Champions-League-Final
Mit Drohne und 4700 Polizisten: Madrid rüstet sich gegen britische Hooligans

Spaniens Hauptstadt ist am Samstag Schauplatz des Champions-League-Finals – 70 000 Engländer werden erwartet.

Sébastian Lavoyer
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Die spanische Polizei will den berüchtigten britischen Fussball-Hooligans mit einem Rekordaufgebot Herr werden.

Die spanische Polizei will den berüchtigten britischen Fussball-Hooligans mit einem Rekordaufgebot Herr werden.

Keystone

Madrid ist im Ausnahmezustand. Erstmals seit elf Jahren und dem Final zwischen Manchester United und Chelsea in Moskau steigt am Samstagabend in der spanischen Hauptstadt ein rein englischer Champions-League-Final. Liverpool trifft auf Tottenham – und die Madrilenen zittern vor den Hooligans von der Insel. Rund 70'000 Engländer sollen für das Spiel anreisen. Das Wanda Metropolitano, das neue Stadion von Atlético Madrid, in dem der Final steigt, fasst zwar rund 68'000 Zuschauer, doch nur 40'000 Tickets gingen an die Fans.

«Wir sind ohne Tickets angereist, weil wir unser Team unterstützen wollen. Dafür müssen wir nicht ins Stadion kommen», sagt Steve Stodden. Er ist mit seinen Freunden aus Liverpool angereist, um dabei zu sein, wenn sein Team nach den Sternen greift. Nach dem verlorenen Final letztes Jahr in Kiew gegen Real Madrid sind die Liverpool-Anhänger nun umso optimistischer für die Partie gegen den Liga-Rivalen aus London. Zwischen 20 000 und 30 000 Fussballfans wird es ähnlich ergehen wie Stodden und seinen Freunden. Sie werden zwar in der Stadt sein, trinken und feiern, aber keine Chance haben, das Spiel im Stadion zu sehen.

4700 Polizisten im Einsatz

Temperaturen über 30 Grad, Tausende von Engländern in Trinklaune und ein Fussballspiel dieser Bedeutung: Da scheinen Probleme programmiert. Zwar werden die beiden Fanlager getrennt, die Tottenham-Anhänger versammeln sich unweit des Stadtzentrums auf der Plaza Colon, jene von Liverpool knapp anderthalb Kilometer weiter westlich auf der Plaza de Felipe II. Damit es zwischen den zwei Lagern nicht zu wüsten Auseinandersetzungen kommt, sind am Samstag rund 4700 Polizisten im Einsatz. Erstmals kriegen die Sicherheitskräfte auch Unterstützung aus der Luft: Eine Drohne überwacht das Geschehen in Stadionnähe von oben.

4:0 gegen Barcelona: Der FC Liverpool schaffte es mit einer historischen Aufholjagd in den Final der Champions League

Xherdan Shaqiri feiert mit Divock Origi das 4:0 gegen Barcelona – Liverpool wirft Barcelona mit einem 4:0 aus der Champions League und zieht ins Final ein.
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Britain Soccer Champions League
Xherdan Shaqiri steht mit Liverpool im Champions-League-Final
Es folgen weitere Impressionen vom Match.
Das 4:0 fällt nach einem Eckball-Trick: Divock Orig trifft aus kurzer Distanz.
Ein Team und seine Fans Liverpool feiert den zweiten Champions League Final in Serie.
Fabinho und Virgil van Dijke.
Restlos bedient: Arthur and Sergi Roberto von Barcelona.
Joker Georginio Wijnaldum trifft zum 2:0 und kurz danach zum 3:0.
Jürgen Klopp und Jordan Henderson.
Riesenttäuschung bei Barca-Star Lionel Messi.
Besiegt: Barca-Coach Ernesto Valverde.
Shaqiri und Origi feiern das 4:0.
Barca-Star Luis Suarez kann das Aus nicht verhindern.
Lionel Messi, verloren auf dem Platz nach dem 0:4.
Torhüter Alisson: Wieder ein epischer Sieg gegen Barcelona Nach dem Viertelfinal-Triumph mit der AS Roma im letzten Jahr erlebt Torhüter Alisson die nächste grosse Wende gegen Barcelona, diesmal mit Liverpool.

