Fans wenig.

Ein Fondue am Pistenrand

Wir verfolgen das Rennen nicht vom Zielbereich, sondern von der Wengernalp unterhalb des berühmt-berüchtigten Hundschopf-Sprungs aus. Dafür fahren wir mit der Zahnradbahn noch ein Stück nach oben.

Fondue auf der Wengernalp.

Fondue auf der Wengernalp.

Ist man auf der Alp angekommen, bietet sich erneut ein grandioser Anblick. Zur einen Seite erhebt sich die Rennstrecke, die bis zu den beiden gefährlich anmutenden Felsen rechts und links des Hundschopf-Sprungs einsehbar ist. Gegenüber haben sich Tausende Fans niedergelassen, von denen nicht wenige auch auf Ski den Weg an die Piste gefunden haben.

Auf einer steilen Naturtribüne haben es sich die Schaulustigen bequem gemacht. Getränke werden in eigens gebauten Schneebars kalt gestellt und überall riecht es nach Käse. Mitgebrachtes Fondue oder Raclette wird, auf Gaskochern zubereitet, verspeist.

Ein Fahnenmeer in Rot-Weiss

Auf zwei Grossleinwänden sehen die Zuschauer die Fernsehbilder, die von einem eigenen Moderator kommentiert werden. Endlich geht es los. Der erste Fahrer springt über den Hundschopf ins Blickfeld. Gänsehaut. Aus den Lautsprechern tönt Musik, Fahnen werden gewedelt und es wird gejohlt. Nach etwa 15 Sekunden verschwinden die Profis im Kernen-S.

Die Blicke der Fans wenden sich nun ihrem Fondue oder dem Bildschirm zu. Als sich mit Beat Feuz und Carlo Janka die beiden besten Schweizer ankündigen, erhebt sich die komplette Tribüne. Ein ohrenbetäubender Lärm schallt den heimischen Speed-Assen entgegen, die, sobald sie über die Kante springen, auf ein Fahnenmeer von Schweizer Kreuzen blicken.

Dass die beiden Schweizer den österreichischen Führenden Klaus Kröll nicht verdrängen können, ärgert die Fans. Die Rivalität mit dem Alpennachbar ist spürbar. Das wird deutlich, als nach Aksel Lund Svindals Bestzeit der gesamte Berg in Freudenschreie ausbricht. Man freut sich mit dem Norweger, über dessen ersten Sieg am Lauberhorn.

Die finale Siegerehrung im Tal

Als das Rennen quasi entschieden ist und wegen schlechter werdenden Sichtverhältnissen mehrfach unterbrochen wird, nutzen viele Fans die Chance und begeben sich bereits wieder in Richtung Wengen.

Sie wissen ganz genau, dass sie unter Umständen sehr lange warten müssen, wenn sie nicht zu den ersten gehören, die mit der Zahnradbahn den Weg ins Dorf angehen. Dennoch entsteht keine Hektik. Bis zur Siegerehrung um 19 Uhr auf dem Dorfplatz bleibt noch eine Menge Zeit. Erst anschliessend tritt der Teil des Trosses, der nicht sowieso in Wengen übernachtet, langsam die Heimreise an.

Den Hundschopf-Blog zum Nachlesen:

Hundschopf-Blog

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