Lauberhorn
Mit Schweizer Know-how Österreichs Skisport retten

ÖSV-CheftrainerAndi Puelacher lernte sein Handwerk bei Swiss-Ski. Nun arbeitet er für die Konkurrenz aus Österreich und soll nun dessen Skisport retten.

Richard Hegglin
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Andi Puelacher arbeitet seit zwei jahren für Österreichs Ski-Team.

Andi Puelacher arbeitet seit zwei jahren für Österreichs Ski-Team.

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Vor zwei Jahren suchte Swiss-Ski in seiner grössten Krise sein Heil im Engagement eines österreichischen Führungstrios. Aber es gibt auch den umgekehrten Weg, den Know-how-Transfer von der Schweiz nach Österreich: Andi Puelacher, seit dieser Saison Cheftrainer der ÖSV-Männer, lernte sein Handwerk weitgehend in der Schweiz. Und soll nun Österreichs Skisport retten, der in den technischen Disziplinen bös ins Schlingern geraten ist.

Marcel Hirscher kaschiert die Krisensymptome, die vor allem im Slalom dramatisch sind. Ausser den alten Benni Raich, Mario Matt, Reinfried Herbst, alle über 35-jährig, gibt es nur noch Junioren-Weltmeister Manuel Feller, und der ist mit einem Kreuzbandriss ausser Gefecht. «Mir gehen die Leute aus», konstatiert Puelacher. «Zwischen den Jahrgängen 1979 mit Matt und 1989 mit Hirscher haben wir keinen einzigen Fahrer mehr.»

«Es wird zwei, drei Jahre dauern, bis wir Anschluss gefunden haben»

Das Problem wird sich nach den Rücktritten von Matt, Raich und Co. noch akzentuieren. Im Riesenslalom sieht es, immer von Hirscher abgesehen, nicht viel besser aus. Da werden wohl mit Christoph Nösig und Philipp Schörghofer zwei für die WM selektioniert, die sich noch nie unter den ersten 15 klassierten.

Sogar in der Abfahrt zeichneten Österreichs Medien im Dezember nach drei Rennen ohne Podestplatz und einem 7. Rang als Bestresultat Horrorszenarien, ehe Olympiasieger Matthias Mayer mit einem 2. Rang in Santa Caterina den Bann brach. «In dieser Disziplin», sagt Puelacher, der acht Jahre für Swiss-Ski arbeitete, «mache ich mir wenig Sorgen. Wir werden einen guten Winter erleben. Wir haben bewusst etwas umgestellt, weil wir technisch schlecht Ski gefahren sind.»

Doch im Slalom sieht er kurzfristig wenig Perspektiven: «Es wird zwei, drei Jahre dauern, bis wir Anschluss gefunden haben. Es sind in der Vergangenheit andere Schwerpunkte gesetzt worden. Man hat sich auf den Gesamtweltcup fokussiert. Gesamtsieger kann man ohnehin nicht ‹machen›. Die kommen einfach. Aber man hat diese Strategie gefahren und dadurch den Slalom vernachlässigt.»

Auf Putsch-Versuch folgt Sieg

Puelacher versucht zu vermeiden, irgendjemand die Schuld zuzuweisen. Er weiss, wie schnell er in seiner exponierten Position ins Fadenkreuz geraten kann. Das erlebte er in der Schweiz als Technik-Trainer der Frauen (1999–2005). Gerade sollte, initiiert von einem Skiausrüster, eine Abschuss-Kampagne über die Boulevard-Zeitung anlaufen – und just am selben Wochenende gewann Lilian Kummer einen Weltcup-Riesenslalom. «Genau so war es», lächelt Puelacher. Und nicht ohne Stolz fügt er an: «Aus jenem kleinen Technik-Team kommt auch die letzte Schweizer Slalomsiegerin.» Seit Marlies Oester im Jahr 2002 hat nie mehr eine gewonnen.

2008 kehrte er, auf Anfrage von Martin Rufener, nochmals für zwei Jahre in die Schweiz zurück und war als Europacup-Chef am Aufbau der Speed-Truppe um Patrick Küng, Marc Gisin und Co. wesentlich mitbeteiligt. «Ich bedingte mir aber absolute Handlungsfreiheit aus», sagt Puelacher, «weil ich früher mit dem in der Schweiz ausgeprägten ‹Gärtchendenken› Mühe hatte.» Das hat seinerzeit zum Konflikt zwischen ihm und Tom Stauffer und zum Abgang des Berners geführt, ehe dieser im letzten Frühjahr zu Swiss-Ski zurückkehrte. 14 Jahre später stehen sich die beiden Kontrahenten als Chefs der beiden grössten Skiteams gegenüber.