Xherdan Shaqiri feiert mit Divock Origi das 4:0 gegen Barcelona – Liverpool wirft Barcelona mit einem 4:0 aus der Champions League und zieht ins Final ein.

PETER POWELL

«Die Guardia Civil wird die bösen Jungs im Zaum halten, da zweifle ich keine Sekunde», sagt José Lopez. Heute arbeitet er für die Stadtpolizei, aber früher war er selbst bei der Guardia Civil, der spanischen Militärpolizei. Auch Lopez ist am Samstag im Einsatz.

Selbst als im Dezember 2018 das Final-Rückspiel der Copa Libertadores zwischen den Boca Juniors und River Plate, den ewigen Rivalen aus Buenos Aires, aus Sicherheitsgründen im Bernabéu ausgetragen wurde, waren «bloss» 4000 Sicherheitskräfte im Einsatz.
Trotz dieses noch nie gesehenen Polizeiaufgebots fürchten sich viele Madrilenen vor Ausschreitungen.

Etliche Bars in der Nähe der beiden Fanzonen überlegen sich, am Samstag zu schliessen. «Wir können die Sicherheit für unser Lokal kaum garantieren. Wir hatten ja schon Probleme, wenn für internationale Basketballspiele 100 Serben aufkreuzten», sagt ein Barbesitzer unweit der Plaza de Felipe II. Am Samstag aber werden die Liverpool-Fans zu Tausenden in diese Gegend strömen.

Hotelbett für 3000 Euro

Ähnlich tönt es bei etlichen Taxifahrern. «Ich arbeite am Samstag nicht», sagt Manuel Rodriguez, «es macht einfach keinen Sinn.» Es sei nicht so, dass er sich vor den Engländern fürchte, aber er könne ihnen einfach nicht erklären, wohin sie kommen sollen, um die Polizeisperren zu umgehen.

So gross die Angst auch sein mag, Madrid wird vom grossen Fanaufmarsch auch ordentlich profitieren. Die Handelskammer der Hauptstadt rechnet damit, dass die Besucher während der Tage rund um den Final rund 125 Millionen Euro ausgeben werden – für Bocadillos (Sandwiches), Cerveza (Bier) und Souvenirs. Und natürlich für ihre Unterkünfte. 95 Prozent der Hotelbetten sollen belegt sein.

In letzter Sekunde: Mit drei Toren gegen Ajax schoss Lucas Moura Tottenham in das Endspiel

