Der Frühling klopft an die Tür. In der Natur spriessen langsam, aber sicher die ersten Blütenknospen. Während sich der Winter und die Kälte also nach und nach verabschieden, geht es in der Schweizer Eishockey-Meisterschaft um die Wurst.

Die ZSC Lions und der HC Lugano trafen sich zum ersten von maximal sieben Playoff-Viertelfinalduellen im Hallenstadion – und wollten von romantischen Frühlingsgefühlen herzlich wenig wissen. Im Gegenteil: Die Tessiner kamen mit dem Rasenmäher nach Zürich und versuchten, den ZSC-Blumengarten möglichst effizient zu verwüsten.

Resultatmässig gelang ihnen das nicht. Die Lions gewannen die mitunter hitzige Partie (zu knapp) mit 4:3. Trotzdem leisteten die Luganesi ganze Arbeit bei ihrer geplanten Gartenaktion: Verteidiger Julien Vauclair (gegen den im Nachgang der Partie ein Verfahren wegen eines Checks gegen den Kopf von Inti Pestoni eröffnet wurde) setzte Lions-Topskorer Robert Nilsson mit einem (auf den ersten Blick unabsichtlichen) Kniecheck ausser Gefecht.

Der ZSC-Topskorer Robert Nilsson (r.) fällt für den Rest der Saison aus.

Der ZSC-Topskorer Robert Nilsson (r.) fällt für den Rest der Saison aus.

Nilsson wurde am Sonntag untersucht. Die Befürchtungen von ZSC-Sportchef Edgar Salis, wonach er in den kommenden Wochen nicht mehr mit einem Einsatz des offensiv wertvollsten Spielers seiner Mannschaft rechnet, bestätigten sich: Das MRI ergab einen Innenbandabriss im rechten Knie. Für Nilsson dürfte die Saison damit beendet sein.

Was bedeutet der Ausfall des Schweden für die ZSC Lions? Nun: Gärtnermeister Hans Wallson nahm den personellen Rückschlag unmittelbar nach dem Ende des ersten Playoff-Duells betont gelassen.

Ja, er wollte sich auf gar keine Diskussion zu diesem Thema einlassen. «Ich werde nicht Stellung nehmen zu einzelnen Spielern. Wir haben ein solides Team», sagte der Schwede. Will heissen: Der Lions-Headcoach weiss, dass in seiner Mannschaft noch die eine oder andere Knospe steckt, die sich zu einer wunderbaren Blüte entwickeln kann. Entwickeln muss.

Der grüne Daumen Wallsons

Nun wird sich weisen, wie grün Wallsons Daumen tatsächlich ist. Er musste im vergangenen halben Jahr lernen, das Lions-Gärtchen mit seinen bisweilen zarten Pflänzchen zu hegen und zu pflegen. Bisweilen wurde mal ein wenig Unkraut entfernt (Luca Cunti, der zu Kloten transferiert wurde).

Dann wurden bereits gesetzte Blumenzwiebeln ausgegraben und später wieder eingepflanzt (Mike Künzle und Inti Pestoni wurde im Herbst zur Steigerung ihres Fitnesszustands eine Zwangspause verordnet). Dies alles vor dem Hintergrund, dass die Mannschaft im Frühling, wenn es zählt, in ihrer vollen Blütenpracht erscheinen kann.

«Letztlich geht es nur darum, zu gewinnen. Wir haben einen Weg zum Sieg gefunden.»

Hans Wallson Trainer ZSC Lions:

«Letztlich geht es nur darum, zu gewinnen. Wir haben einen Weg zum Sieg gefunden.»

Nun ist also die wunderbare Orchidee Nilsson, die das Gesamtbild des ZSCBlumenbeets stets um ein Vielfaches zu verschönern pflegte, vom Lugano-Rasenmäher unsanft geknickt geworden. Wallson sah aber trotz des personellen Rückschlags viel mehr Positives an diesem hektischen und lauten Frühlingsabend im Hallenstadion.

Vor allem die Tatsache, dass die Lions nach acht Playoff-Niederlagen in Serie (je vier in der Finalserie 2015 gegen Davos und in der Viertelfinalserie 2016 gegen Bern) wieder einmal gewannen, stimmte den Schweden zuversichtlich – und liess ihn die unschönen Begleitumstände für einen Moment vergessen: «Letztlich geht es nur darum, zu gewinnen. Wir haben einen Weg zum Sieg gefunden. Das war wichtig. Wir haben allen gezeigt, dass wir in den Playoffs erfolgreich sein können. Besonders angesichts der jüngeren Playoff-Geschichte hier in Zürich. Das war ein grosser Schritt.»

Am Dienstag, 07.03.2017, (Puckeinwurf 19.45 Uhr) geht es in dieser Viertelfinalserie im Tessiner Frühling weiter. Der LuganoRasenmäher ist startbereit.