Das Fussballfeld im Stadio Cornaredo gehört an diesem Morgen dem FC Lugano. Um 10 Uhr trainieren die Profis. Es ist der Tag vor dem entscheidenden Spiel um den Verbleib in der Super League. Ein Sieg gegen St. Gallen – und die Party im Tessin kann steigen.

Frédéric Veseli steht am Spielfeldrand. Er blickt einige Meter in die Ferne. Dorthin, wo gleichzeitig das Schweizer Nationalteam trainiert. «Es kommt uns dieser Tage ein bisschen vor wie einem Tier, das spürt, wie sich der Feind nähert», sagt er mit einem Lachen. «Aber uns bringt das nicht aus der Ruhe, bei uns ist alles wie immer.» Wer das Training des FC Lugano verfolgt, diese erstaunliche Gelassenheit, kann tatsächlich zu keinem anderen Schluss kommen. «Nervös sein? Das überlassen wir dem FC Zürich», sagt Veseli.

Frédéric Veseli stemmt den U17-Weltmeister-Pokal in die Höhe.

Frédéric Veseli stemmt den U17-Weltmeister-Pokal in die Höhe.

Dass die Schweizer Nationalmannschaft gerade nebenan Hof hält, ist für ihn doppelt speziell. Im Herbst 2009 war Veseli der Captain jenes U17-Teams, das in Nigeria Weltmeister wurde. Den Durchbruch bei den Profis schaffte er aber nicht. Vielleicht wäre die Geschichte anders ausgegangen, hätte er wie ein Xhaka, Rodriguez oder Seferovic die ersten Schritte in den Profifussball in der Schweiz und nicht in England gemacht. Doch Veseli fragt: «Welcher 15-Jährige würde eine seriöse Offerte von Manchester City ablehnen? Ich kenne keinen. Meinen Weg bereue ich nicht. Ich würde alles nochmal gleich machen.»

Von City wechselt Veseli später zu Manchester United. Dann landet er bei Ipswich, wird schliesslich zu Klubs in den Niederungen ausgeliehen. «Schade ist, dass ich keine einzige Minute spielen durfte. Wenn ich die Chance gekriegt, sie aber nicht genutzt hätte, dann wäre es sicher ein bisschen einfacher gewesen.» Etwas ist Veseli wichtig: Nichts läge ihm ferner als Eifersucht auf seine ehemaligen Kollegen im Schweizer U17-Team. «Im Alltag habe ich zwar fast keinen Kontakt mehr mit ihnen, aber die Erinnerungen bleiben für immer. Und wenn wir uns sehen, kommen wir ins Schwelgen.»

Das Fernduell zwischen Zürich und Lugano entscheidet heute den Abstiegskampf.

Das Fernduell zwischen Zürich und Lugano entscheidet heute den Abstiegskampf.

Nun ist aus dem Schweizer Captain von einst ein Gegner geworden. Nach der Rückkehr in die Schweiz zum FC  Lugano im vergangenen Sommer ist Veseli – mittlerweile 23 Jahre alt – doch noch Nationalspieler geworden, für Albanien. «Das EM-Duell mit der Schweiz wird für viele ein hochemotionales Spiel – für mich natürlich besonders. Ich freue mich!»

Vorerst denkt Veseli aber nur an den Abstiegskampf. «Wir haben alles in unseren Händen», sagt er. Ein Abstieg des FCZ wäre für ihn nichts als logisch. «Ich weiss zwar nicht genau, was es ist, aber in diesem Verein stimmt einfach etwas nicht.»