Ajax - Tottenham (08.05.2019)
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Trotz dem 0:2 Rückstand aus der ersten Halbzeit schaffen die Spurs die Wende und gewinnen das Rückspiel mit 3:2.
Trainer Mauricio Pochettino sinkt nach dem unerwarteten Sieg seiner Mannschaft zu Boden.
Nach der nervenzehrenden Partie jubelt der dreifache Torschütze Moura.
In der Nachspielzeit kann Moura noch einmal voll aufdrehen und das 3:2 erzielen.
Kein Durchkommen - Frenkie de Jong (r.) blockt den Schuss von Dele Alli ab.
Christian Eriksen (l.) wird von Frenkie de Jong (r.) verfolgt.
Moura bejubelt seine zwei Treffer, mit denen er seine Mannschaft wieder ins Spiel gebracht hat.
Vier Minuten später folgt der zweite Treffer zum Ausgleich.
In der 55. Minute trifft Lucas Moura zum 2:1.
Doch die Zeitspanne zwischen der 50. und 60. Spielminute gehört den Spurs. Danach steht es nur noch 2:2.
Kieran Trippier schreit seinen Frust in die Welt hinaus.
Zur Pause steht es 2:0, das freut nicht nur die Ajax-Fans im Stadion.
Tottenhams Dele Alli (r.) ist nicht zufrieden mit der Leistung seiner Mannschaft. Die beiden Ajax-Spieler Kasper Dolberg (M.) und Donny van de Beek (l.) planen unterdessen schon wieder ihren nächsten Streich.
Ajax ist nicht jung, nicht wild. Mit der Abgeklärtheit einer alteingesessen Mannschaft verwaltet Ajax seinen Vorsprung aus dem Hinspiel.
Zusammen mit Vorlagengeber Dusan Tadic (r.) feiert Ziyech (l.) das 2:0.
In der 35. Minute darf auch Hakim Ziyech einnetzen, Hugo Loris kann hier nicht mehr reagieren.
Dusan Tadic (M.) wagt einen Schuss auf das gegnerische Tor.
Nach dem 0:2 ist Tottenham-Trainer Mauricio Pochettino nicht zum Lachen zu Mute.
Hakim Ziyech kommt zu spät, Torhüter Hugo Loris hat alles im Griff.
Jan Vertonghen (M.) hat gegen die beiden Ajax-Spieler Hakim Ziyech (l.) und Noussair Mazraoui (r.) das Nachsehen.
Duell in luftiger Höhe: Ajax-Spieler Lasse Schöne (l.) gegen Christian Eriksen (r.) von den Spurs.
Schiedsrichter Dr. Felix Brych beobachtet ganz genau, wie Frenkie de Jong Dele Alli den Ball abluchst.
Auch seine Teamkollegen freuen sich über den frühen Führungstreffer.
Nach seinem Treffer gibt es für den jungen Spieler kein Halten mehr.
Donny van de Beek (2.v.l.) kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus, als de Ligt (3.v.l.) einnickt.
Die Szene zum 1:0.
Bereits in der fünften Minute fällt das 1:0 für Ajax durch Matthijs de Ligt.
Tottenhams Moussa Sissoko (l.) duelliert sich mit Ajax-Oldie Dusan Tadic (r.).
Für Ajax sieht die Ausgangslage etwas besser aus, doch auch auf dem 1:0 darf man sich nicht ausruhen.
Nach dem 0:1 im Hinspiel ist Tottenham heute gefordert.
Vor dem Spiel befindet sich ganz Amsterdam im Ausnahmezustand.

Ajax - Tottenham (08.05.2019)

KEYSTONE/AP/MARTIN MEISSNER

Die Preise schiessen ins Unermessliche. Für ein Bett in einem 5-Bett-Raum eines Hostels im Zentrum blättert man rund um den Final bis zu 180 Euro hin. Die teuersten Hotelbetten kosten bis zu 3000 Euro. Und für Airbnb-Wohnungen in Stadionnähe werden Summen bis zu 4500 Euro pro Nacht verlangt. Der ganz normale Champions-League-Wahnsinn.

Am Sonntag ist der Spuk vorbei. Dann wird ein Grossteil der englischen Fussballfans wieder auf die Insel zurückfliegen. 1744 Flugzeuge heben an diesem Tag vom Flughafen Madrid-Barajas in alle Himmelsrichtungen ab. Rund 240 000 Reisende verlassen Spaniens Hauptstadt. Das bisherige Rekordaufkommen wurde in Barajas im September 2007 verzeichnet. Damals hoben 1507 Flugzeuge ab.

Der Champions-League-Final lässt in Madrid Rekorde purzeln. Bleibt für die Madrilenen bloss zu hoffen, dass das massive Polizeiaufgebot dafür sorgen kann, die englischen Haudegen in Schach zu halten. Eine Hoffnung, die auch die Uefa teilt. Denn Gewaltexzesse könnten einen langen Schatten auf das sportliche Highlight des Jahres werfen.