Super League

Mit Rietiker in den Überlebenskampf: GC hat einen neuen Präsidenten

Geht seine Aufgabe mit viel Selbstbewusstsein an: Stephan Rietiker glaubt, dass er bei GC einiges bewegen kann.

Geht seine Aufgabe mit viel Selbstbewusstsein an: Stephan Rietiker glaubt, dass er bei GC einiges bewegen kann.

Nach dem Rücktritt von Stefan Anliker hat der Grasshoppers Club Zürich reagiert. Er präsentiert mit dem 62-jährigen Arzt und Unternehmer ihren neuen Präsidenten.

Der Neue gibt Gas. Schon heute Donnerstag wird Stephan Rietiker im Campus zur Antrittsvisite erscheinen. Aber nicht, um den Profis zu zeigen, wie ein Fallrückzieher aussieht oder eine saubere Grätsche.

Dafür wäre seine Vergangenheit als Fussballer zu bescheiden; es gibt nämlich keine. Nein, der 62-Jährige kommt aus ganz trivialen Gründen ins Trainingszentrum nach Niederhasli: Er will die Mannschaft kennenlernen. Seit gestern ist Rietiker nämlich der neue Verwaltungsratspräsident des Grasshopper Clubs Zürich. Vorerst im Mandatsverhältnis bis zur formellen Wahl an einer ausserordentlichen Generalversammlung im April.

Vor drei Wochen sind die Hauptaktionäre Stephan Anliker und Peter Stüber an Rietiker herangetreten mit der Frage, ob er sich vorstellen könne, beim Rekordmeister das Präsidium zu übernehmen.

Ersterer hatte diese Funktion seit fünf Jahren inne und war zur Einsicht gekommen, dass ihm die Kraft fehle, um das vor allem sportlich schlingernde GC-Schiff auf Kurs zu bringen. «Ich wurde von dieser Anfrage überrascht», sagt Rietiker. «Weil ich aber die volle Unterstützung der Aktionäre erhielt, sagte ich zu.» Eigenes Geld wird er vorerst nicht einbringen.

Klassenerhalt im Fokus

Rietiker weiss, dass ihn kein Schoggi-Job erwartet, sondern Knochenarbeit. Als langjährigem Mitglied der Gönnervereinigung «Donnerstag-Club» ist ihm bekannt, welch massive Beben den Verein in den vergangenen Jahren durchgeschüttelt haben und wie prekär vor allem die sportliche Lage als Tabellenletzter der Super League ist. «Der Fokus ist ganz auf den Klassenerhalt gerichtet. Diesem werden wir vorderhand alles unterordnen», sagt Rietiker.

Das Dumme ist nur, dass es für die Krankheit, an der die Hoppers schwer leiden, in der Apotheke keine Medizin gibt und selbst ein gut ausgebildeter Arzt nicht helfen kann. Denn das wäre Rietiker ja eigentlich, hatte er doch einst während fünf Jahren als Facharzt für innere Medizin am Triemli- und Unispital in Zürich gearbeitet. Aber eben, im Fall von GC hilft das nicht.

Die Mannschaft schiesst fast keine Tore, kassiert zu viele und hat mit nur fünf Siegen auch viel zu selten gepunktet, um nicht stark abstiegsgefährdet zu sein. Selbst wenn dies nicht zu Rietikers Fachgebiet gehört, wagt er eine Diagnose: «Der Patient liegt zwar auf der Intensivstation, hat aber gute Chancen, zu überleben.»

«Ich werde den Klub wie ein Unternehme führen»

Mut macht ihm, dass er aufgrund seiner beruflichen Erfahrungen zur Erkenntnis gekommen ist, dass es für jedes Problem eine Lösung gibt. «Ich kenne solche Situationen und bin schon durch einige Stahlbäder gegangen», sagt Rietiker und nennt als Beispiel die Rettung der Firma Sulzer Medica, bei der ein Mehrfrontenkrieg gemeistert worden sei.

Im vergangenen Jahr hat er die in der Medizintechnik tätige Firma LifeWatch an einen Unternehmer in den USA verkauft, sitzt dort aber noch im Verwaltungsrat. «Ich habe jedoch keinen Fulltime-Job mehr und damit Zeit. GC wird mich stark absorbieren», sagt Rietiker. «Ich werde den Klub wie ein Unternehmen führen.»

Das haben im Fussball schon manche versucht, dann aber irgendwann feststellen müssen, dass dieses Geschäft anders tickt und mit seiner Unberechenbarkeit nur schwer zu steuern ist. Bei GC ist die Lage besonders delikat, weil der vor gut drei Wochen fortgeschickte Sportchef Mathias Walther noch keinen Nachfolger hat und der für den entlassenen Trainer Thorsten Fink gekommene Tomislav Stipic den Schweizer Fussball überhaupt nicht kennt.

Vielfältige Herkulesaufgabe

Rietiker sagt, der neue Sportchef und der neue CEO (Manuel Huber verlässt GC am Saisonende) müssten rasch bestimmt werden. Es würden diesbezüglich bereits Gespräche geführt.

Das Dilemma: Rietiker versteht nicht viel von Fussball und bei GC sind die sportlichen Kompetenzen dünn gesät. So stellt sich die Frage, wer denn nun diese gravierenden Entscheidungen vorbereitet und trifft. «Ich muss mir im sportlichen Bereich die geeigneten Spezialisten holen», sagt Rietiker zwar, nicht aber, wer diese sein sollen. Dass es im Umfeld eines Klubs wie GC nicht an Einflüsterern mangelt, versteht sich von selbst.

Und noch etwas hat der Zürcher ganz oben auf der Pendenzenliste stehen. «Mir ist es ein Anliegen, ein gutes Verhältnis zu den Fans zu haben. Diese sind für uns super wichtig», sagt Rietiker. Deshalb will er rasch auf die Anhänger zugehen. Mit den wichtigen Exponenten direkte Gespräche führen, mit den anderen sich möglicherweise über die Social-Media-Kanäle austauschen. «Allerdings kenne ich mich damit nicht so gut aus», sagt Rietiker.

Auch das zeigt, welch vielfältige Herkulesaufgabe den neuen Präsidenten erwartet. Nur gut, dass er sich voller Selbstbewusstsein als den Richtigen für eine solche sieht. Und keine Zeit vergeuden will: Das Mediengespräch am Mittwoch im Zentrum von Zürich begann drei Minuten zu früh.

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